TV Jahn Hiesfeld: Deswegen lief Trainer Markus Kay in Angeldress auf

Protest gegen Entlassung : Warum dieser Oberliga-Trainer als Angler verkleidet auflief

Für diese Aktion hat der Trainer des Oberliga-Absteigers Jahn Hiesfeld viel Zuspruch bekommen: Zum letzten Saisionspiel kam er im Angler-Dress - als Protest gegen seine respektlose Entlassung. Eine Botschaft liegt ihm am Herzen.

Wer als Trainer beim TV Jahn Hiesfeld arbeitet, steht nicht im Verdacht, in den sozialen Medien einmal eine große Nummer zu werden. Markus Kay ist es trotzdem geworden. Darauf hätte er allerdings gerne verzichtet.

Bei Facebook und Twitter ist ein Bild des Trainers viral gegangen, das ihn im Angel-Dress an der Seitenlinie zeigt. Was aussieht, wie das Einlösen einer Wettschuld, ist in Wahrheit ein Protest gegen respektlose Umgangsformen. „Wir sollten alle mehr darauf achten, wie wir miteinander umgehen“, appelliert Kay.

Der Präsident des Oberliga-Absteigers hatte nach einer Niederlage ihn, sein Trainerteam und sogar den Teammanager per Whatsapp entlassen und dann öffentlich nachgetreten: „Da war kein Einsatz, kein System, gar nichts. So kann man nicht weitermachen. Ich habe hinter dem Tor gestanden und die Bälle geholt, die ins Aus gingen. Dabei saßen fünf Spieler auf der Bank. Von denen hat sich keiner gerührt. Und unsere Trainer sitzen regungslos auf ihren Campingstühlen. Ich wollte denen schon eine Angel in die Hand drücken.“

In der Kabine wurde das schnell zum Running-Gag, aus dem die Idee zum Protest entstand. Was Kay stört, ist nicht seine Entlassung, sondern die Art und Weise, wie es geschah. „In meinem Fall hätte ich mir gewünscht, dass wir nach gewissen Regeln gesprochen hätten: persönlich und auf einer sachlichen Ebene“, sagt er.

In der Bundesliga ist die Debatte um schwindenden Respekt vor Trainern längst entbrannt. „Wir müssen einfach mal die Mitmenschen sehen und Empathie an den Tag bringen“, hatte Bayern-Trainer Nico Kovac vor dem Saisonfinale gesagt, nachdem er wochenlang kritisiert worden war, obwohl er mit seiner Mannschaft voll im Soll lag. Kay pflichtet dem bei. „Mit den Bundesliga-Trainern möchte ich mich nicht vergleichen. Dort geht es um harte wirtschaftliche Interessen, entsprechend ist die Ausgangslage eine andere. In meinem Beruf als Lehrer erlebe ich aber täglich, dass der veränderte Umgang miteinander kein Phänomen ist, das nur auf den Fußball bezogen ist.“

(sef)
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