Manuel Neuer im WM-Kader 2018? Oliver Kahn hat große Zweifel

"Eine prekäre Situation": Kahn hat Zweifel an Neuers WM-Teilnahme

Manuel Neuer ist wieder da - wenn auch nur beim Werbedreh. Alle in der Nationalmannschaft hoffen auf die WM-Teilnahme ihres Kapitäns. Doch Oliver Kahn hat große Zweifel.

Manuel Neuer lächelte auch für den x-ten Sponsor noch freundlich-professionell in die Kamera. Doch als es für die deutschen Fußball-Weltmeister am Mittwochvormittag endlich auf den Platz ging, saß der Kapitän außer Dienst schon wieder im Flugzeug nach Hause. Der Unverzichtbare kann seiner Mannschaft auch ein halbes Jahr nach seinem dritten Mittelfußbruch trotz eines "guten Gefühls" nur als kraftvolles Marketing-Zugpferd helfen. Ob sich das rechtzeitig zur WM ändern wird, ist die große Frage.

Es gibt Experten, die Zweifel äußern. "Es ist eine prekäre Situation", sagte der langjährige Nationaltorhüter Oliver Kahn. Neuer sollte vor der Endrunde im Sommer definitiv noch einige Spiele machen, selbstverständlich. Aber, betonte Kahn im "Sport1"-Interview: "Irgendwann wird es auch für den Trainer schwierig. Der FC Bayern setzt ihn natürlich nicht unter Druck, aber irgendwann fragt sich der Trainer auch: Wann kann ich ihn denn überhaupt noch bringen? Gerade, wenn es in die Endphase der Champions League geht."

Vor der WM 2014 war Neuer ebenfalls verletzt: "Da hat er gezeigt, dass er nicht viel Spielpraxis, sondern eine gewisse Sicherheit braucht. Dann kann er relativ schnell auch auf hohem Niveau spielen. Diesmal ist es allerdings ein bisschen anders", sagte Kahn. Neuer sei älter geworden und brauche auch Vertrauen, ob der Fuß wirklich hält.

Im Kreise der Nationalmannschaft wird dies - zumindest nach außen - weit gelassener eingeschätzt. "Manu macht einen ganz guten Eindruck", berichtete Thomas Müller, schob aber sogleich nach, er sei "in die medizinische Sachlage nicht eingeweiht. Wie ich den Manuel einschätze, ist er nie abzuschreiben."

Neuers Blitzbesuch in Düsseldorf hatte jedenfalls den Effekt, dass sich der bald 32-Jährige mal wieder als wichtiger Bestandteil der Mannschaft fühlen konnte. "Alle haben sich sehr gefreut, das war auch sein Wunsch, wieder einen Tag dabei zu sein", sagte Oliver Bierhoff. Der wohl wichtigste Part seines Berichts: "Ich bin weiterhin positiv - er auch. Ich hoffe, dass er 100 Prozent belastbar ist, wenn wir nominieren." Bundestrainer Joachim Löw benennt sein vorläufiges WM-Aufgebot in acht Wochen.

Die Zeit, sie verrinnt und verrinnt. Seit dem 4:0 gegen den FSV Mainz 05 am 16. September 2017 ist Manuel Neuer Zuschauer, er hat alleine 39 Bayern-Spiele verpasst. Mehrere Prognosen für ein Rückkehrdatum haben sich als zu optimistisch erwiesen. Neuer joggt, er schuftet im Kraftraum, er brachte sich mit einem Thailand-Urlaub auf andere Gedanken, doch sein Fuß ist (noch) nicht bereit für die Maximalbelastung. Dennoch geht er davon aus, "dass ich bei der WM im Tor bin". Auch Löw sowie Bayern-Coach Jupp Heynckes geben sich "felsenfest" von Neuers WM-Teilnahme überzeugt.

Ungeduld kann sich der wahrscheinlich weltbeste Torwart ohnehin nicht erlauben. Ein erneuter Knacks, und der WM-Traum wäre ausgeträumt. "Ich muss auf Nummer sicher gehen, sehr vorsichtig" sein, sagte er. Also bewegt er sich wie auf Watte: "Nur keine Fehler machen. Eine weitere Verletzung an dem Knochen wäre suboptimal für mich."

Derzeit ist sein ersehntes Comeback für April geplant, was locker ausreichen würde. "Es gibt von uns keinen Druck", sagte Bierhoff am Mittwoch, "die Entscheidung liegt bei ihm und den Ärzten: Wann kann ich wieder mehr belasten, etwas mehr Risiko eingehen?" Notfalls glaube er, beteuerte Bierhoff, "dass ein Welttorhüter auch über Training schnell wieder in den Rhythmus kommen kann".

Das wäre dann schon der Plan B: ohne Spielpraxis.

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(sid)