RB Leipzig: Gefangen in der Hass-Spirale

Bullenkopf, Farbbeutel, Angriff auf Kinder : RB Leipzig in der Hass-Spirale

Die Anfeindungen gegen Aufsteiger RB Leipzig haben mit den Geschehnissen in Dortmund ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Schon in der 2. Bundesliga gab es Proteste gegen den Klub. In der aktuellen Spielzeit mehren sich die Anfeindungen – und werden immer brutaler. Eine Übersicht über die bisherigen Anfeindungen gegen den Ost-Klub.

Die Anfeindungen gegen Aufsteiger RB Leipzig haben mit den Geschehnissen in Dortmund ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Schon in der 2. Bundesliga gab es Proteste gegen den Klub. In der aktuellen Spielzeit mehren sich die Anfeindungen — und werden immer brutaler. Eine Übersicht über die bisherigen Anfeindungen gegen den Ost-Klub.

  • September 2014 Leipzig war zu Gast bei der Fortuna aus Düsseldorf. Für Traditionalisten ist das Projekt RB ein ganz besonders schlimmes, die Fans der Fortuna protestierten mit einem riesigen Plakat, auf dem der "Untergang des Fußballs" prophezeit wurde. Die Fans trugen zu Beginn der Partie schwarze Ponchos. Auch Stadion-DJ Marcus "Opa" Haefs ließ sich etwas "Besonderes" einfallen und spielte die Songs "Money, Money, Money" von der schwedischen Kultband Abba, den "Trauermarsch" von Frederic Chopin sowie "Material Girl" von Madonna und "Kauf mich" von den Toten Hosen. Der damalige Fortuna-Trainer Oliver Reck legte auf der Pressekonferenz nach dem Spiel noch einmal nach, kritisierte den Klub. "Ich habe einen sehr engangierten Fußball von einer Traditionsmannschaft gesehen, die alles in die Waagschale geworfen hat", sagte Reck. Der Begriff "Traditionsmannschaft" provozierte den damaligen Leipziger Trainer Alexander Zorniger, der sofort konterte: "Leidenschaftlichen Fußball spielen nicht nur Traditionsmannschaften." Recks Antwort: "Ich arbeite lieber bei einem Traditionsverein und lasse mir diesen Satz nicht verbieten."
  • März 2015 Vor dem Auswärtsspiel beim Karlsruher SC schrieben angebliche Fans der Badener einen anonymen Brief an den Klub aus Sachsen. Inhalt: eine Reisewarnung an alle Leipzig-Fans. Kurz vor dem Anpfiff des Spiels stürmten dann 20 KSC-Fans das Leipziger Teamhotel und besetzten den Essensraum. "Die waren nicht vermummt, hatten aber Kapuzen auf. Dass irgendwelche Leute ins Hotel eindringen, ist eine Dimension, die einfach nicht geht", sagte Ralf Rangnick, damals noch Trainer der Leipziger, zu der Aktion der KSC-Fans. Schon damals war der Deutsche Fußball-Bund alarmiert. "Das Kesseltreiben muss irgendwann einmal ein Ende haben", sagte DFB-Vizepräsident Rainer Milkoreit damals.
  • August 2016 In der ersten Runde des DFB-Pokals kam es zum Sachsen-Derby zwischen Dresden und Leipzig. Und hier uferte der Protest gegen RB erstmals so richtig aus. Ein abgetrennter Bullenkopf wurde in den Innenraum geworfen. "Das ist einfach nur geschmacklos und passt damit auch genau zu dieser völlig überholten, von nur wenigen geführten, klischeebehafteten Debatte über RB Leipzig, die bei uns ins Leere läuft", sagte RB-Vorstandschef Oliver Mintzlaff. Auch mit Plakaten protestierten die Dynamo-Fans gegen den ungebetenen Gast. "Tradition wird siegen" war noch eines der harmlosen Plakate. Mit den Sprüchen "Red Bull verdient Prügel" und "Bullen töten" überschritten die Fans allerdings eine Grenze.
  • September 2016 Die Fans des 1. FC Köln protestierten in Form einer Sitzblockade gegen den "Retorten-Klub" aus Leipzig. Durch ihren stillen Protest musste das Spiel im Rhein-Energie-Stadion später als geplant angepfiffen werden. Im Stadion ging der Protest in Form von geschmacklosen Spruchbändern dann weiter. "Bullen töten ist doch kein Verbrechen", stand auf einem Plakat. Zu viel des Guten.
  • November 2016 Beim Auswärtsspiel in Leverkusen wurden erstmals auch die Spieler angegriffen. Unbekannte warfen bei der Fahrt zum Stadion Farbbeutel auf den Mannschaftsbus der Gäste, Personen kamen allerdings nicht zu Schaden. Bayer-Sportchef Rudi Völler bedauerte den Vorfall. "Wir können das nicht gutheißen", sagte Völler.
  • Februar 2017 In Dortmund erreichte der Hass gegenüber Leipzig seinen bisherigen Höhepunkt. Nicht nur mit fiesen Spruchbändern a la "Burnout Ralle: Häng dich auf" in Anspielung auf Rangnicks psychische Erkrankung zeigten einige BVB-Fans von der Südtribüne ihre Ablehnung gegenüber dem Red-Bull-Klub. Nach der Partie gingen die Ultras auf Leipziger Fans los, warfen Steine — sogar auf Frauen und Kinder. Die Verantwortlichen aus Leipzig waren erschrocken über die Ereignisse, der BVB entschuldigte sich in aller Form. Die Polizei ermittelt, Innenminister Thomas de Maiziere forderte sogar Gefängnisstrafen für die Täter. Es ist ein trauriger Höhepunkt in einer schier endlosen Geschichte.

Im Februar ist Leipzig zu Gast bei Borussia Mönchengladbach, im April beim FC Schalke. Zwei Traditionsvereine, deren Fans sicher auch nicht auf Proteste gegen den Brause-Klub verzichten. Gerade auf Schalke droht Leipzig auch wegen der Schwalbe von Timo Werner im Hinspiel ein ungemütlicher Empfang. Hoffentlich haben die Vorkommnisse in Dortmund den Anhängern der beiden Westklubs die Augen geöffnet und sie protestieren ganz ohne Gewalt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Hass und Gewalt gegen RB Leipzig: Pressestimmen

(seeg)
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