ARD-Doku "geliebt und gehasst" über RB Leipzig: Thema verfehlt

Fokus nur auf sportlichen Erfolg: ARD verfehlt bei Leipzig-Doku das Thema

Am Samstagabend wartete die ARD mit einer krassen Produktenttäuschung auf. Die Reportage mit dem Titel "Geliebt und gehasst – wie RB Leipzig den Fußball verändert" versprach eine kritische Aufarbeitung des polarisierendsten Themas im deutschen Fußball schlechthin.

Was MDR-Sportreporter Ingo Hahne dem Publikum präsentierte, war aber ein Imagefilm, den die Leipziger in ihren Archiven aufbewahren können, um ihn vorzuzeigen, wenn mal Besuch vorbeischaut.

"Warum spaltet der Erfolg die Fanszene in Deutschland?", hieß es in der Ankündigung. Die Beantwortung dieser Frage blieb aus. Hahne legte den Fokus nur darauf, den sportlichen Erfolg der Leipziger zu erklären. Das gelang. Spieler Yussuf Poulsen gewährte einen Blick hinter die Kulissen und verriet, dass er und seine Kollegen jeden Tag eine Blutprobe zur Analyse abgeben, deren Ergebnis Grundlage für die Trainingssteuerung ist.

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Mehmet Scholl stand als Experte parat, um dem Leipziger Modell zu huldigen. Nach mehr als 30 Minuten durfte ein Dortmunder Fansprecher dann doch Kritik üben. Er machte den Unterschied zwischen einem kommerzialisierten Fußballklub (BVB) und einem Klub, der für den Kommerz entstanden ist (RB), klar.

Statt nachzuhaken und nun auf die fehlenden Mitspracherechte von Vereinsmitgliedern oder die Folgen dieser Entwicklung für Ligenzusammensetzung und Fankultur einzugehen, zeigte Hahne die Ergebnisse einer – nicht gesichert repräsentativen – Umfrage: Etwas mehr als 60 Prozent der deutschen Fußballfans würden das Konstrukt akzeptieren. Damit war der kritische Part abgehakt, und Sportdirektor Ralf Rangnick durfte weiter die Familie RB lobpreisen. Thema verfehlt, ARD!

(erer)