Nationalmannschaft in Düsseldorf angekommen: Joachim Löw fordert zwei Siege und EM-Ticket

Fan-Fotos in Düsseldorf : Löw fordert zwei Siege und EM-Ticket

Trotz großer Personalsorgen will das DFB-Team in den letzten Spielen des Jahres die EM-Qualifikation perfekt machen - und zwar im neuen Gewand. Das neue Heimtrikot wurde auf ungewöhnliche Art von den Spielern beworben.

Manuel Neuer fuhr mit dem Bus und erntete erstaunte Blicke, Toni Kroos erfreute zwei glückselige Cafe-Besucher, und Serge Gnabry spielte an einem Stammtisch in der Kneipe Karten: Zum Jahresabschluss hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft die oft vermisste Fannähe bewiesen - wenn auch "nur" für eine Werbemaßnahme von Ausrüster adidas. Neuer und Co. mischten sich in Berlin unters Volk und bewarben auf höchst ungewöhnliche Weise das neue weiße Heimtrikot, mit dem das DFB-Team im Quali-Endspurt das EM-Ticket lösen will.

"Wir werden beide Spiele daheim gewinnen und uns qualifizieren", sagte 500 Kilometer entfernt Bundestrainer Joachim Löw bei der Ankunft im Düsseldorfer Teamhotel vor den Heimspielen am Samstag in Mönchengladbach gegen Weißrussland und drei Tage später in Frankfurt/Main gegen Nordirland (beide 20.45 Uhr/RTL).

Ohnehin zeigte sich Löw in Plauderlaune. Der leicht fröstelnde Bundestrainer redete sich warm und sprach gut gelaunt über den Bodycheck gegen seinen geschätzten Freiburger Kollegen Christian Streich ("Er kann gut einstecken"), das Schaffen von Uli Hoeneß ("Hat den deutschen Fußball geprägt wie kein anderer") und den Bayern-Job seinen einstigen Assistenten Hansi Flick ("Der Hansi kann das"). Über die erneute Absagenflut wollte Löw nicht lange hadern, viel mehr mache ihn die Aussicht auf eine etwas längere Trainingswoche "glücklich".

Auch mit dem neuen Trikot mit der handgemalten Nadelstreifen-Optik und den schwarz-rot-goldenen Ärmeln dürfte Löw zufrieden sein, bei den Spielern kam es gut an. "Es ist stylisch", meinte Gnabry. England-Legionär Ilkay Gündogan betonte jedoch, es sei vor allem "wichtig, dass wir in den Trikots auch viele Spiele gewinnen". Am besten schon am Samstag.

Bei einem Sieg gegen die Weißrussen und einem Unentschieden oder Erfolg der Niederländer im Parallelspiel in Nordirland hätte der dreimalige Europameister das Ticket für EURO 2020 in der Tasche. "Wir müssen die Qualifikation dicht machen", forderte DFB-Direktor Oliver Bierhoff.

Löw will die Lehrgänge aber auch immer zum Einstudieren von Automatismen nutzen, und diesbezüglich verliert er wieder wertvolle Zeit. Durch das Fehlen der verletzten Niklas Süle, Marco Reus, Kai Havertz, Julian Draxler, Antonio Rüdiger, Marcel Halstenberg, Thilo Kehrer und Kevin Trapp muss der Bundestrainer wieder improvisieren. Emre Can ist zudem gegen Weißrussland rotgesperrt.

Der Einsatz von Niklas Stark ist wegen eines Nasenbeinbruchs noch fraglich. Aber der Hertha-Profi, der nach seiner Operation im Gesicht schwer gezeichnet im Teamhotel eintraf, will mit einer Maske auflaufen und nach acht verpassten Länderspielen endlich sein Debüt feiern. Laut kicker bekam er von Löw eine Einsatzgarantie - sofern die DFB-Ärzte keine Einwände haben. Beim ersten Training am Dienstagnachmittag fehlte Stark, genau wie Ilkay Gündogan, Marc-Andre ter Stegen und Matthias Ginter.

Ungeachtet dessen traut sich Rio-Weltmeister Ginter die Rolle des neuen Abwehrchefs zu: "Ich bin mittlerweile mit am längsten dabei und will auch in der Nationalmannschaft vorangehen." Während der Mönchengladbacher als Bundesliga-Tabellenführer mit reichlich Selbstvertrauen angereist ist, muss Löw die Dortmunder Profis nach der deftigen Pleite gegen Bayern München aufbauen.

"Gegen Bayern waren sie wirklich harmlos, das muss man so sagen", so Löw, der mehr körperliche Robustheit auch in der DFB-Auswahl sehen möchte: "Wir haben viele Jahre auf hohem Niveau agiert und vieles spielerisch gelöst. Aber international gesehen ist in den Zweikämpfen eine unglaubliche Robustheit gefragt. Da haben wir Mängel gezeigt in den letzten Spielen."

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(eh/sid)