Joachim Löw nimmt mit Bastian Schweinsteiger Kurs auf EM-Finale

Neuer Kapitän der Nationalmannschaft : Schweinsteiger: "Es ist eine Ehre"

Joachim Löw hat die zwei drängendsten Fragen beantwortet. Bastian Schweinsteiger, 108-maliger Nationalspieler, ist Nachfolger von Philipp Lahm. Thomas Schneider, Ex-Trainer des VfB Stuttgart, wird der neue Co-Trainer von Löw.

Mit Bastian Schweinsteiger als Kapitän und Thomas Schneider als Co-Trainer will die deutsche Nationalmannschaft Kurs auf das EM-Finale in zwei Jahren nehmen. Bundestrainer Joachim Löw verkündete die beiden Top-Personalien einen Tag vor dem ersten Testländerspiel des Weltmeisters seit dem WM-Triumph. Bei der Neuauflage des Endspiels von Rio geht es am Mittwoch (20.45 Uhr/Live-Ticker) gegen Argentinien.

"Wir haben jetzt seit vielen, vielen Jahren, seit zehn Jahren, ein Vertrauensverhältnis. Er hat eine immense Erfahrung, genießt eine hohe Akzeptanz in der Mannschaft und im Trainerkader, ist ein wichtiger Kommunikator für uns", sagte Löw am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Düsseldorf. Schweinsteiger werde "in den nächsten zwei Jahren dieses Amt bekleiden".

"Es ist eine Ehre und Freude, aber zugleich eine Verpflichtung", erklärte der 30 Jahre alte Schweinsteiger nach der Entscheidung des Bundestrainers, wer die Nachfolge von Lahm im Team des Weltmeisters antreten soll. "Joachim Löw und ich arbeiten jetzt seit 2004 zusammen, und diese gemeinsame Zeit, die mit dem Gewinn des WM-Titels einen Höhepunkt hatte, schweißt natürlich zusammen. Insofern habe ich es als Privileg und auch als Anerkennung empfunden, gewissermaßen als Erster unter Gleichen ernannt zu werden", sagte Schweinsteiger auf der Verbands-Homepage.

Sein Verhalten auf dem Platz werde er als Kapitän nicht ändern, bemerkte Schweinsteiger. "Ich habe meine Art zu führen, die sich in den letzten Jahren entwickelt und als erfolgreich erwiesen hat. Ich weiß aber auch, dass nun weitere Verpflichtungen dazukommen werden, insbesondere auch außerhalb des Platzes", ergänzte der 108-malige Nationalspieler. "Ich werde mich da reinarbeiten. Mehr als zehn Jahre Bayern München, mehr als 100 Länderspiele — ich kenne viele Akteure in Sport, Wirtschaft und Politik. Darauf werde ich aufbauen."

Schneider stößt ab Oktober zum Team

Weil der Mittelfeldspieler des FC Bayern verletzungsbedingt gegen die Südamerikaner am Mittwoch beim WM-Wiedersehen fehlen wird, führt Torwart Manuel Neuer das Team in Düsseldorf auf den Platz. Auch Schneider muss sich noch gedulden: Der 41 Jahre alte Nachfolger des zum DFB-Sportdirektor aufgestiegenen Hansi Flick tritt seinen Posten ab Oktober an. "Seine Ansichten sind für mich sehr vernünftig, nachvollziehbar, sehr interessant", betonte Löw. "Ich glaube auch, dass er menschlich bei uns reinpasst, er hat eine eigene Meinung und einen starken Charakter."

Schneider war am 9. März als Trainer beim schwäbischen Bundesligisten VfB Stuttgart entlassen worden. Vorausgegangen war ein 2:2 gegen das damalige Tabellenschlusslicht und den späteren Absteiger Eintracht Braunschweig. Seine Trainerkarriere startete Schneider als Jugendcoach beim VfB.

Als Spieler trainierte Schneider beim VfB selbst sogar noch unter Löw. "Schon damals habe ich gemerkt, dass wir sehr ähnlich über den Fußball denken", wurde Schneider in einer Mitteilung des Deutschen Fußball-Bundes zitiert. Man habe sich zudem "die Jahre ja nie aus den Augen verloren". Er sei überzeugt, "dass wir uns sehr gut ergänzen und optimal zusammenarbeiten werden".

Schweinsteiger fehlt gegen Argentinien

Auch Schneider bekommt den Posten zunächst für zwei Jahre bis nach der Europameisterschaft. Das Endspiel in Frankreich hat Löw bei seiner ersten Pressekonferenz nach dem WM-Triumph und der umjubelten Rückkehr nach Deutschland zum Projekt für die kommenden 23 Monate erklärt. "Das nächste große Ziel nach dem großen Finale von Rio soll und muss heißen: EM-Finale in Paris", sagte er. "Die Reise beginnt mit dem nächsten Spiel gegen Schottland", kündigte Löw vor dem ersten EM-Qualifikationsspiel am Sonntag in Dortmund an.

Der neue Kapitän wird auch dann noch nicht mit an Bord sein. Schweinsteiger, der die Nachfolge seines zurückgetretenen Vereinskollegen Philipp Lahm als Spielführer der DFB-Auswahl antritt, laboriert auf unbestimmte Zeit an einer Patellasehnenverletzung. Auf einen generellen Stellvertreter des 30 Jahre alten Schweinsteiger hat sich Löw noch nicht festgelegt. "Wir haben einen starken Spielerrat. Man wird sehen, wie sich das die nächsten Spiele entwickelt", sagte er. Vielleicht werde man den Stellvertreter des neuen Kapitäns Schweinsteiger "zur gegebenen Zeit festlegen, das muss jetzt aber nicht sein".

(dpa)
Mehr von RP ONLINE