1. Sport
  2. Fußball
  3. RB Leipzig

RB Leipzig: Fans bekommen Reisewarnung - "Kesseltreiben muss ein Ende haben"

Reisewarnung für Fans von RB Leipzig : "Kesseltreiben muss ein Ende haben"

Kritik ist Zweitligist RB Leipzig gewohnt, zuletzt hat der Widerstand gegen das Projekt jedoch eine neue Stufe erreicht. Vor dem Spiel in Karlsruhe sprachen angebliche KSC-Fans in einem anonymen Brief sogar eine Reisewarnung aus.

Erst die Drohungen gegen ein geplantes Jugendcamp, jetzt ein anonymer Brief mit einer Reisewarnung für das Auswärtsspiel in Karlsruhe: Der Widerstand gegen den Zweitligisten RB Leipzig als angebliches Symbol für die Kommerzialisierung im Profifußball nimmt immer bedrohlichere Ausmaße an. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ist alarmiert.

"Das Kesseltreiben muss irgendwann einmal ein Ende haben", sagte DFB-Vizepräsident Rainer Milkoreit dem SID: "Wenn die Stimmung gegen RB in Anfeindungen oder Drohungen ausartet, dann ist das eindeutig ein Schritt zu viel."

Nach der Absage eines Trainingscamps für Jugendliche aus Sicherheitsgründen sorgte im Vorfeld der Zweitligapartie am Montag beim Karlsruher SC ein anonymer Brief für Aufregung. Die Karlsruher Polizei nahm deswegen Ermittlungen auf, sie ging am Montagmittag aber von keinem erhöhten Gefährdungspotenzial für das Ligaspiel aus. Etwa 150 Gäste-Fans werden erwartet.

In dem Brief, der nach Polizeiangaben an RB, an Fan-Organisationen und an eine Leipziger Zeitung verschickt wurde, werden die "Fußballfreunde aus Leipzig" vor einer Reise nach Karlsruhe gewarnt. "Aus sicherer Quelle haben wir erfahren, dass die aktiven Fans des Karlsruher Sport-Clubs diverse Aktionen gegen die "Fans" und das Konstrukt RB Leipzig planen", heißt es in dem Schreiben, das dem SID vorliegt.

Unterschrieben ist der Brief mit "besorgte Fußballfans aus Karlsruhe". Eine gute Tat darf aber bezweifelt werden. Die Verfasser nennen die RB-Anhänger "reine Werbeträger des Marketingkonstrukts" und fragen provokativ: "Ist es wert, seine Seele zu verkaufen, nur um attraktiven Fußball zu sehen?"

Die Leipziger Polizei sieht in dem Brief nicht den Tatbestand der Bedrohung gegeben. Die Polizei Karlsruhe versucht dennoch, die Verfasser ausfindig zu machen. "Wir haben Möglichkeiten, zum Beispiel über szenekundige Beamte, die Sache abzuklopfen", sagte Polizeisprecherin Sabine Doll.

Erst vor wenigen Tagen hatte die Absage eines RB-Trainingscamps für Jugendliche in Halle/Saale für Aufsehen gesorgt. Nachdem auf sozialen Netzwerken unter anderem dazu aufgerufen wurde, das Sportgelände zu zerstören, hatten der von einem österreichischen Brausekonzern gegründete Zweitligist und der ortsansässige Verein SG Motor Halle die Veranstaltung abgesagt.

DFB-Vizepräsident Milkoreit hatte danach von einem "extremen Auswuchs" gesprochen. Andreas Silbersack, Chef des Landessportbundes Sachsen-Anhalt, bezeichnete die Absage als "Kapitulation vor Chaoten". Die Entscheidung sei dennoch richtig gewesen: "Die Gesundheit der Vereinsmitglieder und Talente hat absoluten Vorrang."

Das unter Fußballfans beliebte "RB-Bashing" kann Milkoreit nicht nachvollziehen. "RB Leipzig ist für die Region, ja für den ganzen Osten ein Projekt, das man nur gutheißen kann", sagte der Chef des Nordostdeutschen Fußballverbandes und verwies auf die zahlreichen sozialen Projekte des oft als Plastikklub beschimpften Vereins.

In der Stadt Leipzig ist das Projekt RB nach anfänglichen Problemen inzwischen angekommen. Beim Pokal-Achtelfinale gegen den Bundesliga-Zweiten VfL Wolfsburg (0:2) war die Leipziger WM-Arena mit 43.348 Zuschauern erstmals ausverkauft. Die Sympathien hören aber oft an der Stadtgrenze auf - und schlagen mitunter auch in Feindseligkeit um.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Union-Fans protestieren gegen Red Bull

(sid)