VAR: Hannover 96-Chef Martin Kind fordert Verbesserung des Videobeweis in der Bundesliga

Neue Aufregung nach dem Bundesliga-Wochenende : „Der Videobeweis ist und bleibt ein Skandal“

Die Verantwortlichen des Bundesligisten Hannover 96 fordern von DFB und DFL Nachbesserungen beim Streitthema Videobeweis. Doch weil er sich im Ton vergriffen haben soll, wird erstmal gegen Manager Horst Heldt ermittelt.

Nach einer höchst strittigen Elfmeter-Entscheidung kocht die Kritik am Videobeweis in der Fußball-Bundesliga aufs Neue hoch. "So können wir den Videobeweis abschaffen. So macht es keinen Sinn, einen Assistenten einzusetzen, der für Gerechtigkeit sorgen soll", pollterte Hannover 96-Trainer André Breitenreiter: "Wenn solche Dinge nicht gesehen werden, stellt sich die Qualitätsfrage. Ich erwarte, dass der Video-Assistent das sieht - wir haben doch angeblich die besten Schiedsrichter der Welt."

Ein geschundener Elfmeter, den Mainz zum 1:1-Ausgleichstreffer nutzte, kostete die abstiegsbedrohten Niedersachsen an Sonntag den möglichen Sieg und den Sprung auf den 15. Tabellenplatz.

Der Fall des Mainzer Stürmers Jean-Pierre Mateta in der 86. Minute entpuppte sich nach Ansicht der TV-Bilder als Schwalbe, weil ihn Gegenspieler Matthias Ostrzolek im eigenen Strafraum nicht berührt und somit auch nicht zu Fall gebracht hatte. Trotz der Proteste der 96-Spieler rief Schiedsrichter Robert Hartmann den Videobeweis weder zur Hilfe noch gab ihm der Videoassistent ein Signal, die Szene zu überprüfen. Der Mainzer Daniel Brosinski verwandelte den Strafstoß zum Ausgleich. Das Führungstor hatte Hendrik Weydandt (12.) erzielt. „Der Videobeweis ist und bleibt ein Skandal. Die Leute machen definitiv keinen guten Job“, ereiferte sich auch Gäste-Angreifer Niclas Füllkrug.

Martin Kind und Horst Held kritisieren VAR - DFB leitet Ermittlungen ein

Unterstützung bekam Füllkrug von höchster Stelle aus dem eigenen Verein: "Die Verantwortlichen sollten die Saison vollumfänglich analysieren. Es müssen reproduzierbare Entscheidungen kommen. So wie es jetzt läuft, ist es nicht akzeptabel", sagte Hannovers Klubchef Martin Kind im NDR-Sportclub.Trainer Breitenreiter legte nach: „Mit Gerechtigkeit hat das nichts mehr zu tun.“ Und Sportvorstand Horst Heldt war schon unmittelbar nach Abpfiff ausgerastet. „Warum fällt der (Mateta)? Wegen Altersschwäche? Und da mischt sich der Videoassistent nicht ein? Das ist eine glasklare Fehlentscheidung“, wütete er im TV-Sender Sky. „Das ist nicht mehr akzeptabel der ganze Scheiß.“

Der Kontrollausschluss des DFB hat am Montag nach diesen Äußerungen ein Ermittlungsverfahren gegen Heldt eingeleitet. Wie der Verband am Montag mitteilte, sei Heldt im ersten Schritt schriftlich um eine Stellungnahme gebeten worden. Gegen Trainer Breitenreiter werde derzeit nicht ermittelt.

DFB gesteht Fehler beim Videobeweis ein

Gleichzeitig hat der für den Videobeweis zuständige DFB-Projektleiter Jochen Drees Verständnis für den Ärger geäußert. In einem Interview auf der Homepage des Deutschen Fußball-Bundes räumte Drees am Montag Fehler ein, verwies aber auch auf zurecht korrigierte Entscheidungen in den Spielen der Fußball-Bundesliga am vergangenen Wochenende.

Der Foulelfmeter zum 1:1-Ausgleich sei „regeltechnisch falsch“, urteilte Drees. Problematisch sei in dieser Situation die Kommunikation zwischen Schiedsrichter Robert Hartmann und Video-Assistent Patrick Ittrich gewesen. Es wäre unbedingt notwendig gewesen, dass sich der Unparteiische selbst ein Bild aufgrund des vorliegenden Bildmaterials macht, weil er keine ausreichende Wahrnehmung des Zweikampfes gehabt habe. „Ich bin mir sicher, dass die ursprüngliche Entscheidung dann von Robert Hartmann korrigiert worden wäre“, sagte Drees.

Auch nicht vergessen werden sollte, dass in der 94. Minute des Spiels in der Opel-Arena das Kopfball-Tor des Mainzers Anthony Ujah wegen Abseits annulliert wurde: auf Hinweis des Videoassistenten.

Hannovers Ärger über Mainzer Mateta

"Es geht mir nicht um den Schiedsrichter, der etwas falsch bewertet. Das passiert. Was nicht funktioniert, ist der Ablauf der Korrektur", sagte Held mit etwas Abstand besonnener: "Das ist nicht mehr nachvollziehbar. Die auf dem Platz - der Schiri und die Spieler - sind die Ärmsten. Ich mache dem System einen Vorwurf." Damit bezog er auch den Videobeweis in der 24. Minute mit ein, als sich Hannovers Kevin Wimmer den Ball im eigenen Strafraum unabsichtlich an die Hand köpfte und Mainz kein Elfmeter zuerkannt wurde.

Über die Reaktion des Unparteiischen und des zu Fall gebrachten Mainzers gibt es derweil verschiedene Darstellungen: Auf dem Platz habe der Schiedsrichter dem intervenierenden 96-Kapitän Waldemar Anton („Mehr Alibi-Hinfallen geht nicht“) noch gesagt, es sei eine klare Entscheidung. Nach Abpfiff und Betrachtung der TV-Aufzeichnung gestand der Unparteiische den Fauxpas ein.

Der vermeintliche Übeltäter Ostrzolek berichtete, Mateta habe ihm noch auf dem Platz gestanden, ohne Kontakt gefallen zu sein, doch der Franzose bestritt dies nach der Partie. „Es war keine Schwalbe - es gab einen Rempler und ich war im Lauf“, erklärte Mateta. Er habe sich nach dem Spiel von den gegnerischen Spielern per Handschlag verabschieden wollen. „Ich kann mich nicht für eine Schwalbe entschuldigen, die keine war.“

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(dpa/sid/cbo)
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