Marcel Halstenberg bekommt Traumdebüt in Wembley

England gegen Deutschland: Halstenberg bekommt Traumdebüt in Wembley

Die Nominierung war schon eine Überraschung. Und jetzt bekommt Marcel Halstenberg auch noch sein Traumdebüt. Ausgerechnet in Englands Fußball-Tempel Wembleystadion soll der Leipziger erstmals für die deutsche Nationalmannschaft spielen.

Vor vier Jahren kämpfte Marcel Halstenberg noch (erfolgreich) mit der zweiten Mannschaft von Borussia Dortmund um den Klassenerhalt in der Dritten Liga. Danach ging er zum Zweitligisten FC St. Pauli. Und selbst nach dem Wechsel zum Zweitliga-Topteam RB Leipzig vor zweieinhalb Jahren war noch keine Rede von der großen Fußball-Karriere. Doch jetzt, im gesetzten Alter von 26 Jahren, darf Halstenberg sogar von der WM-Teilnahme 2018 in Russland träumen. Er steht jedenfalls im Aufgebot für die beiden Testländerspiele in England (Freitag, 21 Uhr/Live-Ticker) und am Dienstag in Köln gegen Frankreich. Und er wird auf jeden Fall sein Debüt geben.

Das hat Bundestrainer Joachim Löw dm Donnerstag in erstaunlicher Offenheit verraten. "Ich möchte in so einem Spiel auch experimentieren", sagte er vor dem Abflug nach London in Berlin, "Marcel Halstenberg darf sich Hoffnungen machen. Den plane ich einfach mal in der Startelf ein." Halstenberg wird ähnlich überrascht sein wie vergangene Woche, als er einen Anruf mit ihm unbekannter Nummer erhielt. Er nahm den Anruf nicht an. Und als er auf der Mailbox später jemand mit ausgeprägtem badischen Akzent von einer Nationalmannschafts-Nominierung reden hörte, glaubte er an einen Scherz. Dass der vermeintliche Scherzbold Bundestrainer Löw war, erfuhr er aber natürlich auch noch.

Deshalb wird er am Freitag das Trikot mit dem Adler tragen. Zum ersten Mal, denn den vermeintlich allgegenwärtigen Talentesuchern des DFB war er bislang nicht aufgefallen. "Ich bin eben ein Spätentwickler", erklärte der Wahl-Leipziger. Zur späten Nationalmannschafts-Reife trägt neben lange übersehenen Fähigkeiten auch die Position bei, die Halstenberg auf dem Feld einnimmt. Er ist linker Außenverteidiger, und mit Geschöpfen dieser Art ist der deutsche Fußball nicht eben gesegnet. Seit der Kölner Jonas Hector, der Platzhirsch auf diesem Posten, die erste ernsthafte Verletzung seiner Karriere auskuriert, hat Löw hier vor allem Marvin Plattenhardt von Hertha BSC vorspielen lassen. Dessen Vorstellungen müssen Halstenberg nicht in Angst und Schrecken versetzen.

Derweil haben andere Athleten, die sich bislang weniger Sorgen um ihre Startberechtigung bei der WM gemacht haben, die Darbietungen der Konkurrenz zumindest wahrgenommen. Sami Khedira zum Beispiel, der seit gemeinsamen U-21-Europameister-Zeiten mit Manuel Neuer, Mats Hummels, Mesut Özil, Jerome Boateng, Sandro Wagner und Benedikt Höwedes als Klassensprecher der Generation 2009 gilt. "Die Konkurrenz pusht mich zur Höchstleistung", versicherte der Mittelfeldspieler von Juventus Turin. Und: "Wir haben ein großes Ziel, den WM-Titel zu verteidigen. Da brauchen wir so große Spieler." Dass er sich da mit einrechnet, ist selbstverständlich. In Abwesenheit von Leon Goretzka (Schalke 04) kann Khedira großen Worten große Taten folgen lassen. Am nötigen Selbst- und Sendungsbewusstsein mangelt es ihm jedenfalls nicht.

Das wiederum war längere Zeit für Mario Götze ein Problem. Bevor seine Stoffwechselerkrankung erkannt wurde, begleiteten ihn Selbstzweifel. Nach einem Jahr steht er wieder mal im Aufgebot des DFB. Eine lange Zeit in einem kurzen Fußballerleben, immerhin aber kurz genug für seine Feststellung: "Ich habe noch alle erkannt." Das ist gut, denn es hilft beim Zusammenspiel. Ob Götze wie Halstenberg von Anfang an ran darf, verriet Löw übrigens nicht. Der Gegner muss ja nicht alles wissen - auch wenn es sich um ein Freundschaftsspiel handelt.

(pet)
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