1. Sport
  2. Fußball

Ukraine-Krieg: So reagiert die Sportwelt auf Russlands Angriff - Schalke, Vettel, Uefa

Russlands Angriff sorgt für Entsetzen : So reagiert die Sportwelt auf den Krieg in der Ukraine

Russland greift die Ukraine an. Das sorgt weltweit für Entsetzen - auch in der Sportwelt. Klubs und Athleten zeigen sich entsetzt und melden sich mit klaren Botschaften zu Wort.

Was sich seit Tagen angebahnt hat, ist in der Nacht zum Donnerstag eingetreten: Der russische Präsident Wladimir Putin hat einen Krieg gegen die Ukraine befohlen. Der Angriff Russlands hat nicht nur die Politik, sondern auch die Sportwelt schockiert - und wird weitreichende Folgen haben.

So sollte eigentlich das Champions-League-Finale in St. Petersburg stattfinden. Nach Informationen des SID und der dpa wird die Europäische Fußball-Union (UEFA) das Endspiel der Königsklasse jedoch an einen anderen Ort verlegen. Diese Entscheidung soll bei einer Sondersitzung des Exekutivkomitees am Freitag getroffen werden. Eine Entscheidung über einen Ersatzort wird noch nicht erwartet.

Russlands Angriff auf die Ukraine zwingt den FC Schalke 04 im Umgang mit seinem russischen Hauptsponsor Gazprom nun doch zu harten Konsequenzen. Zunächst vermeldete der Verein am Donnerstagmorgen, dass der von den USA mit Sanktionen belegte Geschäftsmann Matthias Warnig sein Mandat als Gazprom-Vertreter im Aufsichtsrat niederlegt. Der Schriftzug des Unternehmens dominierte da noch auf der Sponsorenwand. Knapp vier Stunden später war auch klar: Auf den Trikots der Schalker wird ab sofort kein Verweis auf den Energieriesen mehr zu sehen sein.

Formel-1-Pilot Sebastian Vettel kündigte an, nicht beim geplanten Rennen in Sotschi (25. September) starten. Er sei „schockiert“ über den „furchtbaren“ Einmarsch in der Ukraine, sagte der 34-Jährige bei einer Pressekonferenz am Donnerstag bei den Testfahrten in Barcelona: „Ich sollte nicht gehen, ich werde nicht gehen.“ Sichtlich bewegt und „traurig“ sprach Vettel über den Krieg. „Menschen werden aus dummen Gründen getötet“, sagte der Aston-Martin-Pilot, Russland habe eine „sehr seltsame und verrückte Führung". Deshalb wolle er nicht in Russland fahren. „Meine Entscheidung ist gefallen“, sagte Vettel.

Derweil hat die Formel noch keine Entscheidung über das Rennen in Sotschi getroffen. „Die Formel 1 beobachtet die sehr unklaren Entwicklungen genau wie viele andere und hat zum jetzigen Zeitpunkt keinen weiteren Kommentar zu dem für September geplanten Rennen“, hieß es in einer Stellungnahme der Rennserie: „Wir werden die Situation weiterhin sehr genau beobachten.“

Zuvor hatten der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball Liga (DFL) den russischen Angriff „auf das Schärfste“ verurteilt. Die Welt dürfe „nicht tatenlos zusehen, die Ukraine bedarf unser aller Solidarität“, sagten DFB-Interimspräsident Rainer Koch und der DFL-Aufsichtsratsvorsitzende Hans-Joachim Watzke. Der Ligaverband schrieb in einer Stellungnahme: „Die DFL ist in dieser Angelegenheit mit den nationalen und internationalen Verbänden in Kontakt.“

Die 3. Liga und die 2. Frauen-Bundesliga planen an diesem Spieltag ein gemeinsames Zeichen für Frieden und Solidarität. Der DFB empfahl allen Klubs eine Minute des Innehaltens zum Anpfiff, die von einer begleitenden Durchsage eingeleitet werden soll.

  • Dieses vom Pressedienst des russischen Verteidigungsministeriums
    Gasmangel, Inflation, Rezession : Was Deutschland nach Putins Angriff droht
  • Lissabons Roman Jaremtschuk (r) zog nach
    „Habe Angst vor der Situation“ : Ukrainer Jaremtschuk feiert Tor mit Botschaft an die Heimat
  • Nach russischer Invasion : Ukrainischer Fußball-Verband setzt Meisterschaft aus

Auch die DFL hatte den Klubs der Bundesliga und 2. Bundesliga für den kommenden Spieltag eine stille Gedenkminute für den Frieden und als Zeichen der Anteilnahme empfohlen. Die Vereine zeigten sich angesichts der Geschehnisse entsetzt. „Wir sind erschüttert und betroffen. Mit dem russischen Angriff auf die Ukraine herrscht Krieg mitten in Europa. Unser Mitgefühl und unsere Solidarität gilt den Menschen in der Ukraine!“, schrieb Zweitligist Werder Bremen auf Twitter. Borussia Dortmund verurteilte den „eklatanten Verstoß gegen das Völkerrecht auf das Schärfste“. Beim 1. FC Köln reagierte man ebenfalls fassungslos. Aus „Respekt vor den Geschehnissen“ in der Ukraine wolle der Bundesligist seine karnevalistischen Inhalte stark einschränken.

