Frankreich spricht offen vom WM-Titel

Selbstbewusst gegen Nigeria : Franzosen sprechen offen vom Titelgewinn

Vor dem Achtelfinale gegen Nigeria ist die Stimmung prächtig. Der Afrikameister spürt Verantwortung.

Karim Benzema und Mathieu Valbuena scherzten im Training ausgelassen miteinander, Trainer Didier Deschamps verfolgte das Treiben seiner Stars sichtlich amüsiert von der Seitenlinie: Vor dem Achtelfinale gegen Nigeria (18 Uhr/Live-Ticker) in Brasilia ist die Stimmung bei den Franzosen gelöst und das Selbstvertrauen riesig. Die Runde der letzten 16 soll zur eine Zwischenstation auf dem Weg zum zweiten WM-Titel sein.

"Das Achtelfinale ist nicht genug. Wir wollen Titel gewinnen und es wäre ein Misserfolg, wenn wir den Pokal nicht gewinnen würden", sagte Bacary Sagna vor dem Duell der Equipe Tricolore mit dem Afrikameister. Ganz so forsche Töne sind von Deschamps zwar nicht zu hören, aber auch der Weltmeister von 1998 betont: "Wir sind noch nicht fertig."

In der Heimat wächst derweil die Euphorie um Les Bleus täglich. In einer Internetumfrage der L'Equipe zweifelten nur acht Prozent am Einzug ins Viertelfinale, zudem wird schon darüber diskutiert, ob man die Paraden anlässlich des französischen Nationalfeiertags am 14. Juli verschieben soll. Tags zuvor findet das WM-Endspiel statt. Staatspräsident Francois Hollande hat diese Pläne zwar abgelehnt, plant aber schon eine Reise im weiteren Turnierverlauf nach Brasilien. "Ich bin nicht dazu da, die Euphorie der Leute zu bremsen - im Gegenteil! Wir wollen sie noch lange feiern lassen", sagte Deschamps.

Nach dem blamablen Vorrunden-Aus bei der WM vor vier Jahren in Südafrika unter peinlichen Begleitumständen haben die Franzosen ihre Liebe zur Nationalmannschaft wiederentdeckt - den verletzten Superstar Franck Ribery vermisst derzeit niemand.

Yohan Cabaye warnte seine Mitspieler daher vor zu großem Übermut. "Wir sollten uns nicht unnötig unter Druck setzen. Wir müssen jede Arroganz vermeiden. Sonst werden wir einige Probleme bekommen", sagte der Mittelfeldspieler von Meister Paris St. Germain. Auch Deschamps will noch nicht an ein mögliches Viertelfinale gegen Deutschland denken.

Nach dem Ende des Prämienstreits will Nigeria nach dem Achtelfinal-Aus 1994 und 1998 erstmals in ein WM-Viertelfinale vorstoßen. "Wir sind Afrikameister und haben eine kollektive Verantwortung - für unser Land und für unseren Kontinent", sagte Trainer Stephen Keshi. Joseph Yobo fühlt sich derweil in der Rolle des Außenseiters pudelwohl. "Wir haben nichts zu verlieren. Viele geben uns keine Chance, aber wir wollen es schaffen", sagte der Kapitän der Super Eagles.

Dafür bedurfte es nach dem Trainingsboykott am Donnerstag aber der Hilfe des Staatspräsidenten. Goodluck Jonathan bewilligte nach Angaben des Internetportals africanfootball.com Prämienzahlungen von 3,805 Millionen Dollar.

Hier geht es zur Infostrecke: Frankreich - Nigeria: die Fakten

(sid)
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