Weisener: Vom Wohltäter zur unerwünschten Person: St. Paulis Fans rebellieren gegen den Präsidenten

Weisener: Vom Wohltäter zur unerwünschten Person : St. Paulis Fans rebellieren gegen den Präsidenten

Hamburg (sid). Der FC St. Pauli hat viele Probleme. Sportlich kämpft er um den Klassenerhaltin der Zweiten Fußball-Bundesliga, die finanzielle Situation ist mit rund sieben Millionen Mark Verbindlichkeiten mal wieder existenzgefährdend, zumal der Traditionsklub immer noch auf der Suche nach einem Hauptsponsor und Ausrüster für die kommende Saison ist. Zum Kardinalproblem aber ist nach Meinung vieler Fans Präsident Heinz Weisener geworden.

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p class="text">Der Ruf des 71-Jährigen ist stark ramponiert, selbst auf der vereinseigenen Internet-Seite wird fast täglich Weiseners Ablösung gefordert: Der "Alte", so eine der moderateren Forderungen, "soll endlich seine Sachen packen und unseren Klub in Ruhe lassen". Eine einflussreiche Fangruppierung forderte erst in dieser Woche öffentlich seinen Rücktritt. "Papa Heinz" wird allmählich zur tragischen Figur.

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p class="text">Dabei galt Weisener noch vor kurzem als der gute Mann von St. Pauli, als Retter eines hoffnungslos verschuldeten Klubs, dem der Architekt immer wieder aus der Bredouille geholfen und - zum Teil auf Leihbasis - fast 20 Millionen Mark zur Verfügung gestellt hatte. Eine Formel jedenfalls galt lange als unumwerflich: Ohne "Papa Heinz" gäbe es am Millerntor keinen Profifußball mehr.

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p class="text">Weiseners Verdienste zählen nicht mehr viel: Selbst seine treue Gefolgschaft im Verein rückt immer weiter von ihm ab - vor allen weil Weiseners Glaubwürdigkeit darunter gelitten hat, dass von ihm angekündigte Abschlüsse immer wieder verschoben werden. Seit über sechs Jahren arbeitet der Klub-Chef an seinem Lieblingsprojekt Stadion-Neubau, noch vergangene Weihnachten versprach er, "dass St.Pauli zur Saison 2001/2002 in der modernsten und schönsten Arena Deutschlands" spielen wird.

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p class="text"> 120 Millionen Mark erforderlich Dazu wird es, zumindest fristgerecht, nicht kommen. Von den erforderlichen 120 Millionen Mark Gesamtinvestitionen sind gerade einmal 10 Millionen durch eine Absichtserklärung sichergestellt, nachdem die Verhandlungen mit den potenziellen Vermarktern und Geldgebern Sport A und Sportwelt gescheitert sind.

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p class="text">Während sich Sport A in einem Umstrukturierungsprozess befindet und derzeit nicht entschlussfähig ist, zog sich Dr. Michael Kölmels Sportwelt nach einem Jahr vom Verhandlungstisch zurück, nachdem der FC wiederholt Fristen verstreichen ließ. Kritiker werfen Weisener deshalb Dilettantismus vor, da er es aus einer guten Verhandlungsposition heraus nicht geschafft habe, die "Kultmarke St. Pauli" zu Kapital zu machen.

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p class="text">Inzwischen ist der Klub gezwungen, sich bei den verbliebenen Vermarktern wie Sauerbier anzubieten: Mit der ISPR wird über die TV-Rechte verhandelt, mit Global Sportnet über die Online-Rechte und die Deutschen Städte-Medien sollen als Investor für das Stadionprojekt gewonnen werden. Alternativen gibt es keine, die Zeit drängt: Bis Mitte März muss der Zweitligist beim DFB nachweisen, dass er ein weiteres Jahr Profifußball finanzieren kann. Ohne Vermarkter kann der FC allerdings nur mit einem Mini-Etat von maximal acht Millionen kalkulieren und gilt damit als Anwärter auf die Regionalliga.

Das Engagement Weiseners am Millerntor erweist sich immer mehr als Missverständnis, eine Einsicht, die den 71-Jährigen schmerzt und zunehmend amtsmüde macht. Im kommenden Oktober wird Heinz Weisener nach über zehnjähriger Amtszeit nicht mehr als Präsident des FC St.Pauli kandidieren. Eigentlich wollte er erst zurücktreten, "wenn der Klub in der Lage ist, auf eigenen Beinen zu gehen". Davon ist der FC St. Pauli aber so weit entfernt wie vom Gewinn der deutschen Meisterschaft.

(RPO Archiv)
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