Showdown beim Kießling-Thema: Löw nominiert ihn, Löw nominiert ihn nicht

Showdown beim Kießling-Thema: Löw nominiert ihn, Löw nominiert ihn nicht

Am Freitag nominiert Bundestrainer Joachim Löw sein Aufgebot für die Länderspiele gegen Irland und Schweden. Und die Frage lautet: Kießling oder nicht?

>>>Update: Joachim Löw verzichtet erneut auf Stefan Kießling

Bundestrainer Joachim Löw gab entgegen seiner sonstigen Gewohnheit überhaupt keine Interviews, und Stefan Kießling versuchte gar, sich durch einen Seitenausgang aus dem Stadion zu schleichen: Die spannendste Frage vor der Nominierung am Freitag für die letzten WM-Qualifikationsspiele gegen Irland in Köln (11. Oktober) und Schweden in Stockholm (15. Oktober) nervt nicht nur die Protagonisten. Doch klar scheint: Bei dieser Thematik ist der Showdown gekommen, sie wird am Freitag für alle Zeiten geklärt werden — wohl mit dem endgültigen Aus für den Leverkusener Bundesliga-Torschützenkönig Kießling.

Dieser erklärte, nachdem ihn die Journalisten nach dem 2:1 in der Champions League gegen Real Sociedad San Sebastian in der Stadion-Garage stellten, er beantworte nur Fragen zum Spiel. Als ein später hinzugestoßener Reporter doch nach dem auf der Tribüne sitzenden Löw fragte, sagte Kießling energisch, er werde sich dazu nicht äußern — "noch nicht".

Löw hatte sich am Dienstag in Düsseldorf mit Bayers Sportchef Rudi Völler getroffen und ihm erläutert, ob und warum er Kießling nach den Ausfällen von Miroslav Klose und Mario Gomez nominieren werden. Sollte er den 29 Jahre alte Kießling, der zuletzt bei der WM 2010 zum Aufgebot zählte, am Freitag erneut nicht berücksichtigen, dürfte sich das seit Monaten köchelnde Thema endgültig erledigt haben. So oder so wird Löw sich am Freitag noch einmal dazu äußern müssen — auch wenn das Aufgebot nur per Pressemitteilung veröffentlicht wird.

Eine Nominierung Kießlings wäre aufgrund der vergangenen Monate eine echte Überraschung und Trendwende. "Von der Leistung her müsste er dabei sein, aber vielleicht ist da etwas vorgefallen", sagte "Kaiser" Franz Beckenbauer bei Sky: "Es ist aber schon merkwürdig."

Auch die Leverkusener Mitspieler sprachen sich für ihren Torjäger aus. "Er ist immer motiviert und reißt sich den Arsch auf. Von der Leistung her müsste er dabei sein - und zwar unabhängig davon, ob Klose oder Gomez verletzt sind", betonte Kapitän Simon Rolfes und wertete es als "gutes Zeichen", dass es nun "zumindest Kommunikation zwischen beiden Seiten gibt". Dies kommentierte Stefan Reinartz jedoch eher mit Ironie. "Ich habe in meiner sehr langen Nationalmannschafts-Karriere so viele Gespräche mit dem Bundestrainer gehabt, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll", meinte der dreimalige Nationalspieler.

Absolut möglich ist am Freitag derweil die Berufung des Dortmunder Torhüters Roman Weidenfeller, der wohl auf jeden Fall vor der WM noch seine Chance bekommen soll. Vielleicht wird seine Nominierung ein Friedens-Angebot von Löw an den BVB.

Die Unstimmigkeiten, die nach der Kritik des Bundestrainers an Mats Hummels aufgekommen waren, versuchte der DFB in den letzten Wochen im direkten Gespräch zu klären. Nach einem Treffen zwischen Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff und BVB-Manager Michael Zorc in der vergangenen Woche statteten Löw und bezeichnenderweise Bundestorwarttrainer Andreas Köpke am Mittwoch BVB-Coach Jürgen Klopp einen Besuch ab. Der berichtete der Bild-Zeitung von einem "sehr guten Gespräch in entspannter Atmosphäre".

In der Sturmfrage gilt die Nominierung des Mönchengladbachers Max Kruse als sicher. Als möglich gilt die erste Berufung des Hoffenheimers Kevin Volland, den Kapitän der deutschen U21 hatte Löw nach starkem Saisonstart schon ins Gespräch gebracht.

Dies hängt aber wohl auch davon ab, ob Löw bereits wieder Mario Götze mitnimmt, der als "falsche Neun" eine weitere Sturm-Alternative wäre. Götze gab nach der zweiten größeren Verletzung in einem halben Jahr am Mittwoch in der Champions League ein fünfminütiges Comeback bei Bayern München.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Stefan Kießling

(sid)
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