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WM 2018: Marco Reus und Timo Werner sind die braven Jungs der Flügelzange

Marco Reus und Timo Werner trumpfen auf : Die braven Jungs der Flügelzange

Sowohl Marco Reus als auch Timo Werner überzeugten gegen Schweden. Ihr Tempo und das variable Spiel sollen auch gegen Südkorea Trümpfe sein.

Es ist der Tag der Komplimente auf dem Podium des DFB-Medienzentrums. „Timo Werner über links spielen zu lassen, war ein guter Schachzug“, sagt Marco Reus (29) im Moskauer Vorort Watutinki. „Marco Reus ist ein Weltklassespieler“, sagt Timo Werner (22). Die beiden schnellen Jungs im deutschen Team spielten beim 2:1-Erfolg über Schweden wichtige Rollen. Und sie bekleiden in der abschließenden Partie gegen Südkorea am Mittwoch ebenfalls Schlüsselrollen. Ihr Tempo kann dabei helfen, die Abwehr der Südkoreaner auseinanderzuspielen.

Für derart wesentliche Aufträge nimmt Werner auch die zeitweise Versetzung aus der Position der einzigen Spitze auf den linken Flügel gern hin. „Ich bin ja eigentlich Stürmer“, erklärt er, „aber gegen tiefstehende Gegner ist es vielleicht leichter, von außen mit Tempo auf die Gegenspieler zuzukommen.“ Gegen die Schweden fielen beide Tore nach Angriffen, die dem Muster „Werner läuft der Abwehr davon“ folgten. Das erste legte er für Reus nach einem Solo über den Flügel bis zur Grundlinie auf, vor dem zweiten wurde er gefoult. Aus dem Freistoß machte Kroos ein Kunstwerk. „Wir waren fast ausgeschieden“, sagt Werner, „das Gefühl nach so einem Tor ist Wahnsinn. Beim Jubeln konnte ich gar nicht mitmachen, ich bin vor Ermüdung und Freude zusammengeklappt. Der Schiedsrichter musste mir sagen, dass es noch eine Minute gibt. Die haben wir dann auch überstanden.“ Das Glück leuchtet noch in Werners Augen.

Man muss sich Werner in diesen Tagen ohnehin als glücklichen Menschen vorstellen. „Das Gefühl, bei einer WM ins Stadion einzulaufen, ist mit keinem Geld der Welt zu bezahlen“, beteuert er. Und er strahlt. Das Gefühl will er weiter genießen – „am liebsten noch fünfmal“, wie er sagt. Das wäre bis zum letzten WM-Wochenende. So weit ist es aber noch lange nicht. Deswegen schauen Reus und Werner zunächst zum Spiel gegen Südkorea. Reus als der vergleichsweise ältere Herr mit größerer Vorsicht. „Das wird ein sehr schwieriges Spiel“, erklärt der 29-Jährige, „aber ich bin sicher, dass wir einen Plan vom Bundestrainer vorgelegt bekommen.“ Der 22-jährige Werner betont, „dass es keine Mannschaft bei der WM gibt, die nicht auf internationalem Niveau verteidigen kann. Aber wir sollten nicht so sehr auf den Gegner schauen, sondern eher auf uns“.

Und da sind beide überzeugt von einem positiven Ausgang. „Wir werden Energie und Leidenschaft auf den Platz bringen. Dann. wird es schwer für Südkorea“, stellt Reus fest. Das glaubt auch Werner. Beide fügen sich bereitwillig in die Rolle, die der DFB für seine artigen Nationalspieler vorsieht. Sie sagen wohlerzogene Dinge. „Wir sind ein Team“, erklärt Reus, „und unser Ziel ist, Südkorea zu schlagen. Ich bin froh, wenn ich der Mannschaft helfen kann, Erfolg zu haben. Aber wir haben 23 Spieler mit einer Riesenqualität.“ Werner versichert: „Jeder hat seine Stärken, jeder hat es verdient zu spielen.“

Natürlich gehen beide davon aus, gegen die Südkoreaner in der Startelf zu stehen. Und man hört gut heraus, dass sie sich einen Angriff mit dem erklärten Strafraumstürmer Mario Gomez in der Mitte prima vorstellen können. Sie preisen seine menschlichen Tugenden. Werner sagt: „Ich erfahre von ihm viel Unterstützung. Er hat mir und allen anderen Mut zugesprochen.“ Reus verweist auch auf seine sportliche Bedeutung. „Gomez hat eine große Präsenz im Strafraum“, sagt er. Die half beim Ausgleich gegen die Schweden, als Gomez Reus den Weg frei machte. Und sie könnte auch gegen Korea Wirkung haben.

Mindestens ebenso bedeutsam wird ein variables Angriffsspiel sein. Reus: „Es ist wichtig, dass immer alle Angriffspositionen besetzt sind, aber jeder von uns ist frei.“ Die Freiheit der Angriffsspieler, sich auf den Positionen abzuwechseln, soll den Gegner beschäftigen und im besten Fall schwindlig machen. Werner bringt dafür sein Talent zum geradlinigen Sprint mit. Reus hat ein großes Gefühl für den Raum und die sogenannten „tiefen Läufe“, von denen Trainer Joachim Löw immer spricht.

Damit ein Spieler nach jenen tiefen Läufen auch den Ball bekommt, muss das Team andere Spieler haben, die den tiefen Pass spielen können. Kroos kann das. Mesut Özil kann es ebenfalls. Kroos ist sicher weiter dabei, bei Özil gibt es Zweifel nach seiner ersten Versetzung auf die Reservebank in einem großen Turnier seit der WM 2010 in Südafrika. Zweifel an seiner Teamfähigkeit, die nach einem lustlosen Aufwärmprogramm vor der Begegnung mit Schweden aufkamen, versucht Reus auszuräumen. In den sozialen Netzwerken kursiert ein Kabinenfoto, das Reus und Özil zeigt und das Özil mit dem Satz „wir sind ein Team“ unterschrieben hat. „Mesut war das wichtig“, erklärt Reus, „und er ist ein extrem wichtiger Spieler für uns.“ Auch auf der Bank?