Fußball-Nationalmannschaft: Vorbereitung ohne Joachim Löw in Venlo

Ohne Bundestrainer Löw : DFB-Team beginnt „gewöhnungsbedürftige“ Vorbereitung in Venlo

Ohne ihren Chef Joachim Löw bereitet sich die deutsche Nationalmannschaft in Venlo auf die anstehenden EM-Qualifikationsspiele vor. Aber auch Ort und Zeitpunkt sorgen für Diskussionen.

Marcus Sorg hatte es besonders eilig. Der vorübergehende Chef der deutschen Nationalmannschaft fuhr schon um 15.31 Uhr am Hotel De Bovenste Molen in Venlo vor, die Spieler um Kapitän Manuel Neuer ließen sich deutlich mehr Zeit. Es sei "eine besondere Herausforderung", sagte Sorg über seine Rolle als Vertreter von Bundestrainer Joachim Löw. Lächelnd fügte er an: "Jogi schwebt über allem".

Nervös wirkte Sorg am Sonntag nicht. Im blauen T-Shirt und mit weißen Turnschuhen schrieb er einige Autogramme und posierte für Selfies mit den wartenden Fans, dann verschwand er in der Vier-Sterne-Unterkunft und startete mit der Vorbereitung auf die EM-Qualifikationsspiele in Weißrussland und gegen Estland.

Das Fehlen von Löw, der nach einem Sportunfall mit einer gequetschten Arterie im Krankenhaus liegt, soll dabei nicht als Ausrede vor den beiden Pflichtaufgaben dienen. "Ich arbeite Tag für Tag mit ihm zusammen und weiß genau, was er will und braucht, kenne seine Vorstellungen", sagte Sorg, der in den kommenden Tagen in ständigem Austausch mit Löw stehen wird. "Wir werden in engem telefonischen Kontakt bleiben", versicherte Löw.

Im Rampenlicht wird vor den Begegnungen in Borissow (8. Juni) und drei Tage später in Mainz aber Sorg stehen, auch wenn dem 53-Jährigen diese Rolle nicht unbedingt behagt. Er komme aus Baden-Württemberg, sagte der gebürtige Ulmer: "Da sind die Menschen ein wenig reservierter".

Diese Reserviertheit will er aber spätestens beim ersten Training am Montagmorgen in der niederländischen Grenzstadt ablegen. Denn die Situation ist für den gelernten Diplom-Ingenieur für Grundlagen- und Bauphysik nicht einfach. Das letzte Pflichtspiel haben die DFB-Stars vor zwei bzw. drei Wochen bestritten. Ilkay Gündogan beschreibt es im SID-Gespräch als "gewöhnungsbedürftig, erst zwei Wochen Urlaub und dann nochmals zwei Länderspiele zu haben, bevor es in die richtige Sommerpause geht".

Gündogan verbrachte ein paar Tage in Dubai, nun muss er wie der Rest des 22er-Kaders, in dem Torhüter Sven Ulreich den verletzten Bernd Leno ersetzt, den Schalter wieder umlegen. Denn nach dem Auftakterfolg beim Erzrivalen Niederlande (3:2) sollen die Außenseiter Weißrussland und Estland nicht zu Stolpersteinen auf dem Weg zur EM 2020 werden. Gündogan forderte daher "sechs Punkte", auch wenn die Gegner "hochmotiviert sein werden, uns zu ärgern".

Nicht für Ärger, aber für Verwunderung sorgte der Treffpunkt. Berti Vogts hielt die Wahl des Ortes für das Kurz-Trainingslager sogar für "einen Aprilscherz". Der DFB könne doch nicht Fannähe predigen und dann im Ausland wohnen, schrieb der ehemalige Bundestrainer in seiner Kolumne bei t-online.de und versicherte: "Das hätte es bei mir nicht gegeben."

Die Bedingungen etwas abseits des Zentrums am Rande eines Naturschutzgebiets sind aber ideal. Trainiert wird auf der Anlage des Erstligisten VVV Venlo. Gündogan bleibt trotz des ungewohnten Orts der Einstimmung auf den Länderspiel-Doppelpack gelassen. "Ich habe das ehrlich gesagt nicht im Detail verfolgt, warum wir uns in Venlo vorbereiten. Ich hatte nur mitbekommen, dass es in den deutschen Städten einen Buchungsengpass gab, es aber wegen der öffentlichen Veranstaltung in der Nähe von Aachen sein soll", sagte der Mittelfeldspieler des englischen Meisters Manchester City.

Die öffentliche Veranstaltung ist ein großes Fanfest auf dem Aachener Tivoli am Mittwoch. In einem Trainingsspiel treten zwei Mannschaften aus dem DFB-Kader gegeneinander an. Sorg wird dabei genau hinsehen und Löw berichten.

(ako/sid)
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