Mehmet Scholl kritisiert Louis van Gaal

Nach Aus im Halbfinale : Scholl wettert gegen van Gaal: "Hat das Gebilde gebrochen"

Nach dem Aus im WM-Halbfinale gegen Argentinien übte ARD-Experte Mehmet Scholl harsche Kritik an Bondscoach Louis van Gaal. Der frühere Bayern-Trainer habe ein funktionierendes Gebilde gefunden, es aber selbst wieder gebrochen, so Scholl.

Als Maxi Rodriguez den entscheidenden Elfmeter für Argentinien verwandelt hatte, wirkte Louis van Gaals Miene noch versteinerter als sonst. Der Bondscoach schlenderte nach der bitteren Niederlage gegen die Südamerikaner im WM-Halbfinale (2:4 nach Elfmeterschießen) über den Platz und spendete seinen geschlagenen Spielern Trost.

Vier Tage zuvor war der ehemalige Bayern-Trainer im Viertelfinale gegen Costa Rica mit der Einwechslung von Ersatzkeeper Tim Krul zum Ende der Verlängerung noch der gefeierte Held gewesen. Krul hielt zwei Elfmeter, Arjen Robben und Co. zogen ins Halbfinale ein. Viel gewagt, viel gewonnen, könnte man sagen.

Cillessen hält keinen Elfmeter

Gegen Argentinien wechselte van Gaal nicht. Auch taktisch nicht. Stammkeeper Jasper Cillessen hielt gegen die Südamerikaner keinen Elfmeter. Und die Niederlande enttäuschte. Und van Gaal? Muss nun mit reichlich Gegenwind rechnen, vor allem in der kritischen Heimat. Denn der Erfolg hatte ihm Recht gegeben. Bis jetzt.

Einen Vorgeschmack lieferte nach dem schwachen Halbfinale ARD-Experte Mehmet Scholl, der kein gutes Haar an van Gaal ließ. "Wir können ja mal überlegen, warum die Holländer raus sind. Denn laufen können sie, das haben wir gesehen", legte Scholl los.

"Sie haben völlig ihre Art Fußball zu spielen verloren während des Turniers. Sie waren taktisch überladen. Die Spieler hatten pausenlos Angst, den Ball nach vorne zu spielen", erklärte der Ex-Nationalspieler. Scholl weiter: "Da wollte der Trainer das ganz große Taktikding drehen. Da wollte van Gaal zeigen, ich habe nicht nur den Fußballkeks gegessen. Sondern ich habe den allergrößten Fußballkeks gegessen. Er ist ja eigentlich ein großartiger Trainer, aber er will das ganz große Ding drehen. Das kommt dann als Bumerang zurück. Was wir in den letzten zwei Spielen gesehen haben, das waren nicht die Holländer."

Durch die K.o.-Runde gequält

In der Tat hatte sich die Niederlande nach einer überzeugenden Vorrunde mit dem 5:1-Sensationssieg gegen Noch-Weltmeister Spanien durch die K.o.-Runde gequält. Zwei späte Tore gegen Mexiko (2:1), das glückliche Elfmeterschießen gegen Costa Rica und nun der spielerisch ganz schwache Auftritt gegen allerdings ebenso schwache Argentinier.

Scholl sieht die Schuld bei van Gaal. "Der Fokus lag nicht mehr auf den Spielern, auf der Mannschaft, auf dem Team. Sondern der Fokus lag ganz klar auf dem Trainer. Und der hat das sehr genossen", so Scholl. "Sie haben sich selber im Turnier rausgespielt. Sie hatten eigentlich einen Lauf, van Gaal hatte auch ein funktionierendes Gebilde gefunden, aber er hat es gebrochen. Indem er die Taktik hin- und hergewechselt hat."

(are)
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