Timo Horn und Petr Cech; Sollten Profis Fehler öffentlich zugeben?

Horn und Cech greifen daneben: Sollten Profis Fehler öffentlich zugeben?

Timo Horn und Petr Cech wählten kürzlich nach Fehlern die Flucht nach vorn. Doch der Drang, Verantwortung zu übernehmen, kann mit der Vorbereitung aufs nächste Spiel kollidieren.

Timo Horn wählte die Flucht nach vorn. Der Torhüter des 1. FC Köln stellte sich nach dem 2:3 gegen den VfB Stuttgart vor die TV-Kameras und erklärte seinen Patzer vor dem zweiten Stuttgarter Treffer, der sein Team auf die Verliererstraße brachte. "Den muss ich im Schlaf halten. Ich weiß nicht, wann mir das zuletzt passiert ist. Ich suche da keine Ausreden", sagte der 24-Jährige.

Minuten zuvor hatte es ein anderer prominenter Keeper ähnlich gehalten: Petr Cech, Torhüter des FC Arsenal, wählte Twitter, um die Verantwortung für das 1:2 in Brighton zu übernehmen. "Wenn du auswärts in der besten Liga der Welt ein Spiel gewinnen willst, darf dein Torhüter nicht zwei solche Gegentore kassieren, wie ich es heute getan habe. Das ist nicht möglich", schrieb der 35-jährige Tscheche.

Nun ist das Stehen zu Fehlern gesellschaftlich als lobenswert anerkannt, aber wie sieht es eigentlich sportpsychologisch aus? Ist es für die Vorbereitung auf das kommende Spiel ein paar Tage später förderlich, wenn man öffentlich so in Sack und Asche geht? Der früherer Leverkusener Profi Stefan Reinartz sagte im Interview mit unserer Redaktion mal: "Als Sportler muss man sich manchmal belügen, damit man das nächste Spiel wieder positiv angehen kann. Wenn man immer wieder auf sich draufhaut, fördert es nicht gerade das Selbstvertrauen und damit die Leistung. Allerdings ist es ein schmaler Grat, trotz dieser Selbstlüge weiterhin selbstkritisch in der Sache zu sein."

Babett Lobinger vom Psychologischen Institut der Deutschen Sporthochschule in Köln will in der Frage keinen Kardinalsweg vorgeben. "Man macht am besten das, was einem in dieser Situation gut tut. Und wenn Timo Horn das Bedürfnis hat, Verantwortung zu übernehmen, soll er das auch tun", sagt sie. "Zu seinen Fehlern zu stehen, ist immer ein guter Weg." Lobinger ist seit 2006 Stammdozentin im Fußball-Lehrer-Lehrgang an der Hennes-Weisweiler-Akademie des Deutschen Fußball Bundes. "Im Lehrgang ist Fehlermanagement ein Thema. Da geht es um Fehlerkultur, also um den sinnvollen und lehrreichen Umgang mit Fehlern. Denn noch immer arbeitet man heute meistens an den Fehlern der Menschen anstatt an ihren Stärken."

Den Eindruck wecken auch viele Statements, in denen Trainer wie Spieler davon sprechen, "das Spiel natürlich intensiv zu analysieren". Dabei geht es nicht nur, wie viele meinen, um das Aufarbeiten von Gegentoren, sondern viel mehr dient diese Besprechung als Moment des Umschwungs. Hin zum nächsten Spiel. Besinnung aufs Positive. Aufzeigen der Stärken. "Jede Nachbesprechung eines Bundesligaspiels besitzt immer auch eine psychologische Komponente", sagt Lobinger. Deswegen sei es eben auch in mentaler Hinsicht für einen Trainer wichtig, zu entscheiden, welche Szenen er in der Analyse zeigt.

In Bezug auf Horns öffentliches Eingeständnis mahnt Lobinger dann auch eine Endlichkeit der Buße an. "Er darf sich nicht zu lange mit dem Fehler beschäftigen, sondern muss zügig an die Partien denke, in denen er seiner Mannschaft Punkte gerettet hat." Unter dem Strich gilt für ihn und Cech wohl das, was Reinartz als Quintessenz formulierte: "Letztlich ist es die Frage, ob man sich irgendwann so gut belügt, dass man es wirklich glaubt und trotzdem selbstkritisch genug ist, um Dinge zu verändern."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Horn leistet sich folgenschweren Bock gegen Stuttgart

(klü)