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Serie: WM 2014: Die Exoten: Dabei sein ist alles

Serie: WM 2014 : Die Exoten: Dabei sein ist alles

Die sogenannten Fußballzwerge sind in Zeiten, in denen körperliche Fitness fast überall als Grundlage des Sporttreibens anerkannt ist, nahezu ausgestorben. Dokumentiert wird dies durch Aussagen der Experten, es gebe keine kleinen Gegner mehr. Dass diese Feststellung besonders gerne nach eher peinlichen Auftritten der eigenen Mannschaft gefällt wird, mindert den Wahrheitsgehalt nicht.

Den Sprung auf die große Bühne schaffen aber nur wenige. Von den 209 Verbänden, die dem Fußball-Weltverband (Fifa) angehören, erreichten 78 die WM-Endrunde. Indien, 1950 eigentlich qualifiziert, verzichtete auf die Reise nach Brasilien. Vorerst letzter Neuling ist das Team aus Bosnien-Herzegowina.

Die Männer um Vedad Ibisevic (Stuttgart), Sejad Salihovic (Hoffenheim), Emir Spahic (Leverkusen) und Edin Dzeko (Manchester City) werden aber kaum an die Vorstellungen einiger Vorgänger anknüpfen, deren Auftritte eher unter dem Motto "dabei sein ist alles" standen. So kassierte El Salvador in Spanien (1982) gegen Ungarn mit 1:10 die höchste Niederlage in der WM-Geschichte. 20 Jahre später schossen sich die Männer von Teamchef Rudi Völler auf dem Weg ins Finale von Tokio mit 8:0 gegen Saudi-Arabien warm. Miroslav Klose, der im Sommer vor seiner vierten Teilnahme steht, traf dreimal. Im Endspiel, in dem der bis dahin überragende Torhüter Oliver Khan patzte, siegte Brasilien mit 2:0.

Zu den "Exoten" gehören diesmal Honduras, das in der Qualifikation allerdings die höher eingeschätzten Mexikaner hinter sich ließ, und Algerien, auch wenn beide Teams zum zweiten Mal in Folge im Konzert der Großen mitspielen. Solche Paukenschläge, wie sie Nordkorea gelangen, werden ihnen aber kaum zugetraut. Pak Doo-ik wurde 1966 populär, als er im Vorrundenspiel in Middlesbrough das Tor zum 1:0 gegen den Favoriten Italien erzielte, der ausschied. Die Fußballwelt staunte, was das aus Militärangehörigen bestehende, von Trainer Myung Rye-hyun 18 Monate lang gedrillte Team, leistete. Im Viertelfinale schien die nächste Sensation fällig, aber Portugal wandelte ein 0:3, nicht zuletzt durch vier Tore des vor wenigen Tagen gestorbenen Eusebio, in einen 5:3 um. Es dauerte fast 43 Jahre, ehe ein Team aus Nordkorea wieder in Westeuropa spielte.

Zaire, die heutige Demokratische Republik Kongo, wurde vom noch vereinten Jugoslawien bei der WM 1974 in Deutschland mit 9:0 abgefertigt. Gemeinsam mit Südkorea, das 1954 in der Schweiz von den Ungarn mit 9:0 deklassiert worden war, belegen die Afrikaner Platz zwei in der Hitliste der höchsten Niederlagen.

Nachdem Zaire als erstes Land Schwarzafrikas die Teilnahme an einer WM-Endrunde geschafft hatte, hofierte Diktator Mobutu die Spieler. Nach dem 0:2 zum Auftakt gegen Schottland standen sie unter Hausarrest. Nach dem 0:9 hieß es, die Spieler würden Zaire und ihre Familien nie wiedersehen, wenn sie gegen Brasilien mehr als drei Tore zulassen. Die Partie endete 0:3. Mobutu hatte aber den Spaß am Fußball verloren. Auf das für jeden ausgelobte Auto, Haus und 20 000 Dollar warten die Spieler vergeblich.

(RP)