NFL: Wenn im Sport Grenzen überschritten werden wie im Football oder der Bundesliga

Wenn im Sport Grenzen überschritten werden : Verheerende Signale

Es gehört mittlerweile fast zum guten Ton im Sport, dass Grenzen überschritten werden. Der Angriff auf einen Trainer in der Bundesliga, ein Footballer, der einem Quarterback mit dem Helm auf den Kopf schlägt. Die Signalwirkung ist fatal.

American Football ist eine ständige Grenzüberschreitung. Menschliche Körper verwandeln sich in Waffen. Die Ursprünge der Sportart aus der Welt von Krieg und Militär sind bis heute erkennbar. Und vielleicht gerade deshalb wird beim Football penibel darauf geachtet, auch jede noch so kleine Missachtung der Regeln zu bestrafen. Dazu gibt es ungeschriebene Gesetze, die ein Mindestmaß an Sicherheit untereinander garantieren sollen. Dazu gehört, den Quarterback des Gegners nur anzugreifen, um ihm mit dem Spielgerät in der Hand zu Boden zu bringen. In allen anderen Spielsituationen ist der „Offizier“ für die gewöhnlichen Soldaten, um im Militärjargon zu bleiben, absolut tabu. Der Quarterback ist der Regisseur in einem Football-Team, seine Rolle ist deutlich gewichtiger als die des Spielmachers im Fußball.

Man muss dies Wissen, um zu verstehen, wie intensiv, wie treu die eigenen Mitspieler ihren Quarterback verteidigen. Ein Angriff auf ihn ist ein Angriff auf die Mannschaft. In der Partie zwischen den Cleveland Browns und den Pittsburgh Steelers kam es Sekunden vor Ende der Partie zu einem Eklat. Myles Garrett (Browns) hatte Quarterback Mason Rudolph niedergerungen. Noch auf dem Boden griff er ihm an das Gesichtsvisier. Schnell war der Helm vom Kopf gerissen, beide Spieler standen jetzt wieder, und als Rudolph erzürnt auf Garrett zustürmte, holte dieser aus, schlug mit dem Helm zu und traf Rudolph am Kopf. Es grenzte an ein Wunder, dass der Quarterback nicht schwerer verletzt worden ist. Der Übeltäter ist von der NFL mindestens für den Rest der Saison gesperrt worden.

Ein dänischer Eishockey-Profi ist von einem Gericht wegen eines heftigen Schlags gegen einen Gegner zu einer 20-tägigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Das zuständige Gericht in Hjørring im Norden Dänemarks sprach den Stürmer der Frederikshavn White Hawks schuldig, dem Kontrahenten mit der Faust gegen den Kopf geschlagen zu haben, als dieser bereits auf dem Eis lag.

David Abraham hat auch eine Grenze überschritten. Er checkte den Freiburger Christian Streich derart rüde um, dass der Trainer rücklings auf dem Rasen lag. Zweikämpfe im Fußball sind normal. Fouls gehören in einem gewissen Maß als taktisches Mittel zum Spiel. Der Coach gilt auch als unantastbar. Solche Linien zu überschreiten sendet verheerende Signale aus. Für den Spieler an sich kann man zumindest noch ein paar mildernde Umstände finden, Emotionen auf dem Spielfeld lassen einen nicht immer kluge Dinge tun.

Eintracht Frankfurt hätte dem Urteil des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zustimmen können und Abraham wäre bis Ende des Jahres gesperrt gewesen. Die Hessen fanden die Strafe nicht gerecht und haben Einspruch eingelegt. Auch die Freiburger wollen überprüfen lassen, ob man noch etwas raushandeln kann. Angreifer Vincenzo Grifo war Abraham an die Gurgel gegangen. Beide Klubs hätten gut daran getan, die Sache auf sich beruhen zu lassen.

Es gehört fast zum guten Ton im Sport, dass Grenzen überschritten werden. Cleverness? Ist es gar professionell, dem anderen ein Bein zu stellen? Fair Play ist für die allermeisten jedenfalls nicht mal mehr ein Lippenbekenntnis wert.