Ribery und Co. bleiben blass Frankreich sucht einen Chef

Düsseldorf (RPO). Frankreichs WM-Auftaktspiel gegen Uruguay offenbarte deutlich die Probleme des WM-Finalisten von 2006. Der "Equipe Tricolore" mangelt es an Führungsspielern – auch Franck Ribery ist kein Chef.

WM 2010: Uruguay - Frankreich
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Düsseldorf (RPO). Frankreichs WM-Auftaktspiel gegen Uruguay offenbarte deutlich die Probleme des WM-Finalisten von 2006. Der "Equipe Tricolore" mangelt es an Führungsspielern — auch Franck Ribery ist kein Chef.

Die Franzosen, die sich bereits in der Vorbereitung auf das Turnier in Südafrika nicht gerade mit Ruhm bekleckert hatten und zuletzt 0:1 gegen Fußballzwerg China unterlagen, waren gegen die defensiv und destruktiv agierenden Südamerikaner im kreativen Spielaufbau überfordert. Frankreich hatte mehr Ballbesitz, Spielkontrolle — klare Torchancen blieben jedoch Mangelware.

Im Vergleich zu 2006 oder zum WM-Triumph fehlt "Les Bleus" ein Anführer im Mittelfeld, wie es seinerzeit Zinedine Zidane in der Offensive und Didier Deschamps oder Patrick Vieira in der Defensive waren. Spieler, die bereit sind, in kritischen Situation die Verantwortung zu übernehmen. Gleich mehrere Akteure fielen diesbezüglich gegen die "Urus" durch.

Mit dem Kopf durch die Wand

Ribery sollte diesen Part dem Willen von Trainer Raymond Domenech nach übernehmen, doch der Flügelflitzer ist von seiner Mentalität und aufgrund seiner Position nicht dafür geeignet. Von den Mitspielern nur selten in Szene gesetzt, wollte der Superstar von Bayern München in Ballbesitz mit dem Kopf durch die Wand, lief sich immer wieder in Dribblings fest. Ribery machte deutlich, dass er kein Stratege, sondern ein spektakulärer Spieler ist, der mit einer außerordentlichen Situation das Match alleine entscheiden kann.

Yoann Gourcuff indes ist eigentlich ein solcher Stratege. Der Spielmacher von Girondins Bordeaux kam gegen Uruguay überhaupt nicht in Tritt, war nur ein Schatten seiner selbst. Lediglich bei einem Freistoß ließ der Spezialist sein Können aufblitzen, als Fixpunkt im Aufbauspiel erhielt er viel zu wenig Ballkontakte. Der Nachfolger von "Zizou" ist womöglich zu unerfahren, um eine Führungsrolle im Nationalteam zu bekleiden.

Der junge Abou Diaby, im Auftaktspiel im defensiven Mittelfeld aktiv, scheiterte ebenfalls an der Aufgabe, den Ball geschickt zu verteilen. Anfangs gefiel das Talent vom FC Arsenal durch Präsenz in Zweikämpfen, in der Offensive leistete er sich zu viele Ballverluste. Dadurch kam Frankreich nicht in den nötigen Rhythmus, um die tiefstehenden Südamerikaner zu knacken.

Fehlendes Selbstvertrauen

Andere Spieler wie die erfahrenen Angreifer Thierry Henry und Nicolas Anelka können das Führungsspieler-Vakuum in der "Equipe Tricolore" ebenfalls nicht mit Leben füllen. Henry steht nicht in der Startelf der Franzosen, kam gegen Uruguay erst in der Schlussphase ins Spiel und konnte die Wende nicht mehr herbeiführen.

Anelka, der für "Titi" den Vorzug als einzige Spitze im 4-5-1 Frankreichs erhalten halte, rackerte viel, war aber nicht torgefährlich. Er wirkt ebenfalls verunsichert, da er wie Henry den nötigen Rückhalt Domenechs nicht hat.

Frankreich sucht den Chef. Fällt Domenech nicht bald eine Lösung ein, droht den Franzosen ein ähnliches Schicksal wie bei der WM-Endrunde 2002 in Japan und Südkorea. Dort schied der Titelverteidiger mit einem trostlosen Punkt und 0:3 Toren nach der Gruppenphase aus — den einzigen Zähler holten die Franzosen damals übrigens durch ein 0:0 gegen Uruguay. Frankreich sollte gewarnt sein.