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WM in Katar: Bei der Vergabe soll geschoben worden sein

Kolumne Gegenpressing : Korruption bei Katar-WM? Was für eine Erkenntnis

Unter der Woche wurde der ehemalige Uefa-Chef Michel Platini von der Polizei verhört. Der Verdacht: Katar soll Frankreichs Stimme mit Gegenleistungen erkauft haben.

Frankreichs ehemaliger Präsident Nicolas Sarkozy muss wegen Korruptionsverdacht vor Gericht. Was das mit Fußball zu tun hat? Zunächst mal nichts, denn es geht darum: Nach Überzeugung der Ermittler hatte Sarkozy im Jahr 2014 versucht, einen Staatsanwalt am Obersten Gerichtshof zu bestechen, um Informationen zum Stand eines gegen ihn laufenden Ermittlungsverfahrens zu erlangen.

Aber auch in einem anderen Verfahren scheint Sarkozy eine Rolle zu spielen. In dieser Woche vernahm die Polizei den ehemaligen Uefa-Präsidenten Michel Platini. Über den Inhalt des hochoffizíellen Gesprächs wurde nicht viel bekannt. Immerhin aber, dass die französischen Justizbehörden dem Verdacht nachgehen, bei der Vergabe der WM 2022 an Katar sei es nicht sauber zugegangen. Das sind nun keine furchtbar überraschenden Erkenntnisse. Aber zumindest wird nun wegen „aktiver und passiver Korruption“ ermittelt.

Sehr interessant finden die Ermittler ein Essen im Elysée-Palast am 23. November 2010. Daran sollen neben Staatspräsident Sarkozy der frühere Kronprinz und heutige Emir Katars, Tamim bin Hamad al-Thani, und auch Platini als damaliger Präsident der Uefa teilgenommen haben.

Zehn Tage später stimmte Platini für Katar, was er nicht einmal bestreitet. Er führt allerdings rein persönliche Gründe an. Andere weniger naive Zeitgenossen vermuten, dass Platini auf Bitte oder Weisung Sarkozys in einem höheren nationalen Interesse handelte. Die Stimme für Katar nämlich habe den Emir bewogen, mit ganz großem Geld bei Paris St. Germain einzusteigen. Das klingt nicht sehr unwahrscheinlich.

Für Platini kommt die Geschichte zur Unzeit wieder auf die Tagesordnung. Im Oktober läuft eine vierjährige Sperre ab, die die Ethikkommission des Weltverbands Fifa gegen den einstigen Topfunktionär verhängt hatte. Platini drängt es offenbar auf die Bühne zurück. Zuletzt hatte er gegen den Verbandspräsidenten Gianni Infantino gestichelt, der wiederum zu Platinis Uefa-Zeiten dessen Generalsekretär war. Man kennt sich also. Man schätzt sich allerdings nicht. Infantino nützte Platinis Sperre zum Sprung an die Spitze des Weltverbands. Das trägt ihm der ehemalige Weltklasse-Fußballer natürlich nach. Infantino sitzt im eitlen Kampf der Mächtigen und einstmals Mächtigen wieder am längeren Hebel, wenn Platini weiter im Visier der Behörden bleibt. Auch das wird nicht zur Vertiefung der Freundschaft beitragen.

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Weder Fifa noch Katar müssen ernsthafte Folgen befürchten. Enthüllen die Ermittler, was längst alle glauben, werden die Fußball-Funktionäre mit den Schultern zucken, den Schwarzen Peter dankbar Platini und den Franzosen zuschieben und gut zwei Jahre vor den Titelkämpfen darauf verweisen, dass der Zeitpunkt für eine Rückgabe der WM ins Vergabeverfahren überschritten sei. Wahrscheinlich wird irgendein gebildeter Zyniker auch die „normative Kraft des Faktischen“ bemühen. Jedenfalls müssen die Kataris keine Angst haben, dass ihnen die WM-Ausrichtung genommen wird.

Infantino wird weiterhin dem Geldberg bei der Fifa beim Wachsen zusehen und sich wie sein unseliger Vorgänger Sepp Blatter durch feine Morgengaben an die kleinen Verbände im Amt halten. Und Platini? Er rutscht vielleicht beim Comeback-Versuch über weitere Unterredungen mit der französischen Justiz aus. Die Fifa würde ihn gern opfern.

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