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Nationalmannschaft: Jamal Musiala hat sich für Deutschland entschieden

17 Jahre altes Bayern-Talent : Musiala hat sich für Deutschland entschieden

Bundestrainer Joachim Löw darf sich über die Zusage eines Nachwuchstalents freuen. Bayern Münchens Jamal Musiala, der für England und Deutschland spielberechtigt wäre, hat sich für die DFB-Elf entschieden.

Bayern Münchens umworbenes Ausnahmetalent Jamal Musiala hat in nur wenigen Stunden zwei dicke Ausrufezeichen gesetzt. "Ich habe ein Herz für Deutschland und ein Herz für England. Beide Herzen werden auch weiterhin schlagen. Ich habe sehr viel über diese Frage nachgedacht. Am Ende habe ich auf mein Gefühl gehört, dass es die richtige Entscheidung ist, für Deutschland zu spielen", sagte der erst 17-Jährige am Mittwoch.

Sehr zur Freude von Löw. Er sehe "ein riesiges Potenzial in ihm. Für sein Land spielen zu dürfen, muss für jeden Nationalspieler eine Herzensangelegenheit sein", sagte der Bundestrainer. DFB-Direktor Oliver Bierhoff zeigte sich "überzeugt, dass er seinen Weg erfolgreich gehen wird". Es sei zudem "ein gutes Signal für die Zukunft des deutschen Fußballs, wenn sich ein Toptalent wie Jamal Musiala für Deutschland entscheidet".

Löw hatte seit Wochen um den hoch veranlagten Mittelfeldspieler geworben und wird ihn zum "besseren Kennenlernen" schon für die WM-Qualifikationsspiele Ende März einladen. Auch die Three Lions machten Druck. Doch der Bundestrainer habe ihm, betonte Musiala, "einen sehr klaren Weg aufgezeigt".

Dennoch sei es "keine ganz so einfache Entscheidung gewesen". Sie habe "Zeit gebraucht zu entstehen", sagte Musiala, der acht Jahre in der Jugend beim FC Chelsea spielte, bei Sportschau.de: "Und diese Entscheidung fühlt sich nun auch 100 Prozent richtig an."

Von dieser großen Last befreit, avancierte das Bayern-Juwel beim beeindruckenden 4:1 (3:0) des Rekordmeisters bei Lazio Rom mit seinem Treffer zum 2:0 zum jüngsten deutschen Torschützen in der Champions League. "Das Tor zeichnet ihn aus. Er ist sehr ballsicher und hat ein gutes Gespür für die Räume", lobte Trainer Hansi Flick den 17-Jährigen nach der Machtdemonstration des Titelverteidigers im Achtelfinal-Hinspiel der Königsklasse.

Nach einem Durchhänger und Kritik durch Flick zeigte Musiala, der bisher zwei Länderspiele für Deutschlands U16 sowie 23 für die englischen Junioren absolviert hat, im Stadio Olimpico gegen ein überfordertes Lazio, warum er so begehrt ist.

Zuletzt hatten sich sogar gestandene Kollegen wie Manuel Neuer, Joshua Kimmich oder Leon Goretzka öffentlich für den Offensivspieler stark gemacht. Das, unterstrich Musiala, habe ihn "sehr beeindruckt".

Aktuell besitzt Musiala, der in Stuttgart geboren ist und 2019 aus London zu den Bayern kam, noch einen Ausbildungsvertrag beim Triple-Sieger. An seinem 18. Geburtstag am Freitag soll er dann aber einen Fünfjahresvertrag bis 2026 unterschreiben, natürlich zu stark erhöhten Bezügen.

Flick freute in Rom allerdings nicht nur die Leistung von Musiala. "Grundsätzlich hat jeder die Erwartungen erfüllt. Jeder hat den Willen gehabt, von Anfang an etwas Besonderes zu leisten. Wir sind dem Viertelfinale einen Riesenschritt näher gekommen", sagte er vor dem Rückspiel gegen Lazio am 17. März stolz.

Die "FC-Bayern-Show" (Gazzetta dello Sport) tat dem angeschlagenen Titelverteidiger nach den Problemen der vergangenen Wochen gut. Die Lage bei den Bayern, die laut Tuttosport wie ein "Orkan über Lazio hinwegfegten", war nicht nur wegen diverser Corona-Fälle unruhig gewesen.

Nach dem Triumph bei der Klub-WM steckten die Münchner auch im Liga-Tief. Nach einem 3:3 gegen Bielefeld und einem 1:2 in Frankfurt beträgt der Vorsprung auf Leipzig nur noch zwei Punkte.

Doch einen Ausblick in Richtung Köln-Spiel am Samstag (15.30 Uhr/Sky) und eine Woche später zum Gipfel gegen Dortmund wollte Flick nicht geben. Das sei "alles weit weg", sagte er vor dem Rückflug am Mittwochmittag: "Wir müssen erst einmal durchschnaufen." Allen voran Jamal Musiala.