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Nationalmannschaft: Bundestrainer Joachim Löw stellt Boateng, Hummels und Müller Rückkehr in Aussicht

Aussortiertes Weltmeister-Trio : Bundestrainer Löw stellt Boateng, Hummels und Müller Rückkehr in Aussicht

Joachim Löw kann sich unter gewissen Umständen nun doch eine Rückkehr der ausgebooteten Rio-Weltmeister Thomas Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng vorstellen. Der Bundestrainer gesteht auch Fehler ein.

Thomas Müller wieder im DFB-Trikot? Das leidige Thema verfolgt Joachim Löw seit knapp zwei Jahren - nun ist der Bundestrainer gut drei Monate vor der EURO offenbar doch zu einer Rolle rückwärts bereit. "Wenn man einen Umbruch beginnt, sollte man ihn nie abbrechen und wieder in die völlig andere Richtung gehen", sagte Löw in der ARD-Sportschau, betonte aber nun erstmals: "Es ist so, dass uns durch die Pandemie fast ein Jahr gestohlen worden ist. Also kann man sich jetzt wirklich überlegen, ob man so einen Umbruch vielleicht mal unterbricht, wenn es unbedingt erforderlich ist."

Das wäre eine echte Kehrtwende. Zuletzt hatte Löw auf die wiederholten Forderungen nach einem Comeback der altgedienten Stars Müller, Mats Hummels oder Jerome Boateng ablehnend reagiert. Eine abschließende Entscheidung will der Bundestrainer aber erst bei der Nominierung seines EM-Kaders im Mai treffen.

"Wenn ich der Meinung bin, wir brauchen noch den ein oder anderen Prozentpunkt oder den ein oder anderen Energiegeber, sportlich gesehen oder in der Führung", sagte er, dann sei eine Rückkehr eines oder mehrerer Rio-Weltmeister denkbar. Das prominente Trio war im März 2019 von ihm aussortiert worden. "Wir werden nichts außen vorlassen, das kann ich versprechen", betonte der 61-Jährige.

Nach der im März beginnenden Qualifikation für die WM in Katar will Löw bewerten, "was brauchen wir für ein Turnier?". Einer wie Müller, Hummels oder Boateng wäre notfalls "schnell integriert, die wissen dann schon genau, wie es bei der Nationalmannschaft läuft, und das wäre dann kein Problem".

Löw steht vor der EURO (11. Juni bis 11. Juli) massiv unter Druck, besonders nach dem 0:6-Debakel gegen Spanien. Bei dem Turnier in zwölf Ländern geht es auch um seinen Job, da kann er etwa einen formstarken Müller dringend gebrauchen - auch in der Rolle als "Energiegeber".

Löw räumte auch ein, er müsse sich die jüngste Kritik "absolut gefallen lassen". Dass seine Arbeit derzeit schlecht bewertet werde, sei "unerfreulich", gebe ihm aber auch die "Zusatzmotivation zu zeigen, dass wir eigentlich besser sind als dieses Spanien-Spiel das gezeigt hat".

Und er weiß: "Wir müssen alle liefern. Auch ich muss jetzt absolut liefern, gute Ergebnisse." Denn seit 2018, "das muss ich ehrlich gestehen, haben wir nicht all das erreicht, was wir uns vorgestellt haben".

Sogar ein Hauch von Rücktritt wehte durch das Interview. Nach der Europameisterschaft werde man "dann auch nochmal sprechen mit dem DFB: Kann man noch irgendwie etwas bewegen, hat man die Energie und die Inspiration, das alles wieder neu anzutreiben?", sagte Löw, dessen Vertrag bis 2022 läuft. DFB-Präsident Fritz Keller hatte aber bereits nach dem Spanien-Spiel vorgefühlt, ob für Löw ein früherer Abschied denkbar wäre.

Dessen mittelfristige Ziele sind trotz der jüngsten Rückschläge weiterhin hoch. Die "in den Sand" gesetzte WM 2018 "hindert uns nicht daran, unsere Ansprüche wieder ganz oben anzulegen", betonte Löw. Die Mannschaft sei "allemal in der Lage", weit zu kommen - trotz starker Gegner schon in der Gruppe mit Weltmeister Frankreich, Titelverteidiger Portugal und Ungarn.

Einen Mangel an Führungsspielern sieht der Bundestrainer nicht. "Manuel Neuer ist ein Spieler, der vorangeht, Toni Kroos sowieso, Ilkay Gündogan auch, ein Jo Kimmich mittlerweile, Leon Goretzka. Das sind ja Spieler, die eben auch Verantwortung übernehmen können", sagte er. Aber: Er wünsche sich "natürlich auch eine andere Kommunikation auf dem Platz". "Radio" Müller könnte sicher helfen.

(old/sid)