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Afrika und WM im Zwei-Jahres-Rhythmus: Darum muss Gianni Infantino zurücktreten

Nach Afrika-Aussagen : Brandgefährlich, skrupellos, unmenschlich – warum Infantino zurücktreten muss

Gianni Infantino rechtfertigt in einer Rede vor dem Europarat seinen WM-Vorstoß mit dem Tod von Tausenden Menschen im Mittelmeer. Das ist skrupellos, brandgefährlich und kann nur in Rücktrittsforderungen enden.

Es war wie so oft, wenn einem eine Aussage um die Ohren fliegt: Am Ende habe man seine Aussagen einfach nur falsch verstanden, es sei ja gar nicht so gemeint gewesen, wie es rübergekommen sei. Fifa-Präsident Gianni Infantino versuchte, seine unsäglichen Aussagen bei einer Rede vor dem Europarat in Straßburg zu verwässern, – und machte es damit nur noch schlimmer. Der mächtigste Mann des Fußballs hat zum wiederholten Male eine Grenze überschritten – und sich dieses Mal gänzlich für die weitere Ausübung seines Amtes disqualifiziert. Würden wir in einer anständigen Welt leben, müsste Infantino zurücktreten.

"Wir müssen den Afrikanern Hoffnung geben, damit sie nicht mehr über das Mittelmeer kommen müssen, um vielleicht ein besseres Leben zu finden oder, wahrscheinlicher, den Tod im Meer“, sagte der Fifa-Präsident am Mittwoch und wollte so seinen Vorstoß für einen Zwei-Jahres-Rhythmus für Fußball-Weltmeisterschaften untermauern. Ja, er hat es wirklich so gesagt. Ganz abgesehen davon, dass den meisten Afrikanern der derzeit laufende Afrika-Cup deutlich wichtiger ist als eine Fußball-Weltmeisterschaft, rechtfertigt der große Mann des Fußballs seine wirtschaftlichen Interessen tatsächlich mit dem Tod von Tausenden Menschen im Mittelmeer. Unsäglicher, durchtriebener und skrupelloser hätte Infantino gar nicht auftreten können.

Dass er ganz nebenbei in seiner Rede erneut den wegen Menschenrechtsverletzungen in der Kritik stehenden WM-Gastgeber Katar verteidigte und Berichte über Tausende Todesfälle auf den Baustellen zurückgewiesen hat, rundet das Bild des verlogenen Fifa-Präsidenten ab. Schließlich ist er gerade erst mit seiner gesamten Familie nach Katar gezogen und dürfte dort die Vorteile des Lebens genießen. Sklaven wird er da vermutlich genauso wenig zu Gesicht bekommen wie einst Franz Beckenbauer. Schöne, heile Welt.

Mit seinen Aussagen verharmlost Infantino nicht nur die vielzähligen Fluchtgründe und das Leiden der Menschen auf dem afrikanischen Kontinent. Nein, er zieht sie ins Lächerliche. Die Ignoranz vor den wahren Problemen und die Überhöhung des Fußballs lassen einen fassungslos zurück. Sieht übrigens auch Ex-Fifa-Präsident Sepp Blatter so. Infantino wolle "die Welt retten – merkt aber nicht, dass seine Aussagen nicht nur ironisch, aber zynisch wirken, und sein Bezug zu Afrika weltfremd und ehrverletzend ist".

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Gianni Infantino ist brandgefährlich, geht im wahrsten Sinne des Wortes (so lassen es zumindest seine Aussagen vor dem Europarat vermuten) über Leichen, damit er seine Interessen durchsetzen kann. Mit diesem Gedankengut, diesen Machtansprüchen und diesem skrupellosen Verhalten darf der Schweizer die Fifa nicht länger anführen.