Test-Länderspiel: Deutschland und Argentinien trennen sich 2:2

2:2 im Testspiel : Deutschland verspielt Zwei-Tore-Führung gegen Argentinien

Eine ersatzgeschwächte deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat nach einer lange ordentlichen Vorstellung im Testspiel gegen Argentinien den Sieg noch aus der Hand gegeben. Am Ende war das Unentschieden für die Argentinier aber verdient.

Wer weiß, wie die Wochenplanung von Robin Koch am vergangenen Sonntag ausgesehen hat. Vielleicht hat er sich mit Freiburger Kumpels für den Mittwochabend zum Fußball gucken verabredet, vielleicht wollte er das Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Argentinien gemütlich von der Couch verfolgen. Dann kam der Montagabend und ein Anruf von Bundestrainer Joachim Löw. Statt daheim in Freiburg stand Koch plötzlich im Kader der DFB-Auswahl. Und weil sich Niklas Stark aus Berlin mit einer Magen-Darm-Krankheit kurz vor dem Anpfiff abmelden musste, erlebte Koch in Dortmund auf Anhieb sein erstes Länderspiel. Große Nervosität war nicht festzustellen, Koch trug als mittlerer Innenverteidiger einer Dreierkette zu einer lange sehr ordentlichen Vorstellung der zusammengewürfelten Mannschaft bei. Sie musste sich trotz einer 2:0-Führung mit einem 2:2 begnügen.

Die bemerkenswerte Flut an Absagen verletzter oder erkrankter Spieler aus der ersten Reihe zwang Löw zu ungewöhnlichen Aufstellung. Neben Koch machte dessen Freiburger Teamkollege Luca Waldschmidt ebenfalls das erste Länderspiel, viel Erfahrung stand nicht auf dem Rasen.

Dennoch dauerte es nicht lange, bis die deutsche Mannschaft erste positive Akzente setzte. Sie kam immer wieder mit schnellen Angriffen durch die Mitte oder über die Flügel. Joshua Kimmich und Kai Havertz bestimmten dabei den Rhythmus. Bei beiden deutschen Toren in der ersten Halbzeit hatte dann der Leipziger Außenverteidiger Lukas Klostermann die Füße im Spiel. Seinen Flachpass veredelte der extrem selbstsicher auftretende Serge Gnabry mit einem kleinen Mittelstürmer-Kunstwerk zwischen Grundlinie und Tor zum 1:0. Und seine Vorarbeit nach einem schulmäßigen Konter erweiterte Gnabry mit einem trockenen Querpass auf den heranrauschenden Havertz, der mit dem Ball ins Tor rutschte.

Das Publikum im sehr übersichtlich besetzten ehemaligen Westfalenstadion staunte ebenso wie der Gast, der zwar ebenfalls nicht seine beste Mannschaft an den Start bringen konnte, der aber nicht so viel Schwung der Deutschen erwartet hatte. Löws Team nahm seinerseits den Raum, den die zunächst nicht so sehr an Verteidigung interessierten Argentinier im zentralen Mittelfeld und zwischen den vielzitierten Linien anbot, gern an und kombinierte sich manchmal sehenswert vors Tor. Beeindruckend dabei war die Leichtigkeit, mit der vor allem Havertz die Angriffe einleitete. Das vielleicht größte Talent im deutschen Fußball nutzte seine Chance in der Startelf.

Marc-André ter Stegen bekam erst spät richtig zu tun, und es gelang ihm nicht oft sein großes Können unter Beweis zu stellen. Die Argentinier verschonten ihn lange mit gefährlichen Aktionen, sie machten erst nach einer Stunde Ernst. Das hatte auch mit einer anfangs verblüffend gut abgestimmten Abwehrarbeit der gesamten Mannschaft zu tun. Die Dreierkette mit Neuling Koch, Emre Can und Niklas Süle ließ sich eine Stunde fast überhaupt nicht ärgern, und der Aufbau der Südamerikaner scheiterte sehr oft schon im Ansatz in einem dichten deutschen Mittelfeld.

Can fand sogar Zeit zu bemerkenswerten Ausflügen in die andere Spielhälfte. Ein langer Lauf im 400-Meter-Tempo begeisterte die Zuschauer in der ersten Halbzeit, einen Konter in der zweiten Hälfte schloss er nach präzisem Pass von Havertz sogar ab, der argentinische Torwar Agustin Marchesín verhinderte einen Torerfolg. Das war nach knapp einer Stunde, und der große Schwung im deutschen Spiel war ein wenig dahin.

Es passte ins Bild, dass der zuvor sehr zurückhaltende Gast zum Anschluss kam. Lucas Alario von Bayer Leverkusen traf nach einer sehr genauen Flanke von Marcus Acuna, die von der deutschen Abwehr nicht verhindert wurde. Dieser Treffer zum 2:1 zeigte Wirkung bei der jungen deutschen Mannschaft. Sie geriet gelegentlich nach Abspielfehlern schön unter Druck, und sie schaffte es nicht mehr so selbstverständlich, die Räume im Mittelfeld zu schließen. Darüber hinaus liefen die Konter nicht mehr so flüssig wie noch in der ersten Halbzeit. Erstaunlich, dass einige der Patzer in dieser Phase den erfahrenen ter Stegen (bei Abstößen) und Kimmich im Aufbau unterliefen. Aus einem der Ballverluste im Mittelfeld (Debütant Suat Serdar) resultierte der verdiente Ausgleich nach einer Einzelleistung von Lucas Ocampos. Es bleibt also doch noch einiges zu tun.

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(pet)
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