Frankfurts Schatzmeister Leben: Eintracht ist derzeit liquide: Präsident Heller dementiert Finanzloch von zehn Millionen Mark

Frankfurts Schatzmeister Leben: Eintracht ist derzeit liquide : Präsident Heller dementiert Finanzloch von zehn Millionen Mark

Frankfurt/Main (sid). Der sportlich angeschlagene Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt ist offenbar auch finanziell ins Schlingern geraten. Bis auf zehn Millionen Mark sollen sich die Verbindlichkeiten angehäuft haben - eine Zahl, die der erst im Oktober berufene Schatzmeister Rainer Leben nicht kommentieren will. "Ich kann jetzt keine Details nennen, aber wir werden unsere Mitglieder bei der Jahreshauptversammlung am 31. Januar ausführlich informieren", kündigte der 43 Jahre alte Unternehmensberater und Eintracht-"Sanierer" an.

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p class="text">Leben sagte auf Anfrage des Sport-Informations-Dienstes (sid): "Wenn Sie mich heute fragen, dann ist die Eintracht derzeit liquide." Präsident Rolf Heller verwies am Donnerstag darauf, "dass wir investiert haben und diese Investitionen jetzt eben verdient werden müssen". Eine Finanzlücke von zehn Millionen Mark dementierte Heller energisch: "Die gibt es nicht." Der Klubchef äußerte sich zuversichtlich, "dass wir unseren Haushalt zum 30. Juni ausgeglichen gestalten werden".

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p class="text">Schatzmeister Leben verwies auf die am 2. Dezember 1999 vorgelegte Jahresbilanz, die eine Unterdeckung von 2,556 Millionen Mark und einen effektiven Verlust von 1,57 Millionen Mark aufwies. Leben: "Es ist kein Geheimnis, dass wir eine angespannte finanzielle Situation haben." Kein Wunder, schließlich investierte der Verein nach dem Klassenerhalt 17 Millionen Mark in neue Spieler, holte für viel Geld Thomas Sobotzik vom 1. FC Kaiserslautern zurück und verpflichtete noch in dieser Woche für rund drei Millionen Mark Torwart Dirk Heinen und Stürmer Thomas Reichenberger vom Ligakonkurrenten Bayer Leverkusen.

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p class="text">Damit erklärte sich das einflussreiche Verwaltungsratsmitglied Ernst Maul trotz der sportlichen Notwendigkeiten augenscheinlich nicht einverstanden und trat wegen Differenzen mit dem Präsidium unter Heller, in Personalunion auch Sportlicher Leiter der Eintracht, am Mittwoch zurück. Das ist ein schwerer Schlag für die Hessen, denn Maul ist Direktor bei der Hausbank (BfG) des deutschen Meisters von 1959 und war ein Garant dafür, dass in schweren Zeiten wie noch 1996 Kredite bewilligt wurden.

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p class="text">Leben ist dazu übergegangen, dass die aktuellen Wirtschaftsdaten, testiert von externen Prüfern, wöchentlich vorgelegt werden und dass Präsidium und Verwaltungsräte jederzeit über die Finanzlage informiert sind. Vor dem Lizenzierungsverfahren des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), das am 15. März beginnt, ist Heller und Leben offenbar nicht bange, obwohl der Schatzmeister zugibt, "dass wir alle Anstrengungen unternehmen müssen" - eine Einschätzung, die Heller teilt.

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p class="text">In einem Gespräch bei DFB-Ligadirektor Wilfried Straub am vergangenen Donnerstag wurde der Eintracht laut Leben "jede Unterstützung zugesagt". Heller: "Vor dem neuen Lizenzierungsverfahren habe ich keine Bedenken, weil unser Konzept überaus schlüssig ist." Dass DFB-Direktor Straub darauf verwies, dass die Eintracht für die Erteilung einer neuen Lizenz Vorgaben erfüllen muss, ist für Heller ein normaler Vorgang, der schließlich nicht nur für die Frankfurter gelte.

Unterstützung will Unternehmensberater Leben am 31. Januar auch bei den Mitgliedern bekommen und für das neue Konzept des Präsidiums werben, das eine grundlegende Moderniersierung des 100 Jahre alten Klubs vorsieht. Mittelfristig will er "wegen der sozialen Verantwortung" die Amateurabteilungen beibehalten, aber aus den gewinnträchtigen Sparten wie dem Bereich Profifußball Gesellschaften machen, "die auch nach solchen Maßstäben geführt werden". Ein "abgespecktes Bayern München" indes will Leben nicht kopieren, hat sich aber zum Ziel gesetzt, die Eintracht zu einer "europäischen Spitzenmarke" zu machen.

(RPO Archiv)
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