Reinhard Grindel: Rücktritt als DFB-Präsident in sieben Minuten

Grindel räumt Posten als DFB-Präsident : Rücktritt in sieben Minuten

DFB-Präsident Reinhard Grindel hat die Konsequenzen aus der wachsenden Kritik gezogen. Der Verbandschef räumt seinen Posten. Schon länger war bekannt, dass das Arbeitsklima beim Verband desaströs war.

Es ist exakt 14.22 Uhr, als Reinhard Dieter Grindel zu seinem letzten großen Auftritt als DFB-Präsident vor die Medien tritt. In sieben Minuten erklärt der 57-Jährige, warum er nicht länger an der Spitze des mit mehr als sieben Millionen Mitgliedern größten Sportfachverbands der Welt stehen will: „Ich trete vom Amt des DFB-Präsidenten zurück. Ich entschuldige mich dafür, dass ich durch mein wenig vorbildliches Handeln in Zusammenhang mit der Annahme einer Uhr Vorurteile gegenüber haupt- oder ehrenamtlich Tätigen im Fußball bestätigt habe.“ Eine Luxus-Uhr, von dessen Marke und deren Wert (6000 Euro) er nichts gewusst haben will, hat schließlich das bereits prall gefüllte Fass zum Überlaufen gebracht.

Grindel, so erfuhr unsere Redaktion aus Kreisen des DFB, soll zunächst vom „Spiegel“ mit dem Vorwurf, er habe vor etwa anderthalb Jahren zum Geburtstag eine Uhr von einem ukrainischen Oligarchen geschenkt bekommen haben, kurz vor der Eröffnung der Hall of Fame am Montagabend im Deutschen Fußballmuseum konfrontiert worden sein. Er hatte sich daraufhin offenbar selbst an die „Bild“ gewandt, um die Sache noch irgendwie geradezubiegen. Es erschien allerdings kurz darauf der Bericht – das Ende der Zeit von Grindel als DFB-Präsident war damit eingeläutet. Erst am Freitag hatte der „Spiegel“ berichtet, dass Grindel als Aufsichtsrats-Chef einer DFB-Tochterfirma 78.000 Euro zusätzlich kassiert haben soll.

Robert Schäfer, der Vorstandsvorsitzende von Fußball-Bundesligist Fortuna Düsseldorf, begrüßt den Rücktritt von DFB-Präsident Reinhard Grindel. „Dazu hat es am Ende keine Alternative mehr gegeben. Es ist gut, wie es gekommen ist“, sagte er. „Jetzt geht es darum, die richtigen Schlüsse aus den Fehlern der Vergangenheit zu ziehen. Es muss jetzt endlich ein echter Neuanfang gemacht werden, erklärte Schäfer weiter. „Es ist allerdings entscheidend, dass nicht nur über Personen geredet wird, sondern genauso intensiv über die Strukturen nachgedacht wird. Der DFB hat bereits Änderungen versucht, aber da muss noch mehr kommen, wenn man alle im deutschen Fußball mitnehmen will.“ Christoph Metzelder wird als ein möglicher Kandidat ins Spiel gebracht, er selbst will sich noch nicht zu seinen Ambitionen äußern. Philipp Lahm hat dagegen schon abgesagt. Am 26. und 27. September wird der Nachfolger von Grindel auf dem sogenannten DFB-Bundestag in Frankfurt am Main gewählt. Bis dahin werden DFB-Vize Rainer Koch und DFL-Präsident Reinhard Rauball in einer Doppelspitze wie schon nach dem Rücktritt von Wolfgang Niersbach im November 2015 die Führung übernehmen. Koch hat schon einmal angekündigt, man suche einen Kandidaten „außerhalb des Präsidiums“.

Theo Zwanziger, von 2006 bis 2012 DFB-Präsident, zeigte sich betrübt über die aktuelle Situation. „Ich bin nicht glücklich über diese Entwicklung und hoffe, dass der DFB bald wieder auf festen Boden kommt“, sagte der 73-Jährige unserer Redaktion. „Dieser für die Gesellschaft so unfassbar wichtige Verband braucht eine unangreifbare Führungsspitze. Daran müssen nun alle arbeiten und nicht zehn Namen von möglichen Nachfolgern hinterherlaufen. Die Strukturen innerhalb des DFB sollten so verändert werden, dass Vertrauen zurückgewonnen werden kann. Dazu gehört auch, dass man transparent und ehrlich über die Vergütung des DFB-Präsidenten redet. Das geht bei dem Aufwand nur als Hauptamt mit entsprechender Bezahlung. Alles andere ist Heuchelei und verführt zur Intransparenz.“ Damit unterstreicht Zwanziger einen Wunsch der Deutschen Fußball-Liga (DFL), die sich mehr Professionalität vom DFB wünscht.

Grindel ist einzig an sich selbst gescheitert, abgeschossen von den engsten Mitarbeitern, die kompromittierende Details gegen ihn an die Öffentlichkeit lanciert haben. Schon länger war bekannt, dass in der Verbandszentrale das Arbeitsklima komplett vergiftet sein soll. Grindel hatte sich immer wieder gerne als Aufräumer inszeniert, als Erneuerer ist er allerdings überhaupt nicht in Erscheinung getreten. Finanziell ist der Schaden für ihn vergleichsweise gering: Grindel wird seine Ämter im Exekutivkomitee des europäischen Dachverbands und im Council des Weltverbands „in enger Abstimmung mit dem DFB“ fortführen, teilte der DFB mit. Überwiesen bekommt Grindel für diese Tätigkeit (maximal acht Termine im Jahr) rund 500.000 Euro. Und auch danach fällt er weich. Bislang hat er als DFB-Präsident eine Aufwandsentschädigung von monatlich 7200 Euro überwiesen bekommen – dazu 7200 Euro als Verdienstausfallentschädigung. Der Funktionär hat von 1992 bis 2002 beim ZDF gearbeitet und sich so eine Art Beamtenstatus gesichert. Er kann jederzeit zum öffentlich-rechtlichen Sender zurück.

Mehr von RP ONLINE