WM 2026: Showdown um die "Mega-WM"

Vergabe der WM 2026: Showdown um die „Mega-WM“

Das Rennen um die WM 2026 ist trotz des deutlichen Evaluierungsberichts völlig offen. Sowohl die gemeinsame Bewerbung der USA, Mexikos und Kanadas als auch der vermeintliche Außenseiter Marokko haben gute Chancen, am Mittwoch die Endrunde zugesprochen zu bekommen.

Wer bekommt den Zuschlag für die WM 2026? Einen Tag vor dem WM-Eröffnungsspiel in Moskau stimmt der Fifa-Kongress am 13. Juni ab, ob das Trio aus Amerika oder doch Außenseiter Marokko den Zuschlag für die erste Weltmeisterschaft mit 48 Teilnehmern bekommt.

  • Einnahmen: Deutlicher Pluspunkt für die amerikanische Bewerbung. Insgesamt sollen 14,3 Milliarden US-Dollar umgesetzt werden und elf Milliarden als Gewinn an die Fifa gehen, während eine WM in Marokko mit 7,2 Milliarden nur die Hälfte des Umsatzes erzielen würde. Für die nach den Skandalen der Vergangenheit klamme Fifa kann das den Ausschlag geben, wahlberechtigt sind aber erstmals alle Fifa-Mitglieder, nicht nur die "Regierung" im Council.
  • Stadien: Für die erste Mega-WM mit 48 Teams und 80 Spielen werden mehr Stadien als je zuvor benötigt. Für die nordamerikanische Bewerbung kein Problem, da die meisten Spiele in den USA stattfinden würden. Marokko dagegen müsste neun der 14 geplanten Stadien neu bauen. Dafür ist ein nachhaltiges Konzept angedacht, das den einfachen Rückbau der Arenen ermöglicht und eine anderweitige Nutzung erleichtern würde.
  • Infrastruktur: Der große Schwachpunkt der marokkanischen Bewerbung. Auch deshalb erreichte das nordafrikanische Land nur 2,7 von 5 möglichen Punkten bei der Bewertung durch das Evaluierungskomitee der Fifa. Besonders bei den Unterkünften sah die Task Force ein "hohes Risiko". 16 Milliarden US-Dollar will Marokko alleine in die Infrastruktur investieren. Dagegen hob sich die nordamerikanische Bewerbung insbesondere in diesem Punkt ab, Turnier-spezifische Bauarbeiten seien nicht erforderlich: Insgesamt gab es vier Punkte für "United 2026" bei der Bewertung.
  • Unterstützer: Den prominentesten Fürsprecher hat "United 2026" in Fifa-Präsident Gianni Infantino. Angeblich soll bis zuletzt versucht worden sein, Marokko gar nicht erst zuzulassen. Das Council erlaubte jedoch am Sonntag beiden Kontrahenten die Teilnahme an der Abstimmung. Unter den abstimmenden Fifa-Nationen (maximal 207) kann Marokko auf die Unterstützung aus der afrikanischen Konföderation CAF zählen, zudem auf die Stimmen großer (Frankreich) oder einflussreicher (Russland) Fußball-Nationen aus Europa.
  • Deutschlands Favorit: Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wird für die USA, Kanada und Mexiko votieren - das bestätigte Präsident Reinhard Grindel. Kleinere Länder wie Marokko sollten laut Grindel künftig angesichts der Ausweitung des Turniers auf 48 Mannschaften lieber über gemeinsame Bewerbungen nachdenken.
  • Politik: Heikel, und vielleicht entscheidend. Die USA stehen wegen US-Präsident Donald Trump im Kreuzfeuer der Kritik. Die von ihm forcierten Einreisebestimmungen, seine abwertenden Dreckslochländer-Aussagen: Die Wahlberechtigten aus allen Herren Ländern werden das nicht vergessenhaben. In den USA würden 60 Spiele stattfinden. Die Einmischung Trumps ging sogar so weit, dass er Unterstützern Marokkos indirekt politische Konsequenzen androhte. Im wirtschaftlich durchaus aufstrebenden Marokko sind derweil Menschenrechte immer noch ein Problem. So ist Homosexualität verboten - wie allerdings in einigen anderen Fifa-Nationen auch.
  • Fußball: Bei der Fußballbegeisterung hat Marokko vor allem gegenüber den USA die Nase vorn. In Mexiko hingegen ist Fußball die zweite Religion, Kanada kommt eher nach den USA. Marokko ist 2018 zum ersten Mal seit 1998 wieder bei einer WM dabei, hat aber jede Menge talentierte Nachwuchsspieler.
  • Chancen: Ginge es nur um die technische Qualität der Bewerbung, wäre eine Entscheidung zugunsten der Nordamerikaner Formsache. Aufgrund des Trump-Faktors und des schwierigen sportpolitischen Binnenklimas in der Fifa ist der Ausgang der Wahl aber ungewiss. Erhält Marokko tatsächlich fast alle Stimmen aus Afrika und fallen dem Underdog hier und da noch überraschend einige Voten zu, ist die notwendige einfache Mehrheit nicht mehr weit. Durch die dritte Wahloption "Keiner von beiden" ist allerdings auch noch die Neuauschreibung des Vergabeverfahrens möglich.
(SID)
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