SC Paderborn klopft wieder ans Tor zur Bundesliga

Verein war fast schon pleite : Paderborn klopft wieder ans Tor zur Bundesliga

Vor zwei Jahren sportlich in die Viertklassigkeit abgestiegen, hat der SC Paderborn die Rückkehr in die Bundesliga nun in eigener Hand. Dabei stand der Verein noch vor zwei Jahren kurz vor der Insolvenz.

Wollte man die jüngere Vereinsgeschichte des SC Paderborn bildlich darstellen, käme dabei eine Achterbahn heraus, die in jedem Vergnügungspark das Zeug zur Attraktion hätte. Nach einer beispiellosen Talfahrt stand der Provinzklub vor nicht einmal zwei Jahren wirtschaftlich vor dem Exitus, nun hat der SCP vor dem drittletzten Spieltag der 2. Liga am Freitag (18.30 Uhr/Sky) seinen zweiten Bundesliga-Aufstieg nach 2014 im Visier.

"Wenn 1860 München die Lizenz bekommen hätte, hätten wir Insolvenz anmelden müssen", erinnerte sich SCP-Sportchef Markus Krösche bei Bild an den Mai 2017. Binnen drei Jahren war Paderborn von der sensationellen Bundesliga-Tabellenführung sportlich in die Viertklassigkeit gerauscht, die finanziellen Reserven waren nach dem Trainer-Fehlgriff Stefan Effenberg und einigen Panik-Transfers aufgebraucht.

Allein dank der Insolvenz der Münchner Löwen blieb der SCP 2017 drittklassig - und zog aus dem "doppelten blauen Auge mit Kieferbruch" (Krösche) die richtigen Schlüsse.

Der mittlerweile von Schalke 04 und RB Leipzig umworbene Ur-Paderborner baute gemeinsam mit Trainer Steffen Baumgart (47) mit kleinem Geld eine Mannschaft auf, die 2017/18 mit 90 geschossenen Toren zum Aufstieg in die zweite Liga marschierte und den voll auf Offensive ausgerichteten Powerfußball auch eine Liga höher beibehielt.

Nach 31 Spieltagen der laufenden Saison hat nur der große Aufstiegsfavorit 1. FC Köln mehr Punkte (59 zu 54) und erzielte Tore (76 gegenüber 71) auf dem Konto als der Aufsteiger, der den zweiten Favoriten Hamburger SV um einen Punkt distanziert hat - und im Idealfall im Duell mit dem strauchelnden Giganten aus dem Norden am 12. Mai die Bundesliga-Rückkehr besiegeln könnte.

Hierzu ist aber zunächst ein Sieg gegen die benachbarte Arminia Pflicht. "Im Hinspiel haben wir gesehen, dass es möglich ist, gegen Bielefeld zu verlieren. Aber wir kennen unseren Fußball und wissen um unsere Stärken", warnte Baumgart. Seine Mannschaft darf sich in diesem "besonderen Spiel" auf die Unterstützung von 3200 Fans freuen. Die Euphorie ist längst angekommen bei den Schwarz-Blauen.

Oldie Uwe Hünemeier (33) wies im Gespräch mit dem kicker auf die "besondere Atmosphäre" auf der mit 26.300 Zuschauern ausverkauften Alm hin. Druck verspüre er beim Blick auf die Tabelle allerdings nicht: "Wir haben doch eine herausragende Saison gespielt, das kann uns niemand nehmen. Anders als die Konkurrenz müssen wir keine Erwartungen mehr erfüllen." So wie vor fünf Jahren.

Hünemeier und der verletzte Kapitän Christian Strohdiek (31) sind die einzigen Spieler im Paderborner Kader, der beim Bundesliga-Intermezzo 2014/15 dabei waren.

Die "Stars" in der heutigen Mannschaft sind Topscorer Philipp Klement (23 Scorerpunkte), Bernard Tekpetey (16) oder Christopher Antwi-Adjej (11) - für das Trio, das mittlerweile in den Fokus von Erstligisten geraten ist, überwies Paderborn an Mainz 05, Schalke 04 und die TSG Sprockhövel (!) zusammen nicht einmal 300.000 Euro Ablöse.

Krösche scheint unabhängig vom Saisonausgang zu Höherem berufen. Für die Mannschaft wäre der Aufstieg ein Abenteuer, bei dem sie nichts zu verlieren hat. Alles andere als eine Achterbahnfahrt nach unten wäre eine Sensation - aber noch steuert Paderborn auf die nächste Höhe zu.

(rent/sid)
Mehr von RP ONLINE