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DFB hofft auf Weiterbeschäftigung: Uli Stielike will DFB verlassen

DFB hofft auf Weiterbeschäftigung : Uli Stielike will DFB verlassen

Hannover (dpa). Die Trainer-Diskussionen beim Deutschen Fußball- Bund (DFB) reißen nicht ab. Für einen neuen Paukenschlag sorgte Uli Stielike. Der Ex-Nationalspieler, der innerhalb des Verbandes als Bundestrainer unter Teamchef Erich Ribbeck arbeitete und derzeit als Trainer die DFB-Junioren auf die U 20-Weltmeisterschaft in Argentinien vorbereitet, hat zum 30. Juni 2001 um eine vorzeitige Auflösung seines Vertrages gebeten.

Ursprünglich hatte der 45 Jahre alte Fußball-Lehrer den Kontrakt im März 1998 bis zum Saisonende 2002 abgeschlossen. "Die Schnelllebigkeit im DFB ist ein Grund für meinen Schritt", meinte Stielike dazu am Freitag. Er fügte hinzu: "Die Strukturen werden anders, neue Leute stehen bereit. Ich möchte den Weg innerhalb des DFB dazu freimachen."

Stielike, der kurz vor der Europameisterschaft von Ribbeck als Bundestrainer von seinen Pflichten entbunden worden war, wunderte sich über die Veröffentlichung seiner Ankündigung in der "Bild- Zeitung" (Freitag-Ausgabe) und meinte dazu: "Ich habe den Brief an drei Personen im DFB geschickt. Er war vertraulich. Die Bekanntgabe stimmt mich nachdenklich." Wenn am Freitag vor dem Länderspiel gegen Griechenland in Hamburg die Task-Force-Runde der Bundesliga wieder tagt, will Stielike sein Erstaunen über den Artikel kundtun. In erster Linie möchte er aber die Tagung nutzen, um seine Vorstellungen auf das WM-Turnier der Junioren in Südamerika umzusetzen.

DFB-Direktor Bernd Pfaff zeigte sich vom Stielike-Schritt überrascht: "Das letzte Wort über einen vorzeitigen Abschied von Uli ist noch nicht gesprochen. Ich gehe davon aus, dass er sich innerhalb des Verbandes neu orientieren möchte. Er möchte wohl wissen, wie seine Zukunft im DFB aussieht." Der für das Management bei der Nationalmannschaft und für den Nachwuchsbereich im DFB zuständige Pfaff kündigte für Oktober eine gemeinsame Trainer-Sitzung mit dem designierten DFB-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder an. "Dort werden wir über Konzepte reden. Schließlich muss auch der neue Bundestrainer Christoph Daum seine personellen Vorstellungen offen legen."

Für Stielike scheint es jedoch keinen Weg zurück zum DFB zu geben. Der "Bild-Zeitung" sagte er: "Ich möchte für die neuen Männer um Teamchef Rudi Völler keine Altlast darstellen. Bis jetzt ist niemand auf mich zugekommen. Das zeigt mir, dass man auf mich verzichten kann." Dem widersprach Pfaff: "Wir sind mit seiner Arbeit zufrieden. Natürlich ist die gesamte Zukunft auf dem Trainersektor bei uns noch nicht geklärt. Ich nehme einmal an, dass er sich neu positionieren möchte."

Der gelernte Großhandelskaufmann Stielike spielte von 1973 bis 1977 bei Borussia Mönchengladbach, ehe er 1977 einen spektakulären Wechsel zu Real Madrid vornahm. Seine sportlichen Erfolge sind: Vize- Weltmeisterschaft 1982, Europameister 1980, UEFA-Cupsieger 1975 und 1985, Deutscher Meister war er mit den Gladbachern 1975, 1976 und 1977, DFB-Pokalsieg 1973. Mit Real Madrid wurde er 1978, 1979 und 1980 spanischer Meister und holte auch 1980 den Pokal. 1987 und 1988 errang er mit Xamax Neuchatel die Meisterschaft in der Schweiz.

Als Trainer arbeitete Stielike als Schweizer Nationalcoach, bei Xamax Neuchatel, beim SV Waldhof Mannheim und beim FC Almeria (Spanien). Im März 1998 trat er in die Dienste des DFB ein und übernahm zunächst die "U 17"-Junioren, ehe ihn Ribbeck am 10. September 1998 zum Bundestrainer berief. Nach Missverständnissen mit seinem Vorgesetzten Ribbeck aber kam es vor der EM zur Freistellung vom Bundestrainer-Job. Nun möchte Stielike, der als Taktiker, Stratege und Trainingsfachmann einen guten Ruf besitzt, den Verband ganz verlassen, obwohl er versichert, kein anderes Angebot vorliegen zu haben.

(RPO Archiv)