Neun Wechsel im Norden: Regionalliga: Zwei neue Trainer auf dem Schleudersitz

Neun Wechsel im Norden: Regionalliga: Zwei neue Trainer auf dem Schleudersitz

Leipzig (dpa/lnw). Trainerstühle sind Schleudersitze. In der Fußball-Regionalliga noch viel mehr als in der Bundesliga. Während in der Eliteklasse bisher nur sieben Mal der Coach ausgetauscht wurde, meldete die Nordstaffel der dritten Liga schon neun Trainerwechsel, im Süden gab es sogar elf.

In der Regionalliga Nord setzten immerhin zwölf von 19 Vereinen auf Kontinuität und waren damit gut beraten. Sowohl Spitzenreiter Preußen Münster mit Stefan Grädler als auch die Verfolger Fortuna Köln (Peter Vollmann), SV Babelsberg 03 (Hermann Andreev) und Eintracht Braunschweig (Reinhold Fanz) vertrauten trotz zwischenzeitlicher Tiefs auf ihre erste Wahl.

Dagegen änderte Sachsen Leipzig ganz schnell den Kurs. Der als jüngster Regionalliga-Coach mit viel Vorschuss-Lorbeer bedachte Volkan Uluc gab als erster Trainer im Norden schon nach fünf Spieltagen Ende August auf. Als Nachfolger engagierten die Sachsen den früheren bulgarischen Nationaltrainer Hristo Bonew. Doch auch dessen Mission bei den abstiegsgefährdeten Leipzigern nimmt sich bescheiden aus.

Erstmals im Chefsessel niederlassen werden sich am 29. Spieltag gleich zwei Trainer. In Wilhelmshaven möchte Frank Kurth bei seinem Einstand für Rot-Weiß Essen am Freitag drei Punkte einfahren. Der frühere RWE-Torwart löste Klaus Berge ab, der seinen bis 2002 datierten Vertrag vorzeitig auflöste. Der 37-jährige Kurth gilt nur als Übergangslösung, denn Essen will für die nächste Saison einen erfahrenen Trainer verpflichten. Den hat Wilhelmshaven, doch auch Hans-Werner Moors trägt sich mit Abschiedsgedanken. Der 50-Jährige hält ein Engagement bei dem in Insolvenz befindlichen Verein über die Saison hinaus "nach dem derzeitigen Stand der Dinge für ausgeschlossen".

Eine Premiere gibt es am Freitag auch in Düsseldorf, wo Dieter Hecking als neuer Trainer des VfB Lübeck zur Jagd auf Spitzenreiter Preußen Münster blasen will. Hecking sollte Co-Trainer Dirk Bremser, der im November für den zu Greuther Fürth abgewanderten Uwe Erkenbrecher eingesprungen war, ursprünglich erst zur neuen Saison ablösen. Doch nach dem Bekanntwerden seiner Pläne hatte sich der SC Verl Ende Januar von Hecking getrennt und Co-Trainer Jörg Weber das Zepter übergeben. Das war "König Aleks" in Düsseldorf kurz vorher aus der Hand gefallen. Weil der frühere Erstligist vom Rhein ohne Fortune in Richtung Viertklassigkeit steuert, soll nun Ex-Profi Uwe Fuchs als Nachfolger von Aleksandar Ristic retten, was zu retten ist.

Dass noch etwas geht, spürt auch Tennis Borussia Berlin. Der Zweitliga-Absteiger gab nach dem ersten Sieg unter Friedhelm Haebermann die "Rote Laterne" ab. Der langjährige Berliner Verbandstrainer beerbte Robert Jaspert, der nach sieben Niederlagen in Folge das Handtuch werfen musste. Weil Mirko Slomka zuvor ähnlich erfolglos war, zahlen die "Veilchen" in dieser Saison inzwischen schon für den den dritten Coach und streiten nebenbei vor Gericht noch immer mit Winfried Schäfer um dessen Millionen-Abfindung.

Wie man Trainer schnell "entsorgt", dazu kann Kickers Offenbach die besten Tipps und Ratschläge geben. Die Hessen sind allein für sechs der elf Trainerwechsel in der Süd-Regionalliga verantwortlich - und wenigstens in dieser Beziehung noch ungeschlagen.

Die Trainerwechsel in der Fußball-Regionalliga Nord:

FC Sachsen Leipzig: Hristo Bonew ist seit dem 9. September 2000 Cheftrainer. Er kam für Volkan Uluc, der am 24. August zurückgetreten war. Dazwischen betreute Co-Trainer Uwe Ferl die Mannschaft.

Tennis Borussia Berlin: Für Mirko Slomka kam am 16. November Robert Jaspert. Am 23. März löste ihn Friedhelm Haebermann ab.

VfB Lübeck: Die Norddeutschen trennten sich am 16. November von Uwe Erkenbrecher, der zu Greuther Fürth in die 2. Bundesliga wechselte. Co-Trainer Dirk Bremser übernahm sein Amt. Er wurde am 27. März vom früheren Verler Coach Dieter Hecking abgelöst.

Dresdner SC: Mit Matthias Schulz waren die Sachsen in die dritte Liga aufgestiegen. Am 28. November wurde er entlassen und vom früheren DDR-Auswahlspieler Hans-Jürgen Kreische beerbt.

Fortuna Düsseldorf: Aleksandar Ristic musste am 23. Januar seinen Stuhl räumen. Seitdem trainiert Ex-Profi Uwe Fuchs die Mannschaft.

SC Verl: Dieter Hecking wollte nach der Saison zum VfB Lübeck wechseln. Als seine Pläne konkret wurden, trennte sich der SC von seinem Coach und beförderte Co-Trainer Jörg Weber zum Chef.

Rot-Weiß Essen: Der Vertrag von Klaus Berge wurde vorzeitig aufgelöst. Frank Kurth übernahm als Interimstrainer bis zum Saisonende.

(RPO Archiv)
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