Effenberg: Champions League ist das große Ziel: Oliver Kahn: Joschka Fischer sollte ein Beispiel sein

Effenberg: Champions League ist das große Ziel : Oliver Kahn: Joschka Fischer sollte ein Beispiel sein

München (sid). Knapp zwei Wochen vor dem Start der Bundesliga-Rückrunde hat Bayern Münchens Kapitän Stefan Effenberg dem Gewinn der Champions League oberste Priorität eingeräumt. "Das ist das ganz große Ziel - ich merke das bei allen Spielern: Wir sind sehr stark auf diesen Titel fixiert. Als wenn es uns der Doc mit Infusionen mit reinspülen würde", sagte der 32-Jährige im Trainingslager des deutschen Fußball-Meisters im spanischen Marbella in einem tz-Interview.

Allerdings müsse da "einfach alles passen". Die Form müsse stimmen. Die wichtigen Spieler dürften nicht gesperrt oder verletzt sein: "Dann können wir es heuer auch packen." Zuletzt hatte der FC Bayern vor 25 Jahren im wichtigsten europäischen Vereinswettbewerb triumphiert.

Im Kampf um die Titelverteidigung in der Bundesliga sieht der Mittelfeldregisseur die Münchner trotz einer wenig berauschenden Vorrunde im Vorteil: "Da müssen wir uns etwas steigern. Aber wir sind nach wie vor der Favorit." Die Hauptkonkurrenten seien laut "Effe" der derzeitige Tabellenführer Schalke 04, Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen.

Seine sportliche Zukunft bei Bayern über das Vertragsende am 30. Juni 2002 hinaus, hält Effenberg nach wie vor offen. "Wenn der Verein kommt, dann kann man sich unterhalten. Ich biete mich nicht an, das habe ich nicht nötig. Ich werde auch von mir aus nichts machen, das habe ich auch nicht nötig", erklärte er und fügte an: "Ich lasse das jetzt erst mal laufen und schaue, was da kommt."

Allerdings betonte der 32-Jährige, dass es ihm beim FC Bayern Spaß mache: "Der Verein hat auch in Verhandlungsphasen absolute Priorität. Was man hier vorfindet, ist schon absolute Weltklasse - in allem." Effenberg schränkte jedoch ein, noch das ein oder andere im Kopf zu haben, "vielleicht nach England bzw. London zu wechseln". Nur eins sei sicher, er möchte beim FC Bayern anders aufhören als ein Thomas Helmer oder ein Thomas Strunz.

Ganz andere Gedanken machte sich indes Bayern-Keeper Oliver Kahn in einem Interview mit der Tageszeitung Die Welt. Der Nationaltorwart stellte Außenminister Joschka Fischer als positives Beispiel für "unsere Generation" dar. "Zu sehen, überspitzt formuliert, dass man sich auch einmal für gewisse Dinge einsetzt, auch mal auf die Straße geht. Natürlich nicht im radikalen Sinne, wie er es teilweise gemacht hat. Aber schon allein der Gedanke, sich mal gegen etwas zu widersetzen und nicht alles hinzunehmen, allein das ist schon überlegenswert", sagte der 31-Jährige und übte Kritik an der eigenen Generation: "Was machen wir denn? Wir machen gar nichts. Uns gefällt alles."

Außerdem brach der Perfektionist eine Lanze für Menschen, die nicht so erfolgsorientiert seien wie er. Von diesen Menschen profitiere er, meinte Kahn: "Sie zeigen mir, dass man auch anders leben, dass man auch mal loslassen kann. Manchmal ist es für mich beruhigend zu sehen, dass es nicht nur zwanghafte Menschen gibt. In unserer Generation, dieser Wahnsinnstempo- und Erfolgsgeneration, gibt es doch nichts außer Erfolg, Erfolg, Erfolg. Und das soll so toll sein. Ich weiß nicht."

(RPO Archiv)
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