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RB Leipzig holt Jesse Marsch als Nachfolger von Julian Nagelsmann

Nagelsmann-Nachfolger : RB Leipzig mit Jesse Marsch einig

RB Leipzig hat wohl einen Nachfolger für Julian Nagelsmann gefunden. Jesse Marsch soll den Bundesligisten ab Sommer trainieren. Der derzeitige Salzburger war der Favorit auf den Posten.

Das heftige Trainer-Beben um Julian Nagelsmann wirkte am Campus von RB Leipzig auch am Mittwoch nach. Der künftige Bayern-Coach bereitete sein Team in gewohnter Form auf das Pokal-Halbfinale bei Werder Bremen (Freitag, 20.30 Uhr/ARD und Sky) vor, als nebenan auf der Geschäftsstelle schneller als erwartet die dringende Nachfolge-Lösung offenbar geklärt wurde: Jesse Marsch vom Schwesterklub Red Bull Salzburg soll bei RB Leipzig ab Sommer an der Seitenlinie stehen.

"Ich kann bestätigen, dass Gespräche mit Leipzig aufgenommen wurden", sagte Salzburg-Sprecher Christian Kircher am Abend auf SID-Anfrage. Nach kicker-Informationen herrscht zwischen Leipzig und dem 47 Jahre alten US-Amerikaner sogar schon Einigkeit. Ausstehend sei nur die Einigung zwischen den Klubs - was angesichts der Nähe beider Vereine reine Formsache sein dürfte.

Die Risse, die durch den Nagelsmann-Abgang im scheinbar stabilen Konstrukt RB Leipzig entstanden waren, wurden also schleunigst mit einem Vertrauten aus dem RB-Kosmos geflickt. Wie tief die Verwerfungen angesichts der ebenfalls beschlossenen Trennung von Sportdirektor Markus Krösche allerdings wirklich sind, ist noch nicht abzusehen. Unter der Oberfläche brodelt es jedenfalls.

Vor allem Nagelsmann ist für Leipzig nicht zuletzt aufgrund der Strahlkraft des 33-Jährigen nicht adäquat zu ersetzen. Dessen Abgang zeigt, dass der ambitionierte Klub vorerst am Ende seiner Entwicklung angekommen ist.

RB kann Bayern-Jäger sein. Ein Bayern-Erbe ist der Emporkömmling nicht. Das dürfte auch Nagelsmann erkannt haben, der sich in München seinen "Lebenstraum" erfüllt, aber eben auch schlagartig in Europas Fußball-Beletage vorstößt.

Ob dies in Leipzig ohne Nagelsmann noch gelingen kann, dürften sich jetzt viele Spieler fragen. Die international begehrten Leistungsträger Dani Olmo (22) oder Christopher Nkunku (23) reagierten laut Sport Bild wenig begeistert auf den Nagelsmann-Wechsel. Spielmacher Emil Forsberg (29) und Kapitän Marcel Sabitzer (27) - beide seit Jahren im Klub und mit Verträgen bis 2022 ausgestattet - dürfte ein weiteres Bekenntnis zu RB deutlich schwerer fallen. Zumal Abwehrchef Dayot Upamecano seinem Trainer nach München folgt.

Eine Gefahr, den national wie international mit viel guter Arbeit erkämpften Status im wohl größten Umbruch der jungen Klubgeschichte zu verspielen, sieht Geschäftsführer Oliver Mintzlaff allerdings nicht.

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"Das ist keine Bankrott-Erklärung", sagte Mintzlaff zur Nagelsmann-Entscheidung: "Wir werden die Lücke schließen. Julian wird uns spüren, wir werden weiterhin auf Angriff gehen."

Seine Zuversicht schöpft Mintzlaff auch aus dem Blick in die Vergangenheit. Die Abgänge von Trainer Ralph Hasenhüttl und Leistungsträger Naby Keita (2018) meisterte RB ebenso wie den Abschied von Leitfigur Ralf Rangnick und Torjäger Timo Werner (2020).

"Wir haben gezeigt, dass es hier weitergehen kann. Ich weiß, dass wir einen Plan haben", sagte Mintzlaff: "Wir werden einen Nachfolger haben, der die Philosophie nicht auf links dreht, sondern das, was Julian aufgebaut hat, fortsetzt." Dieser heißt offenbar Marsch.

Wie schwer das Erbe für Nagelsmanns Nachfolger wird, hängt auch vom weiteren Saisonverlauf ab. Drei große Ziele hat der Klub für die Saison 2020/21 noch definiert: In der Bundesliga soll die beste Saison der Klubgeschichte samt Vize-Meisterschaft gelingen. Im Falle eines Finaleinzugs winkt am 13. Mai im Endspiel des DFB-Pokals der erste Titel der Klubgeschichte.

(ako/sid)