„Meiner Meinung nach ist das ein Versagen der gesamten Weltpolitik“, sagte Kölns Trainer Steffen Baumgart. „Das Schlimme an einem Krieg ist: Am Ende verlieren die Kleinen und die Großen diskutieren. Ich hoffe, dass der Konflikt klar beigelegt wird und dass wir klar bleibe und alles hinterfragen. Es geht immer um die Zivilbevölkerung. Andere spielen sich auf und spielen Macht und der kleine Mensch ist der Leidtragende.“ Auch Freiburgs Christian Streich betrachtet den Angriff Russlands auf die Ukraine mit großer Sorge. „Das ist hochgefährlich und total schlimm für die Menschen in der Ukraine“, sagte der 56-Jährige vor dem Heimspiel gegen Hertha BSC am Samstag: „Es ist eine Katastrophe, was da passiert. Extrem schwierig für die Entscheidungsträger, was für Maßnahmen man da trifft. Es ist ein Pulverfass.“

+++ Alle News zum Krieg in der Ukraine finden Sie in unserem Liveblog +++

Als einer der ersten russischen Fußball-Profis kritisierte Nationalspieler Fedor Smolow den Angriff Russlands auf die Ukraine. Der 32 Jahre alte Stürmer von Dynamo Moskau schrieb „Nein zum Krieg“ vor einem schwarzen Hintergrund bei Instagram und ließ seiner Botschaft ein gebrochenes Herz und eine ukrainische Flagge folgen.

MagentaSport hat auf die Invasion in der Ukraine reagiert und wird vorerst keine Basketballspiele mit russischer Beteiligung übertragen. Somit fällt die Ausstrahlung des EuroLeague-Duells am Donnerstag zwischen Bayern München und ZSKA Moskau (19.00 Uhr) aus. Das gab der Sender nur Stunden vor Spielbeginn bekannt. "Aufgrund des russischen Angriffs auf die Ukraine wird MagentaSport das heutige EuroLeague-Spiel zwischen dem FC Bayern München und ZSKA Moskau nicht übertragen", hieß es in der Mitteilung. Und weiter: "Auch die weiteren Partien mit russischer Beteiligung entfallen bis auf Weiteres."

Auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und der Deutsche Behindertensportverband (DBS) „verurteilen den Angriff Russlands auf die Ukraine auf das Schärfste“. In einer gemeinsamen schriftlichen Stellungnahme empfehlen DOSB-Präsident Thomas Weikert und DBS-Präsident Friedhelm Julius Beucher „unseren Mitgliedsorganisationen, die Teilnahme an Wettkämpfen und Trainingsmaßnahmen in Russland und den Kriegsgebieten auszusetzen“. Zudem fordern die beiden Spitzensportverbände Russland auf, „die kriegerischen Handlungen einzustellen“.

Die Handball-Bundesliga (HBL) will nach Angaben ihres Geschäftsführers Frank Bohmann am kommenden Spieltag ein Zeichen gegen den russischen Angriff auf die Ukraine setzen. Er sprach am Donnerstag von einer Schweigeminute. „Der Sport ist völlig schockiert“, sagte Bohmann der Deutschen Presse-Agentur zu den jüngsten Ereignissen in der Ukraine.

Bohmann verurteilte das Handeln Russlands scharf. Sie seien keine „geopolitische Macht, aber wir werden den winzigsten Einfluss nutzen“, sagte er. Es gehe darum, „dass die Kriegstreiber wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren“. Angesichts der aktuellen Geschehnisse „tritt alles in den Hintergrund“.

Schon vor dem offiziellen Ausbruch des Krieges hatte der ukrainische Fußballprofi Oleksandar Zinchenko von Manchester City emotionale Worte gewählt. „Mein Land gehört den Ukrainern und niemand wird es sich jemals aneignen können“, schrieb der 25-Jährige auf Instagram. „Die ganze zivilisierte Welt ist besorgt über die Situation in meinem Land. Das Land, in dem ich geboren und aufgewachsen bin und dessen Farben ich in den internationalen Sportarenen verteidige. Das Land, das wir versuchen zu verherrlichen und zu entwickeln. Ein Land, dessen Grenzen intakt bleiben müssen.“

Hier geht es zur Infostrecke: Sportwelt reagiert entsetzt auf Ukraine-Krieg

(kron/sid/dpa/old)