Niklas Süle gibt sich nach Niederlage des DFB-Teams selbstkritisch

DFB-Abwehrchef nach 2:4 gefrustet : Süle findet nach Niederlage deutliche Worte

Es ist die erste Delle im bislang so erfolgreichen Aufbaujahr 2019. Gegen die Niederlande kassiert das DFB-Team eine bittere Niederlage. Vor allem die Defensive offenbart große Schwächen. Kapitän Manuel Neuer und Niklas Süle üben Kritik.

Nach dem ernüchternden Start in die EM-Saison sieht sich Joachim Löw besonders als Seelentröster gefragt. „Toni Kroos, Manuel Neuer, Ilkay Gündogan, die haben das schon mal erlebt, dass man so ein Spiel verliert. Die jungen Spieler muss man ein bisschen aufrichten“, sagte der Bundestrainer nach dem bitteren 2:4 (1:0) der deutschen Nationalmannschaft in der EM-Qualifikation gegen die Niederlande.

„Man muss den Spielern jetzt wieder das Gefühl geben, dass sie es können“, sagte Löw am Freitagabend in Hamburg und versprach eine schnelle Besserung schon beim kniffligen Auswärtsspiel in Nordirland. „Da werden wir am Montag, da bin ich mir sicher, eine Reaktion zeigen.“

Vier Gegentreffer in einem Heimspiel, dazu alle (!) in einer Halbzeit - Kapitän Maniel Neuer konnte sich nicht erinnern, so etwas im DFB-Dress schon einmal erlebt zu haben. Hat er aber: Beim legendären 4:4 am 16. Oktober 2012 in Berlin gegen Schweden, als die deutsche Elf ein 4:0 verspielte. Gegen Oranje kassierten Löws Youngster in zwei Qualispielen stolze sechs Tore - beim Abstieg aus der Nations League vor dem Umbruch waren es fünf. Vier Tore sind einfach viel zu viel, unsere Defensive sah als Verbund nicht gut aus“, monierte Neuer.

Und auch Abwehrchef Niklas Süle fand nach der Niederlage deutliche Worte - und gab sich selbstkritisch. „Ab dem 1:1 haben wir die Kontrolle komplett verloren und Holland zum Toreschießen eingeladen, das darf so nicht passieren. Wir sind nur hinterhergelaufen“, sagte der Profi von Bayern München: „Wir wurden zurecht viel gelobt, aber das war ein schlechtes Spiel.“

Mit mangelnder Erfahrung der verjüngten DFB-Auswahl habe dies aber „nichts zu tun“ gehabt, betonte der 24-Jährige, der mit Matthias Ginter (25) und Jonathan Tah (23) in einer Dreierkette verteidigte. Allerdings kritisierte Süle die Taktik: „Mir war das ein bisschen zu wenig Ballbesitz. Das ständige Verschieben hat Kraft gekostet.“ Diese habe dann beim Verteidigen in letzter Linie gefehlt. „Wir brauchen Ballbesitz, um uns zu erholen", meinte Süle.

Grundsätzlich hielt er fest: „Wir müssen viele Dinge besser machen.“ Niederlagen wie gegen Oranje könnten im Prozess des Umbruchs aber passieren. „Wir sind eine junge Truppe. Es war nicht alles schlecht, das soll nicht so negativ rüberkommen. Aber wir müssen die Fehler ansprechen, damit es besser wird.“

Für die Analyse der Fehler gegen Oranje hat Löw allerdings kaum Zeit. Ein weiterer Patzer im Windsor Park von Belfast könnte die DFB-Auswahl von dem schon sicher eingeschlagenen Weg Richtung EM-Endrunde 2020 abbringen. Über generelle Defizite wollte Löw nach dem erneuten Kontrollverlust in der zweiten Halbzeit nicht reden. „Qualitätsmängel haben wir keine. Das stellen die Spieler Woche für Woche unter Beweis“, verteidigte Löw auch seine Abwehrreihe um den indisponierten Tah und den mehrfach unsicheren ´Ginter.

Im viel diskutierten Reifeprozess attestierte der Bundestrainer dem großen Rivalen weiter einen Vorsprung. Der kam im Volksparkstadion anders als noch beim deutschen 3:2-Coup in März in Amsterdam entscheidend zum Tragen. „Man hat schon gemerkt, dass die Holländer in der Formation schon länger zusammenspielen. Sie wirkten in diesem Spiel heute eingespielter als wir. Wir mussten auch einige Spieler ersetzen, und da haben wir gemerkt, dass manche Dinge nicht so funktioniert haben“, sagte Löw.

Viel zu leicht wurden die Gegentore hergeschenkt. Frenkie de Jong (59.), ein Eigentor des tapsigen Tah (66.) Donyell Malen (79.) und Georginio Wijnaldum (90.+1) besiegelten den späten K.o. Erstmals seit Oktober 2015 und 14 Siegen nacheinander verlor Deutschland wieder ein Qualifikationsspiel für ein großes Turnier. Daran konnten auch die Treffer Serge Gnabry (9.) und Toni Kroos (72./Handelfmeter) nichts ändern.

Bayern-Profi Joshua Kimmich erinnerte in seiner ehrlichen Analyse an die vergangenen beiden Spiele gegen Oranje. „Es hat uns schon gezeigt, dass wir da noch nicht reif genug sind. Es war nicht das erste Mal, dass wir eine Führung hergegeben haben. Es ist kein Zufall mehr, wenn man dreimal eine Führung hergibt“, sagte der agile Kimmich.

Hier geht es zur Bilderstrecke: So berichten die Medien über die 2:4-Niederlage des DFB-Teams

(dpa/old)
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