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RB Leipzig: Warum sich Sportschau für Lob entschuldigt

Aufregung um Live-Ticker : Warum sich Sportschau für RB-Leipzig-Lob entschuldigt

Viele Nutzer des Internet-Angebots der ARD reagierten gereizt auf den Live-Ticker zum Zweitligaspiel gegen Kaiserslautern am Montagabend.

Es gibt wenige Gründe, sich mit dem Aufeinandertreffen von RasenBallsport Leipzig und dem 1. FC Kaiserslautern in der 2. Bundesliga im Nachklapp allzu intensiv zu beschäftigen. Etliche Internetnutzer hat die Partie indes gehörig auf Betriebstemperatur gebracht. Das lag an einem Liveticker der ARD-Sportschau. Der Proteststurm nahm offenbar ein so bedrohliches Ausmaß an, dass sich der öffentlich-rechtliche Sender dazu genötigt sah, in einer Stellungnahme sein Bedauern für die gewählten Worte auszudrücken.

Vor dem Anpfiff hatte ein Mitarbeiter der Sportschau für ein paar Zeilen den sachlichen Beritt verlassen und ist ein wenig ins Schwärmen geraten über den Fußball-Standort Leipzig. In einem Eintrag vor Anpfiff heißt es: "25 000 Zuschauer sind hier, eine tolle Kulisse in Leipzig. Super, dass diese herrliche Stadt inzwischen im Profi-Fußball vertreten ist. Und wer dann auch weiterhin den Niedergang des Fußballs beweinen möchte, sollte sich noch ganz kurz die Frage beantworten, ob sein eigener Klub das Geld abgelehnt hätte, wenn der Hauptsponsor gesagt hätte: Dürfen wir unser Engagement bei Ihnen erhöhen? Aha", schrieb der Ticker-Autor. Diese Sätze reichten aus, um für Erhitzung zu sorgen.

Die Geschichte nahm ihren erwartbaren Lauf. In Einträgen beim Kurznachrichtendienst Twitter wurden Verschwörungstheorien laut. "Erwarte nicht viel für Milliarden Gebühren, aber Red-Bull-Propaganda ist das Letzte. Wenn schon niedriges Niveau, wenigstens neutral", lautete ein Tweet. Oder: "Wie viel hat euch Red Bull gezahlt?"

Das Krisenmanagement der "Sportschau" hat funktioniert. Kurz nach der ersten Protestwelle kündigte der Sender an, sich mit den Vorwürfen zu beschäftigen. Er nahm sich angemessen Zeit und ließ sich nicht treiben. Am Ende der Überlegungen stand wohl eine Vernunftsentscheidung: Man entschuldigte sich und verkündete: "Das hat in der Knappheit der dargestellten Position für viel Unmut gesorgt und entspricht auch nicht der Meinung der Redaktion. Zur Beruhigung: Nein, wir werden nicht von diesem Brausehersteller mitfinanziert und nein, es war nicht der Praktikant am Werk. Unsere Ticker sollen so sachlich wie möglich über die Spiele informieren. Anderseits spiegelt sich in den Formulierungen auch immer die Persönlichkeit unserer Autoren wider. Im aktuellen Fall ist das Thema zu oberflächlich angerissen worden, dafür ist der Ticker der falsche Ort. Dafür möchten wir uns entschuldigen."

Bedenklicher als die kurze Passage im Live-Ticker der "Sportschau" ist allerdings der Umgang mit der Meinung anderer. Wenn eine vermeintliche Mehrheit im Internet, also die Gegner des Leipzig-Projekt, für sich in Anspruch nimmt, dass nur ihre Sicht auf die Dinge zulässig ist, dann ist das eine exklusive Interpretation von Meinungsfreiheit. Etwas mehr Gelassenheit täte gut. Der Brausehersteller Red Bull dürfte sich auf jeden Fall über die kostenlose Werbung freuen.

(RP)