Doping: Verführerischer denn je

Doping-Kommentar : Verführerischer denn je

Die Zeit, um die es bei den aktuellen Dopingvorwürfen geht, liegt 30 oder 35 oder 40 Jahre zurück. Lang, lang ist's her. Was bringen uns die Freiburger Erkenntnisse - wenn sie denn wahr sind - heute?

Das bemerkenswerteste Wort im neuen Report ist "systematisch". Im Profifußball wurde demnach nicht punktuell oder zufällig mit verbotenen Mitteln hantiert (Stichwort "Einzelfälle"), sondern organisiert. Die Vorwürfe sind damit von einer neuen Qualität. Der Fußball wird in die Nähe des zuletzt geächteten Profiradsports gerückt, der genau dieses systematische Doping über Jahrzehnte praktiziert und durch eine Mauer des Schweigens geschützt hatte.

Die Untersuchungskommission räumt mit dem weit verbreiteten Märchen auf, dass Doping im Fußball nichts bringe. Dabei brauchen Fußballer seit jeher Kraft und Schnellkraft, um erfolgreich zu spielen. Für diese Anforderungsbereiche gibt es verbotene Mittel zum Nachhelfen. Und auch die Ausdauer lässt sich ohne großen Aufwand verbessern, wenn man sich das entsprechende Zeug verabreichen lässt - und etwaige gesundheitliche Spätfolgen außer Acht lässt.

Damit wären wir bei der Gegenwart. Wenn es sich vor 30 und mehr Jahren offensichtlich schon gelohnt hat, mit Doping nachzuhelfen, um sportliche und damit auch wirtschaftliche Erfolge zu erringen, um wie viel verführerischer ist die Situation dann heute erst? Im Vergleich zu dem von Athletik geprägten Hochgeschwindigkeitsfußball, wie ihn die Bundesliga, mehr aber noch die Champions League und erst recht Weltmeisterschaften bieten, war der Fußball der 1970er Jahre ein Spaziergang im Park. Die Summen, um die es im Unterhaltungsgenre Profifußball heute geht, sind um ein Vielfaches höher als damals. Und dass es ein effizientes Dopingkontroll-System in Deutschland gibt, muss auch bezweifelt werden.

(RP)