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Skurrile Lage bei Nationalelf vor WM-Quali: Premier-League-Profis vom DFB-Team isoliert

Skurrile Lage bei DFB-Elf : Sitzen fünf „Engländer“ am Katzentisch

Ilkay Gündogan, Timo Werner, Kai Havertz, Antonio Rüdiger und Bernd Leno bewegen sich bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in einer Blase in der Blase. Die fünf „Engländer“ werden vom Rest des Teams weitestgehend isoliert. Die Lage ist skurril.

Die Blase in der Blase umhüllte die deutsche England-Fraktion schon bei der Anreise. Einem schwarzen DFB-Van entstieg vor dem Vier-Sterne-Hotel in Düsseldorf ein gut gelauntes Quintett Maskenträger aus der Premier League: Ilkay Gündogan, Timo Werner, Kai Havertz, Antonio Rüdiger und Bernd Leno – jene fünf Nationalspieler, die zwar mit ihren Kollegen trainieren und spielen dürfen, sich aber beim Essen und der Physiotherapie von ihnen fernhalten müssen.

Es ist eine absurde Situation. „Die UK-Spieler haben einen gesonderten Tisch im Hotel, wir stehen da bei den Mahlzeiten nicht in Kontakt“, sagte Kapitän Manuel Neuer am Dienstag und sprach lachend über die große Gruppe jener, „die das europäische Festland bewohnen“.

Der Deutsche Fußball-Bund könnte seine „Engländer“ behandeln wie alle anderen Spieler, das betonte DFB-Direktor Oliver Bierhoff. Schließlich ist die Anweisung zur „Arbeitsquarantäne“ aufgehoben, weil Großbritannien von der Bundesregierung nicht mehr als Virusvarianten-Gebiet eingestuft wird. Aber, sagte Bierhoff: „Wir wollen kein Risiko eingehen. Wir werden strengere Regeln von unserer Seite ansetzen.“

Der deutsche Fußball wird angesichts der politischen Entscheidungen vom Dienstagmorgen und dem Oster-Lockdown ohnehin noch mehr in Erklärungsnot geraten. Warum wird gespielt? Warum können sich Personen aus 26 Haushalten zusammenfinden, um dann gemeinsam nach Rumänien zu reisen, wo die Inzidenz bei 200 liegt? „Wir in unserer Blase bekommen das hin“, versicherte Neuer.

In dieser Lage ist es das richtige Zeichen, freiwillig härtere Maßstäbe anzulegen. Gündogan wird das verstehen: Er hat immer wieder eindrücklich von seiner Corona-Erkrankung erzählt, von den schweren Symptomen und seinem weinenden Großvater. Auch Havertz hatte Covid-19.

In Düsseldorf, Duisburg und Bukarest müssen sich beide weitgehend von der Mannschaft isolieren. Kein Physiotherapeut, der einen aus der Fünfergruppe behandelt, wird vorher oder nachher einen der anderen Spieler massieren. Erlaubt ist hingegen die Teilnahme an allen Besprechungen. „Uns freut natürlich, dass wir auch auf diese Spieler zurückgreifen können“, sagte Bundestrainer Joachim Löw.

  • Timo Werner (l) und Kai Havertz
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  • Ilkay Gündogan (r) von Manchester City
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Wie sich die Vorsicht damit verträgt, gemeinsam Zweikämpfe zu trainieren oder mit den Fußball-Blasen anderer Nationen auf dem Platz zu stehen, ist eines der Mysterien der Coronakrise. Der Fußball: Er zieht durch. „Die Bürger wollen nicht, dass mit zweierlei Maß gemessen wird, nur weil es um Millioneneinnahmen durch Fernsehübertragungen geht“, hat der SPD-Politiker und Epidemiologe Karl Lauterbach darüber zuletzt gesagt.

Auch Ilkay Gündogan stößt an Grenzen des Verständnisses für die Sonderrolle seines Sports. Unmittelbar vor der Europameisterschaft sei die Lage „schon fast verrückt“, sagte er als Gast des ARD-Talks Maischberger. „Es sind weniger als drei Monate, bis das erste Spiel stattfindet – und man weiß noch nicht, wo.“ Eine Austragung an zwölf Spielorten in zwölf Ländern kann er sich „nicht vorstellen“.

Gleichwohl begibt er sich mit Werner, Havertz, Rüdiger und Leno in die „Bubble in der Bubble“, und das ohne allzu schlechtes Gefühl: „Es liegt nicht in meiner Hand. Wenn ich kann, dann reise ich sehr gerne an.“

(ala/SID)