WM 2018: Manuel Neuer zerstreut letzte Zweifel an seiner Fitness

„Ich halte den Belastungen stand“: Neuer zerstreut letzte Zweifel an seiner Fitness

Nachdem die letzten Zweifel an seiner WM-Teilnahme ausgeräumt waren, redete Kapitän Manuel Neuer über schwierige Monate und seine Ziele.

Manuel Neuer nahm einen tiefen Schluck aus der Wasserflasche, dann verließ der Nationalmannschaftskapitän unter dem Blitzlichtgewitter der Fotografen völlig entspannt das Pressezelt in der Sportzone Rungg. Souverän und selbstbewusst hatte die deutsche Nummer eins zuvor ihren ersten medienöffentlichen Auftritt im WM-Trainingslager gemeistert. Neuers klare Botschaft: Ich bin bereit, Zweifel sind verboten.

Im grünen DFB-Shirt und mit kurzer Hose betrat Neuer mit einem Lächeln das Podium, ließ den Blick durch den Raum schweifen und wischte dann auch die letzten Bedenken beiseite: "Ich bin fest davon überzeugt, dass ich den Belastungen bei einem Turnier standhalte. Daher will ich so viele Spiele wie möglich machen."

Erinnerungen an 2014 waren ein Antrieb für Neuer

Seine längere Verletzungshistorie? Egal. Die 259 Tage ohne Einsatz? Vergessen. Der 32 Jahre alte Torhüter des deutschen Meisters Bayern München ist heiß auf seine dritte WM-Teilnahme. "Diese Bilder hat man im Kopf. Das war mein Antrieb", sagte der Weltmeister von 2014 in Erinnerung an die vergangenen Turniere.

Nach seinem erneuten Mittelfußbruch im September hatte sich Neuers Comeback immer wieder verzögert, der Druck auf den Schlussmann und auch auf Bundestrainer Joachim Löw nahm zu. Er sei aber immer sehr positiv gewesen und habe das Gefühl gehabt, dass er es schaffen könne und werde, betonte Neuer in Eppan.

Die letzten Zweifel wurden mit seiner guten Leistung beim Länderspiel am vergangenen Samstag in Österreich (1:2) und einer abschließenden MRT-Untersuchung am Sonntag in München ausgeräumt. Es sei ein letztes Gefühl der Sicherheit für alle Beteiligten gewesen, so Neuer: "Ich war sehr glücklich, als ich ein positives Bild gesehen habe."

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Nach seiner Rückkehr nach Südtirol versicherte der Schlussmann, unvorbelastet in das erste Spiel gegen Mexiko (17. Juni) zu gehen: "Darüber mache ich mir keine Gedanken. Das Risiko ist wie bei jedem anderen Spieler auch."

Davon ist auch Joachim Löw überzeugt. Der Bundestrainer führte am Sonntagabend in der Fünf-Sterne-Herberge Weinegg noch einmal ein abschließendes Gespräch mit Neuer. "Es war ein Prozess, der über 14 Tage ging. Er hat bestätigt, dass er sich zu hundert Prozent fit fühlt", sagte Löw, der schon vor über einer Woche erklärt hatte, dass er Neuer nur als Nummer eins nach Russland mitnehmen werde.

Reha war eine „lange, harte, aber auch schöne Zeit“

Für Neuer haben sich die Quälerei und die vielen einsamen Stunden in der Reha gelohnt. "Es war eine sehr lange und harte Zeit, aber auch eine sehr schöne Zeit", sagte Neuer und bedankte sich bei "allen Beteiligten, die mich begleitet haben". Wichtig sei für ihn auch ein ehrliches Feedback des Trainerteams und der Mitspieler gewesen.

Marc-Andre ter Stegen rückt hinter Platzhirsch Neuer wieder ins zweite Glied. "Jeder Spieler will natürlich spielen. Er hat eine gute Saison beim FC Barcelona gespielt und ist eine Stütze unserer Mannschaft. Zwischen uns findet tagtäglich ein Austausch statt", sagte der Münchner.

Neuer übernahm auch außerhalb des Platzes sofort wieder die Aufgaben eines Kapitäns. Mit den von Löw für die WM aussortierten Spielern führte er kurze Gespräche. "Auch für uns Mitspieler ist es bitter, die Jungs abreisen zu sehen", sagte Neuer. Für ihn aber heißt es nun: Moskau statt München.

(SID)
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