Marc-André ter Stegen ist mehr als nur ein Manuel-Neuer-Ersatz

"Er strahlt Ruhe aus": Ter Stegen ist viel mehr als nur ein Neuer-Ersatz

Barcelona-Keeper Marc-André ter Stegen glänzt gegen Spanien, verzichtet aber weiter auf vorlaute WM-Ansprüche. In München arbeitet DFB-Kapitän Neuer weiter an seinem Comeback, kennt jedoch genau die Risiken.

Marc-André ter Stegen spielt aktuell wie eine echte Nummer 1. Über seine mögliche Hauptrolle im WM-Sommer aber wollte der gebürtige Gladbacher auch nach seinem erneut turnierreifen Auftritt gegen Spanien nicht spekulieren. Vielmehr sprach der derzeitige erste Torwart der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nach dem 1:1 lieber im Namen des ganzen Teams. "Ich glaube, dass es generell für uns ein wichtiger Prüfstein ist auf dem Weg nach Russland. Wir haben noch viel vor und jetzt haben wir den nächsten großen Gegner vor uns. Wir genießen diese Spiele", erklärte ter Stegen vor dem zweiten WM-Test am Dienstag (20.45 Uhr) in Berlin gegen Rekordweltmeister Brasilien.

Gegen starke und selbstbewusste Spanier hatte ter Stegen in Düsseldorf wie eine wahre Nummer 1 agiert und dabei durchaus an die Spielweise von Kapitän Manuel Neuer erinnert. Von Nervosität keine Spur: Der ehemalige Mönchengladbacher Torwart war stets hellwach, spielte konzentriert mit und rettete mit einer Riesenparade gegen Isco das Remis. Auch der noch längere Zeit nicht einsatzbereite Neuer hat seine größten Stärken in den Reaktionen auf Schüsse aus Nahdistanz und im vorausschauenden Mitspielen.

In dieser Woche möchte Weltmeister Neuer beim FC Bayern zu ersten Laufübungen auf den Rasen zurückkehren, nachdem er Ende der vergangenen Woche einen Härtetest auf dem Laufband bestanden hatte. Die Zeit für den Welttorhüter wird nach dem dritten Mittelfußbruch und zuletzt sechs Monaten Pause immer knapper, um in den Spielbetrieb zurückzukehren und noch in WM-Form zu kommen. Der DFB-Kapitän traut sich das weiter zu. "Ich bin kein junger Spieler, der wenig Erfahrung hat", sagte Neuer: Er habe "die Automatismen im Blut".

Allerdings weiß Neuer, der am Tag des Brasilien-Spiels seinen 32. Geburtstag feiert, auch um die Risiken. Und die sind nicht gering. "Es ist wirklich wichtig, dass dem Fuß nichts mehr passiert. Sonst könnte es wirklich um die Karriere gehen", verriet er im FC-Bayern-TV. Es klang wie eine Mahnung an sich selbst. "Jetzt muss man besonders vorsichtig sein." Joachim Löw äußert sich jedoch zuversichtlich, dass Neuer ab 23. Mai im WM-Trainingslager in Südtirol dabei sein kann.

Parallel macht der Bundestrainer den 25 Jahre alten ter Stegen stark. "Er strahlt Ruhe aus, er hat eine gute Spielauslösung. Das war uns bekannt." Ter Stegen ist beim FC Barcelona zum Stammkeeper avanciert, er genießt hohes Ansehen bei Lionel Messi und Co. Im Nationalteam hat er die Anfangsschwierigkeiten überwunden. "Er hat in den letzten zwei Jahren einen Riesenschritt gemacht", sagte Löw. Nach seinem 19. Länderspiel ist ter Stegen mehr als nur der Stellvertreter von Neuer.

(dpa)