Thilo Kehrer startet im DFB-Team durch Dank Mbappe, Neymar und Co. eine feste Größe

Leipzig · Nach seinem Wechsel von Schalke nach Paris kehrt Thilo Kehrer für das Länderspiel gegen die Niederlande zurück nach Gelsenkirchen. Das Training mit Mbappe und Co. hat ihn zu einem besseren Spieler gemacht.

Nicht einmal vor Superstar Kylian Mbappe kuscht Thilo Kehrer. Als er vom französischen Weltmeister nach der Niederlage in der Nations League im Training von Paris St. Germain ein bisschen gefoppt wurde, "habe ich ihm eine kleine Warnung hinterlassen, dass er im Training die Füße lieber hochziehen soll", verriet der deutsche Nationalspieler.

Vielleicht vermied es Mbappe aus diesem Grund, seinem Klubkollegen nach dem deutschen Abstieg aus der Nations League eine hämische Nachricht aufs Handy zu schicken. In jedem Fall hat sich Kehrer nach schwierigen Anfangswochen in Paris mittlerweile großen Respekt erarbeitet. Seinen Wechsel von Schalke 04 zum Weltklub PSG bereut der 22-Jährige nicht. Das erleichtert ihm seine Rückkehr für das letzte Länderspiel des verkorksten WM-Jahres am Montag (20.45 Uhr/ARD) in Gelsenkirchen gegen die Niederlande.

Er fühle eine "sehr große Vorfreude", denn Schalke war sieben Jahre sein Zuhause. "Ich bin mit 15 Jahren gekommen, habe im Stadion alle Facetten erlebt: Als Balljunge, als Zuschauer, als Profi auf dem Platz", sagte der Defensiv-Allrounder: "Ich habe sehr viele schöne Erinnerungen an das Stadion, den Verein und die Leute."

Im Sommer kam es aber zur überraschenden Trennung. PSG mit Trainer Thomas Tuchel überwies 37 Millionen Euro Ablöse und stockte das Gehalt Spielers kräftig auf. Alle Seiten profitierten von dem Deal, vor allem Kehrer selbst. Nach dem Wechsel wurde er ins Nationalteam berufen, dort ist er nach nur drei Länderspielen bereits auf dem Weg zum Stammspieler. Der schnelle, zweikampfstarke und variabel einsetzbare Verteidiger ist ein Gesicht des Neuaufbaus im DFB-Team. Während Jerome Boateng, den Paris nach dem Kehrer-Kauf nicht mehr verpflichtete, von Löw vorerst aussortiert wurde.

Das tägliche Kräftemessen mit Mbappe, Neymar oder auch Julian Draxler haben Kehrer zu einem besseren Spieler gemacht. "Da spielen jeden Tag im Training Weltklasseleute mit mir und gegen mich. Da habe ich mich in den ersten Wochen anpassen und viel lernen müssen", sagte Kehrer. Die Unsicherheit führte bei seinem Ligadebüt dazu, dass er einen Elfmeter verschuldete und sich anschließend auf der Bank wiederfand.

Mittlerweile fühle er sich aber "immer wohler mit dem Niveau, mit der Mannschaft und dem Spielstil des Trainers". Tuchel gibt ihm jetzt deutlich mehr Einsatzzeit. Zehn Ligaspiele und drei Partien in der Champions League sind keine schlechte Zwischenbilanz für einen, den in Frankreich noch unmittelbar nach der Verpflichtung kaum jemand kannte.

Hilfreich für die Integration war Nationalmannschafts-Kollege Draxler, der wegen eines Trauerfalls in der Familie auch gegen die Niederlande nicht spielen kann. "Er ist ein sehr lieber Mensch", sagt Kehrer über den Ex-Schalker: "Ich weiß, ich kann immer zu ihm kommen, wenn ich mal etwas nicht ganz verstehe."

Solche Situationen kommen aber immer seltener vor. Kehrer hat seinen Platz im Starensemble von PSG gefunden - genau wie in der Nationalmannschaft. "Ich möchte der Mannschaft mit meinen Qualitäten so viel geben wie ich kann", sagt er. Dazu zählen Schnelligkeit und Dynamik, aber eben auch mentale Stärke. Kylian Mbappe kann das bezeugen.

(pabie/sid)
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