Kommentar zu Brasiliens WM-Aus: Ein schmutziges Geschäft

Kommentar zu Brasiliens WM-Aus : Ein schmutziges Geschäft

Paulo Rink, Ze Roberto, Lothar Matthäus - sie alle waren nach dem historischen 1:7-Debakel der Selecao gegen Deutschland gefragte Gesprächspartner in den brasilianischen Medien. Sie alle sprachen die gleiche eindringliche Botschaft: Macht es wie die Deutschen.

Der "deutsche Weg" nach der verpatzten EM 2000 auf eine gezielte, langfristige Nachwuchsarbeit zu setzen, ist plötzlich in aller Munde.

Brasilien hat die Entwicklung des modernen Fußballs verschlafen. Nun ist er verzweifelt auf der Suche nach der eigenen Identität. Ein Trainerwechsel wird nicht reichen: Es müssen strukturelle Veränderungen her. Ähnlich wie sie sich der DFB verordnet hat. Den brasilianischen und deutschen Verband unterscheidet aber ein wesentlicher Charakterzug: Die brasilianischen Verbandsbosse wirtschaften skrupellos in die eigene Tasche.

In Brasilien ist Fußball ein schmutziges Geschäft, verwoben mit Spielerberatern, die einen undurchsichtigen Hintergrund haben, ausgerichtet auf kurzfristigen Erfolg. Schnell den größtmöglichen finanziellen Erfolg herauszupressen, ohne Rücksicht auf Verluste und die Karriere der Spieler. Der miserable Auftritt der Selecao ist das Ergebnis dieser Entwicklung.

Während der deutsche Fußball, seine Liga und sein Verband aus den schwierigen Jahren rund um die Jahrtausendwende gelernt und die Konsequenzen zogen haben, steht Brasilien dieser schmerzhafte Prozess jetzt erst noch bevor. Sollte sich dieser Fußball-Gigant allerdings zu dieser heilsamen Selbstreinigungskur durchringen, dann steht einer glorreichen Rückkehr vielleicht schon in vier, wahrscheinlich jedoch eher in acht Jahren nichts im Weg.

(RP)
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