VfB Stuttgart vor zähem Abstiegskampf

Stuttgart vor zähem Abstiegskampf : Der VfB gleicht einem Pulverfass

Ein Neustart sollte der Auftakt in die Rückrunde für den VfB Stuttgart werden, es wurde die nächste herbe Enttäuschung. Daran änderte auch die Schlussphase beim 2:3 (0:2) gegen den FSV Mainz 05 nicht viel.

Hätte es nicht diese turbulente Schlussphase gegeben, der VfB Stuttgart wäre von seinen Fans wohl mit Schimpf und Schande in die Kabine verabschiedet worden. Dass es schließlich nicht ein 0:3, sondern "nur" ein 2:3 (0:2) gegen den FSV Mainz 05 gab, milderte den Groll - und auch die Einordnung dieses völlig missglückten Rückrundenstarts.

"Es bringt nix", sagte VfB-Torwart Ron-Robert Zieler trotz der Aussicht, am Sonntag vielleicht auf einem direkten Abstiegsplatz zu stehen, "wenn wir Panik schieben." Der zunehmend unter Beschuss geratene Sportvorstand Michael Reschke ergänzte: "Die Rückrunde wird zäh. Wir sind aber nach wie vor davon überzeugt, dass am Ende der 15. Platz herausspringt und wir die Liga halten."

Nur weil Nicolas Gonzalez (83.) und Marc-Oliver Kempf (85.) spät trafen und die lange überzeugenden Mainzer plötzlich wankten, waren diese Einlassungen zulässig. Sie sollten aber nicht den Blick davor verstellen, was bis dahin zu beobachten war. Ein VfB nämlich, dem nach einem vernünftigen Beginn über lange Zeit fast alles abhanden kam, was nötig ist. "Das 0:1 hat uns aus der Spur gebracht", urteilte Trainer Markus Weinzierl.

Mainz hatte neben den Treffern von Jean-Paul Boetius (22.), der später als Eigentor von Santiago Ascacibar gewertet wurde, und Jean-Philippe Mateta (28.) gerade in dieser Phase in nahezu jeder Beziehung ein Plus. "Wir haben das Spiel komplett im Griff gehabt", fand 05-Torwart Florian Müller. Daher dachten die allermeisten nach dem Tor von Alexander Hack (72.) auch, die Partie sei entschieden.

"Wir müssen schon ehrlich zu uns sein", sagte Zieler. Und zur Ehrlichkeit gehört, dass der VfB wieder einmal einem Pulverfass gleicht. Nach dem 0:3 verließen viele Anhänger fluchtartig das Stadion, die Hartgesottenen in der Cannstatter Kurve forderten lautstark den Abtritt von Präsident Wolfgang Dietrich. Viel fehlt offenkundig nicht mehr bis zu einer Explosion. "Dass die Fans nach einem 0:3 sauer sind und Unmut kundtun, dafür habe ich Verständnis", sagte Reschke.

Einstweilen aber kratzen sie beim fünfmaligen Meister "jedes Detail, das positiv ist" zusammen, wie es der Sportvorstand ausdrückte. Der kommende Gegner Bayern München ist schließlich angsteinflößend genug. "Wir haben nächste Woche das schwerste Spiel der Saison", glaubt Zieler, der dennoch nicht "negativ voreingenommen" sein möchte. "Auf der zweiten Halbzeit lässt sich aufbauen", meinte Kempf.

Zumal beim FC Bayern eventuell schon Zwölf-Millionen-Rekordeinkauf Ozan Kabak (18) im Kader stehen könnte, wie Reschke andeutete, der auch noch über weitere Transfers nachdenkt. "Hoffnung", sagte Hoffenheim-Leihgabe Steven Zuber, "macht alles. Wir trainieren sehr gut, arbeiten füreinander und sind mit Herz dabei, so schaffen wir das."

Trainer Weinzierl würde da wohl Einspruch erheben, ihm bereitet eine lange Mängelliste ernste Sorgen. "Unser Manko ist, dass wir defensiv zu viel zulassen und vorne nicht effektiv genug sind", sagte er. Es wird, das ahnt Weinzierl wohl, mit einer derart löchrigen Abwehr und der noch immer schwächsten Offensive der Liga trotz allen Eifers nur schwerlich reichen. "Es muss eine Schippe mehr kommen", sagte Reschke. Mindestens.

(sid/old)
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