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WM 2018: DFB-Spieler Sami Khedira: „Wir müssen elf Krieger sein“

Khedira spricht Klartext : „Wir müssen elf Krieger sein“

Nach der Krisensitzung am Dienstag scheinen die DFB-Kicker eine gemeinsame Sprachregelung gefunden zu haben. Sie versichern, dass sie um die Bedeutung des Schweden-Spiels wissen.

Niemand weiß, wie lange die Athleten tapfer um eine gemeinsame Sprachregelung gerungen haben, ob es laut dabei zuging oder gesittet, oder ob die Trainer den Vorsitz führten bei der Aussprache des deutschen WM-Teams im dunklen Wald von Watutinki. Aber gefunden haben sie die gemeinsame Sprachregelung vor dem zweiten Gruppenspiel gegen die Schweden am Samstag auf jeden Fall. Am Donnerstag sagte Mario Gomez (32) auf dem Trainingsplatz in Sotschi: "Jeder weiß, worauf es jetzt ankommt. Wir müssen jedes Spiel gewinnen. Und wir wissen, dass wir es besser können." Klassensprecher Mats Hummels (29) erklärte: "Wir wissen, dass wir es viel besser können." Und Sami Khedira (31) versicherte: "Wir haben die Qualität." Dann ist's ja gut.

Khedira schaute gar ein bisschen reumütig auf seine Vorstellung im Auftaktspiel gegen Mexiko zurück. "Ich weiß, dass ich kein gutes Spiel gemacht habe", räumte er ein. Aber natürlich machte er sich nicht allein verantwortlich für die 0:1-Niederlage. "Das hat auch mannschaftstaktische Gründe gehabt", urteilte der Mittelfeldspieler. Darüber, das versicherte er, sei ausgiebig geredet worden. Ein Ergebnis: "Wir müssen die Defensive immer im Kopf haben." Das ist wichtige Erkenntnis für einen, der seine Position im zentralen hinteren Mittelfeld gegen die Mexikaner offenbar gründlich missverstanden hatte und auf dem ganzen Platz unterwegs war.

Khedira hält das für ein Abstimmungsproblem. "Wir müssen als Mannschaft mehr kommunizieren", sagte er. Ob ihn zeitige Zurufe der Kollegen von seinen bedenkenlosen Sturmläufen abgehalten hätten, ist damit noch nicht heraus. Immerhin aber vertritt er ebenfalls die Meinung seiner Mitspieler, "dass wir zu fahrlässig gespielt haben und in allen Mannschaftsteilen kompakter auftreten müssen".

Selbstverständlich will Khedira jedoch nicht in den Chor derer miteinstimmen, die nicht nur die Einstellung oder die Taktik, sondern auch die Aufstellung geändert sehen wollen. "Es geht hier nicht ums Personal", urteilte der 31-Jährige, der sich seit jeher für einen gesetzten Stammspieler hält.

Schließlich war er der unumstrittene Anführer der U21-Mannschaft, die 2009 Europameister wurde und deren Stamm fünf Jahre später in Rio die Weltmeisterschaft gewann. Wenn Khedira Lothar Matthäus wäre, würde er sagen: "Einen Sami Khedira setzt man nicht auf die Bank." Eine Vielzahl der 80 Millionen Bundestrainer in Deutschland würde da nach der Leistung gegen Mexiko laut widersprechen. Der eine Bundestrainer, der sich mit der DFB-Auswahl in Sotschi auf das erste von zwei Gruppenendspielen vorbereitet, stimmt vielleicht eher dem Spieler zu. Denn Löw fühlt sich den Spielern verpflichtet, mit denen er schon lange zusammenarbeitet.

Das ist auch Hummels geläufig, der 2010 beim 3:0 gegen Malta in Aachen sein erstes Länderspiel machte. "Der Bundestrainer weiß, dass er sich auf seine Spieler verlassen kann", betonte der Verteidiger. Deshalb kehre nach dem Rückschlag gegen die Mexikaner nun "die feste Überzeugung zurück".

In grundsätzlichen Taktikfragen sind sich die Akteure ebenfalls einig. "Wir müssen mehr Spieler in den Sechzehner bekommen", stellte Hummels fest. "Wir müssen intelligenter nach vorn spielen", sagte Khedira. "Wir müssen klaren Kopf behalten", erklärte Gomez. Alt genug, den eigenen Vorgaben zu folgen, sind die Jungs ja.

Weil in Deutschland heftigst über die Einstellung zum WM-Turnier diskutiert wird, und weil die Spieler das selbstverständlich mitbekommen, hat Khedira noch einen sehr eindrucksvollen Auftrag an alle. "Wir müssen wieder elf Krieger auf dem Platz sein", sagte er. Wann das zum letzten Mal der Fall war, ließ er offen.