Lukas Nmecha will U21-EM als Bühne nutzen

Lukas Nmecha : Dieser U21-Kicker hat Mönchengladbacher Wurzeln

Lukas Nmecha schoss England zum U19-EM-Titel, bei der U21-EM trägt er das DFB-Trikot. Auch seinen Arbeitsplatz könnte der Stürmer bald nach Deutschland verlegen.

Die Entscheidung fiel beim Rührei in Manchester. Stefan Kuntz war extra nach England geflogen, zwei Tage verbrachte er mit der Familie von Lukas Nmecha, um den Stürmer von einem Wechsel der Fußball-Nationalität zu überzeugen. Am Ende brachte der DFB-Trainer zwei wichtige Erkenntnisse mit. Erstens: Lukas Nmecha trägt künftig das deutsche Trikot. Zweitens: "Papa Nmecha macht eines der besten Rühreier, die es gibt."

Bis dahin hatte der in Hamburg geborene Nmecha 31 U-Länderspiele für England bestritten. Bei der U19-EM 2017 erzielte er sowohl im Halbfinale gegen Tschechien (1:0) als auch im Finale gegen Portugal (2:1) Englands Siegtor. Dann kam Kuntz und überredete den Angreifer von Manchester City, der zuletzt an Preston North End ausgeliehen war, zum Trikottausch. Die Belohnung: Bei der U21-EM in Italien und San Marino steht der 20-Jährige im 23-köpfigen Kader.

"Ich sehe Deutschland als meine Heimat an. Bis ich neun Jahre alt war, habe ich in Hamburg gelebt und habe auch heute noch einen großen Bezug zur Stadt und den Leuten", sagt Nmecha, dessen Mutter aus Mönchengladbach und dessen Vater aus Nigeria stammt. 2012 war er einmal vom DFB zu einem U15-Lehrgang eingeladen worden, doch später holte ihn der englische Verband. Bis Kuntz kam.

"Ich habe mit meiner Mama geredet. Das war einfach die richtige Entscheidung für mich", sagt Nmecha, der viele Kulturen in sich trägt. Auf dem linken Unterarm trägt er ein Tattoo mit Szenen aus Afrika, auch eine Giraffe und Antilope finden sich dort. Fußballerisch ist er allerdings jetzt auf Deutschland festgelegt, eine Rückkehr nach England ist nicht mehr möglich.

Sein Debüt für die deutsche U21 hatte Nmecha im März gegeben - ausgerechnet beim Test in England. Erst wenige Minuten vor dem Anstoß kam die Spielberechtigung, bei den Hymnen sang er laut (Deutschland) und leise (England) mit. Die EM in Italien will er nun für Werbung in eigener Sache nutzen. "Ein Wechsel in die Bundesliga wäre super für mich, weil ich ja deutsch spreche", sagt der Stürmer, der von Pep Guardiola in Manchester zwar geschätzt wird, gegen die Weltstars im Angriff aber keine Chance hat.

Stefan Kuntz jedenfalls setzt weiter auf Nmecha, zumal der Angreifer einer von nur vier Spielern im Kader ist, die auch nach der EM noch spielen können. "Das war eine Entscheidung für die Zukunft", sagt der DFB-Trainer. Das englische Frühstück im Hause Nmecha hat sich längst bezahlt gemacht.

(sef/sid)
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