„Du Hurensohn, du Kameltreiber hast hier nichts zu suchen": Rote Karte für Rassisten

„Du Hurensohn, du Kameltreiber hast hier nichts zu suchen": Rote Karte für Rassisten

Düsseldorf (RP). Es ist die 60. Spielminute, als Schiedsrichter Chaib Quarierale der blanke Hass entgegenschlägt. Ein strittiger Elfmeterpfiff im Spiel des Düsseldorfer A-Kreisligisten Schwarz-Weiss gegen die DJK SC Flingern 08 ist zu viel für einige Zuschauer der Gastmannschaft. Von diesem Zeitpunkt an geht die verbale Hetzjagd auf den Unparteiischen los.

Jede Entscheidung von ihm wird kommentiert, zumeist mit einem Vokabular weit unterhalb der Gürtellinie - obwohl Flingern mit 2:1 führt. "Du Hurensohn, du Kameltreiber hast hier nichts zu suchen, geh' doch zurück nach Saudi-Arabien. So was und noch viel miesere Sachen musste ich mir anhören", erzählt Quarierale. "Das war schrecklich. Ganz nebenbei, ich komme aus Marokko."

Nach dem Abpfiff flüchtet Quarierale völlig verunsichert in die Schiedsrichter-Kabine und schließt die Tür ab. "Ich stand bestimmt eine halbe Stunde unter der Dusche und habe die Welt nicht mehr verstanden", sagt der 33-Jährige. "Immer wieder gingen mir die Sprüche durch den Kopf. Das hat ziemlich weh getan. Ich bin Schiedsrichter, weil es mir Spaß macht, da willst du wirklich nicht von Rassisten beschimpft werden."

Manfred Castor ist Präsident der DJK SC Flingern 08. Sind unter den Anhängern seines Vereins rechte Sprücheklopfer? "Diese Leute waren uns nicht bekannt. So etwas ist vorher noch nie bei uns passiert", sagt der 52-Jährige, der gleichzeitig Vorsitzender des Fußballkreises Düsseldorf ist. Die Mitglieder der Spruchkammer des Fußballverbandes hatten keine Zweifel, dass die rassistischen Sprüche aus dem Lager der Flingerner kamen und verurteilten den Klub zu 1000 Euro Ordnungsgeld. "Die DJK ist ein christlicher Sportverband. Wir wollen mit Rassisten nichts zu tun haben", bekundet Castor. "Wir wollen ganz deutlich Flagge gegen solche Typen zeigen. Beim nächsten Heimspiel werden wir vielleicht Flugblätter verteilen, wo aufgefordert wird, auf seinen Nachbarn zu achten."

Rassismus im Amateur-Fußball - längst kein Einzelfall. Der Soziologe Gunter A. Pilz sagt: "In einigen Fan-Zeitungen werden die Namen der deutschen Torschützen genannt, ausländische Spieler werden nur mit ihrer Nummer abgedruckt. Afrikaner werden als Affen beschimpft, müssen viel mehr leisten, damit sie anerkannt werden. Rassismus wandert immer weiter ab in die kleinen Stadien. Das ist der Trend, den wir schon seit einiger Zeit beobachten." Die große Bühne Fußball-Bundesliga ist den Pöblern wegen der weiträumigen Überwachung und harten Sanktionen zu gefährlich geworden. "Rassismus wird niemals ein Thema sein, dass man völlig im Griff haben kann", sagt der Wissenschaftler. "Wir müssen kontinuierlich dagegen arbeiten."

Diese Arbeit will DFB-Präsident Theo Zwanziger tatkräftig unterstützen. "Wir müssen Fremdenfeindlichkeit die Rote Karte zeigen. Es liegt in der Verantwortung des Verbandes, dass wir uns entschieden dagegen wehren", sagt Zwanziger. "Wir nehmen das Thema sehr ernst - nicht nur bei Vorfällen in der Bundesliga, sondern besonders auch in den unteren Klassen."

Chaib Quarierale hat sich lange Gedanken über seine Zukunft gemacht. "Soll ich mir das weiter antun? Wird sich so etwas nochmal wiederholen? Ich habe lange mit meiner Frau darüber diskutiert", sagt der Industriekaufmann. "Ich liebe das Spiel zu sehr, ich will es mir nicht von ein paar Vollidioten verderben lassen." Am Sonntag wird Chaib Quarierale wieder auf dem Platz stehen.

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