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Joachim Löw testet Mr. Unbekannt: Wer ist Shkodran Mustafi?

Nationalelf testet gegen Chile : Wer ist eigentlich Shkodran Mustafi?

Philipp Lahm versuchte erst gar nicht, seine Unwissenheit zu überspielen. "Der sagt mir nicht viel. Italienische Liga schaue ich nicht sehr oft", antwortete der Nationalmannschafts-Kapitän auf die Frage, ob er Shkodran Mustafi kenne.

Und damit stand der Bayern-Profi nicht alleine da. Inzwischen dürfte der 30-Jährige mehr über den neun Jahre jüngeren Kollegen erfahren haben, der sich in dieser Saison einen Stammplatz bei Sampdoria Genua erkämpft hat. Seit Montag bereitet er sich mit dem Neuling auf das Chile-Spiel vor.

Mustafi, dessen Eltern aus Albanien stammen, wurde in Bad Hersfeld geboren. Er spielte von der U16 an in allen Nachwuchsteams des DFB. Seit einem Jahr gehört er zum Kreis der U21-Auswahl. 2006 wurde Mustafi bei einem Hallenturnier des SV Rotenburg entdeckt. Da war er 13 Jahre alt. "Danach sprachen mich mehrere Bundesligisten an. Ich habe mich auf mein Gefühl verlassen und bin zum Hamburger SV ins Internat gewechselt. Ich habe es nicht bereut", schildert er den Beginn seiner Karriere. Mit 17 Jahren fühlte er sich reif für die Insel und wechselte zum FC Everton. Ende Januar 2012 unterschrieb er in Genua beim damaligen Zweitligisten.

Traum geht in Erfüllung

"In England habe ich mich körperlich und persönlich sehr weiterentwickelt. In Italien lerne ich sehr viel im taktischen Bereich", erzählt Mustafi. Für ihn hat sich mit der ersten Berufung in die Nationalmannschaft ein Traum erfüllt. "Irgendwann mit dem A-Team an einer WM oder EM teilnehmen", hatte er sich im Mai 2009 gewünscht, wenige Tage, bevor Holland im Finale der U17-EM besiegt wurde. Mit dabei waren Torhüter Marc-André ter Stegen (jetzt Bundesligaprofi in Mönchengladbach), Abwehrmann Marvin Plattenhardt (Nürnberg) und Mario Götze (München).

Mustafi begann als Stürmer und spielt nun auf einer Position, die in Deutschland nicht gerade überbesetzt ist. "Er ist eine echte Persönlichkeit und sehr reif für sein Alter. Er kann führen und Verantwortung übernehmen, antizipiert im Spiel sehr gut und macht wenige Fehler", lobt DFB-Trainer Horst Hrubesch den Innenverteidiger. Als Kandidat für einen Platz im WM-Aufgebot sieht Mustafi sich nicht. "Für mich ist das erst einmal ein unglaubliches Gefühl und eine Auszeichnung, nominiert worden zu sein", betont der Defensivspieler. Sollte es allerdings dazu kommen, wäre das "natürlich noch ein Schritt weiter".

Für Albanien zu spielen, das Land seiner Eltern, war für Mustafi keine Option. "Ich bin in Deutschland aufgewachsen. Der Sport kennt für mich sowieso keine Grenzen. Man muss einfach auf den Platz gehen und zeigen, was man kann", betont er. Beim Nationalteam kam er mit Verspätung an. Nach dem 2:0-Sieg am Sonntag beim FC Turin — er hatte das 1:0 vorbereitet — musste der Abwehrspieler zur Dopingkontrolle. Die Folge: Er verpasste das Flugzeug und traf erst am Montagmittag im Mannschaftshotel ein.

Vielleicht ist er in Deutschland demnächst kein so großer Unbekannter mehr. Bis zu sechs Spieler kann Bundestrainer Joachim Löw heute auswechseln. Die Chance für Mustafi? Sollte es so kommen, wird der 21-Jährige es genießen, aber er versichert: "Ich bleibe so ein bisschen noch mit den Füßen auf dem Boden." Ein guter Plan.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Shkodran Mustafi

(RP)