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VfL Bochum: So hat sich der Klub in der Bundesliga etabliert

Aufsteiger begeistert : Darum ist der VfL Bochum die Überraschungsmannschaft

Der Aufsteiger VfL Bochum galt vor der Saison als sicherer Kandidat für den Weg zurück in die Zweite Bundesliga. Doch mit Leidenschaft, defensivem Denken und einem verantwortlichen Duo mit blau-weißem Herzen begeistert er.

Es gibt nicht viele Filme, die eine ganze Region und ihre Menschen so wunderbar persiflieren, wie „Bang Boom Bang“ von Peter Thorwarth. Nicht nur im Ruhrgebiet besitzt der Streifen aus den 90er-Jahren absoluten Kultstatus – und in einer der bekanntesten Szenen sitzt Diether Krebs alias „Werner Kampmann“ in einer Umkleidekabine eines Fußballplatzes zusammen mit Markus Knüfken alias „Andy“. Dort fällt ein gern zitierter Satz: „Mensch Andy, du bist doch sonst auch kein Hans-guck-in-die-Luft. Jetzt sei doch mal ‚n bisken realistisch!“ 

Ähnlich dürfte sich Thomas Reis, Trainer des VfL Bochum, am Samstagabend auch gefühlt haben. Gut eine Stunde, nachdem die „graue Maus“ dem großen Favoriten Borussia Dortmund beim 1:1 im Ruhrstadion ein Schnippchen geschlagen hat, fragte ein Journalist, ob sich der kleine VfL nicht nach oben orientieren wolle. Schließlich seien es nur drei Punkte Rückstand auf einen Conference-League-Platz. Wer in der Bundesliga als Trainer agiert, drückt sich allerdings etwas gewählter aus als „Werner Kampmann“. Und so sagte Reis, dass es ihm zu schnell gehen würde. „Wir haben jetzt 20 Punkte, die reichen nicht, um unser Ziel zu erreichen. Vor der Saison wäre es für mich ein Wunder gewesen, wenn wir die Klasse halten. Wir arbeiten weiter an diesem Wunder.“

In Bochum neigten sie noch nie zu großen Übertreibungen. Eingebettet zwischen den großen Reviernachbarn Schalke 04 im Westen und Borussia Dortmund im Osten ist der VfL immer so etwas wie ein Nebendarsteller gewesen. Das betrifft die Sponsoren-Frage, die Budget-Frage, aber auch die sportlichen Erfolge. „Keine Titel und Trophäen, trotzdem wird es weitergehen“, singen die Fans gern. In Bochum gibt man sich mit den kleinen Dingen zufrieden – und träumt von Größerem. So war es auch in der vergangenen Saison, als man plötzlich wirklich aufstieg. Nach Jahren der Verdammnis in der Zweiten Bundesliga, in denen man mehr gegen den Abstieg in die 3. Liga kämpfte als um die Rückkehr ins Oberhaus.

Doch seitdem der ehemalige Bochumer Spieler Thomas Reis 2019 als Trainer zu seinem Herzensklub zurückkehrte, stellte sich eine Erfolgsgeschichte ein, die man im Schmuckkästchen Ruhrstadion schon lange nicht mehr erlebt hatte – und die nach 15 Spieltagen nun in einem 1:1 im Derby gegen den BVB vorerst ihren Höhepunkt erlebte.

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Besonders stolz sind sie in Bochum darauf, dass zwei Männer mit blau-weißem Herzen für diesen Aufschwung sorgen. Neben Trainer Reis ist auch Sportvorstand Sebastian Schindzielorz ein Bochumer Urgestein, spielte sich einst von der VfL-Jugend in die Bundesliga. Zusammen formten die beiden „mit geringem Budget“, wie sie stets betonen, eine Mannschaft, die in der Zweiten Liga mit offensivem Fußball brillierte – und nun die Metamorphose zu einer auf defensive Stabilität bedachten Truppe schaffte. 

„Wir sind froh, dass wir in der Bundesliga angekommen sind und uns stabilisiert haben“, sagte Reis, ohne zu verschweigen, dass man dafür auch eine Menge Lehrgeld habe bezahlen müssen. Erst fiel Aufstiegsstürmer Simon Zoller mit Kreuzbandriss aus, dann gingen Spiele unglücklich verloren – und beim FC Bayern München setzte es ein 0:7-Debakel. 

Seitdem hat sich der VfL deutlich stabilisiert, etablierte sich sogar als „Heimmacht“, wie es Reis darstellte. Vier Siege bei nur einer Niederlage in sieben Spielen unterstreicht das durchaus.

Darüber hinaus hat Reis seine Strategie überdacht: leidenschaftlich verteidigten die Bochumer schon immer, inzwischen geht die Mannschaft aber auch deutlich weniger Risiko im Spielaufbau ein. Keine Bundesliga-Mannschaft schlägt mehr lange Bälle. Mit Erfolg. Die schnellen Außenspieler werden so in Szene gesetzt – und in der Mitte wartet dann Stürmer Sebastian Polter, der nahezu ohne Probleme die Lücke füllt, die Zoller hinterließ. Er ist da, wenn man ihn braucht. Und sei es vom Elfmeter-Punkt wie gegen Dortmund. Aber auch das „Spielglück ist im Moment da“, sagte Reis.

Darauf hoffen die Bochumer auch am Dienstagabend (20.30 Uhr) bei Arminia Bielefeld. Mit drei Punkten könnte man den Abstand auf einen direkten Abstiegsplatz auf 13 Punkte vergrößern – und dem Wunder Klassenerhalt einem Schritt näher kommen. Man bleibt ja gern realistisch im Ruhrgebiet.