Pfeifender Zahnarzt Merk am Karriere-Höhepunkt: Schiedsrichter wurde für EM nominiert

Pfeifender Zahnarzt Merk am Karriere-Höhepunkt : Schiedsrichter wurde für EM nominiert

Kaiserslautern (dpa). Der pfeifende Zahnarzt Markus Merk aus Kaiserslautern hat den vorläufigen Höhepunkt seiner Schiedsrichter-Karriere erreicht.

Der 37-Jährige wurde beim Treffen von Europas Top-Schiedsrichtern auf der Mittelmeerinsel Malta als einziger deutscher Unparteiischer für die Europameisterschaft 2000 vom 10. Juni bis 2. Juli in den Niederlanden und Belgien nominiert. Hier werden insgesamt nur 13 Referees die Spiele der EM-Endrunde leiten - 1996 in England waren es noch 24, die für jeweils ein Spiel ein- und ausgeflogen worden waren.

Der in den Bundesliga-Spielzeiten 1994/95 und 1995/96 zum „Schiedsrichter des Jahres“ gewählte Merk setzte sich damit im „nationalen Duell“ gegen den 43-jährigen Sportpädagogen Hellmut Krug (Gelsenkirchen) durch, der bei der WM 1994 in den USA und zwei Jahre später bei der EM in England im Einsatz gewesen war. Merk war schon vor dem Abflug nach Malta von seiner Nominierung überzeugt: „In den vergangenen Jahren hieß es mit Blick auf mein Alter immer wieder, meine Zeit werde noch kommen. Jetzt ist sie gekommen.“

Der Mann mit dem Doktor-Titel, der schon als Kind beim 1. FC Kaiserslautern Mitglied wurde und heute auf einem Bauernhof in Otterbach am Rande der Stadt lebt, steht im Zenit seiner Laufbahn. 1988 war er mit erst 26 Jahren der damals jüngste Schiedsrichter in der Fußball-Bundesliga, in der er mittlerweile mit konstant guten Leistungen genau 150 Spiele leitete. Erster Höhepunkt seiner Karriere auf nationaler Ebene: 1993 leitete der seinerzeit 31-jährige Pfälzer das Pokal-Finale zwischen Bayer Leverkusen und Hertha BSC Amateure.

Kein Unbekannter Inzwischen ist Merk auch in den Fußballstadien Europas kein Unbekannter mehr. Gleich im ersten Jahr als FIFA-Schiedsrichter wurde er 1992 für die Olympischen Spiele in Barcelona nominiert. Mittlerweile leitete Merk 14 Europapokalspiele und wurde zu zwölf Länderspielen berufen. 1997 erlebte der resolute Lauterer mit der Nominierung für das Finale der europäischen Pokalsieger zwischen Paris St. Germain und FC Barcelona den bisherigen Höhepunkt seiner internationalen Laufbahn.

Mit seiner Frau Birgit teilt Merk ein bemerkenswertes „Hobby“: Er organisiert seit einigen Jahren die zahnärztliche Versorgung der Bevölkerung in einer südindischen Stadt und hat dort mit Hilfe von deutschen Freunden und Gönnern eine Schule für indische Jugendliche aufgebaut. „Wer das Elend in Südindien sieht, ist zum Helfen einfach verpflichtet“, beschrieb er seine ehrenamtlichen Aktivitäten, für die er mittlerweile zahlreiche Helfer hinter sich weiß. Ansonsten ist Merk nach eigenem Verständnis „ein ganz normaler Mensch“ mit den alltäglichen Hobbys Triathlon und Reisen.

Seine Praxis wird den reiselustigen Zahnarzt in den nächsten Tagen kaum zu Gesicht bekommen. Kaum von Malta zurück, folgt er am Freitag einer Einladung des iranischen Verbandes zur Leitung eines Meisterschaftsspiels. Nach kurzem Zwischenstopp in der Heimat leitet der viel beschäftigte Pfeifenmann am 23. Februar im Londoner Wembleystadion das Freundschafts-Länderspiel England - Argentinien.

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(RPO Archiv)
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