EM-Qualifikation: Bundestrainer Joachim Löw hofft nach „Ohrfeigen“-Jahr auf Losglück

EM-Quali : Löw hofft nach „Ohrfeigen“-Jahr auf Losglück

WM-Debakel, Abstieg in der Nations League - und jetzt noch eine Hammergruppe in der EM-Quali? Am Sonntag erfährt Joachim Löw, wie es für ihn und seine tief gefallene Mannschaft weitergeht.

Joachim Löw bekommt auch bei seiner letzten Dienstreise im "Ohrfeigen"-Jahr 2018 noch einmal schmerzlich vor Augen geführt, wie tief er mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gefallen ist. Wenn am Sonntag (12.00 Uhr/n-tv) in Dublin im Beisein des Bundestrainers die Qualifikation für die EM 2020 ausgelost wird, ist das einst ruhmreiche DFB-Team nur in Topf 2 gesetzt.

"Natürlich hätten wir uns für die Auslosung eine andere Konstellation gewünscht, aber wir stellen uns der Situation und nehmen sie an", sagte Löw. Diese Situation ist so schwierig wie noch nie in Löws zwölfjähriger Amtszeit. Aus dem Weltmeister von 2014 ist binnen weniger Monate ein Absteiger geworden. Platz 16 in der Weltrangliste - schlechter war die DFB-Auswahl zuletzt im Jahr des EM-Desasters 2004 notiert.

Die Quittung dafür bekommt Löw im Dubliner Convention Center. Dort wird ihm und seinem verjüngten Team ein Favorit wie Weltmeister Frankreich, Vize Kroatien oder Titelverteidiger Portugal zugelost. Außerdem als Gruppenköpfe gesetzt sind Spanien, England, die Niederlande, Italien, Belgien, Polen und die Schweiz.

"Ich glaube, dass es gar nicht so schlecht ist, wenn wir auch einen Gegner haben, der ein echter Prüfstein ist", sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel: "Wir wollen ja nicht arrogant sein. Als Vorbereitung für die EURO 2020, als Test um zu sehen, wo stehen wir wirklich in der Phase des Umbruchs, ist der ein oder andere starke Gegner genau richtig."

Grindel würde sich sogar eine Revanche für den Nations-League-Absturz gegen den Weltmeister oder Oranje wünschen, "weil ich glaube, dass wir besser waren als unsere Ergebnisse". Er reise "mit großer Gelassenheit" nach Irland.

Tatsächlich könnte Deutschland in einer Gruppe mit Frankreich, Serbien oder der Türkei sowie Griechenland, Mazedonien und Lettland landen. Nur gut, dass sich in allen zehn Gruppen die Ersten und Zweiten direkt für die EM 2020 in zwölf Ländern mit dem Spielort München (drei Mal Vorrunde, ein Viertelfinale) qualifizieren.

Doch Bange machen gilt nicht, meinte Löw. "Ich freue mich auf nächstes Jahr, wir haben eine Mannschaft mit guter Perspektive", sagte er, und: "Wir werden uns für die EM qualifizieren." Die schwächste Bilanz in 111 Jahren Länderspielgeschichte und die "Ohrfeige" (Löw) bei der WM sollen endlich abgehakt sein.

Löw nannte zwei "übergeordnete Ziele" für 2019: Er möchte den zuletzt etwas forcierten Kurs der Erneuerung weiter steuern und "der Mannschaft sukzessive ein anderes Gesicht geben". Der Prozess, "junge Spieler heranzuführen und ihnen mehr Verantwortung zu geben", erfordere aber Geduld, wiederholte Löw. Was er nicht erwähnte: Dass Geduld jetzt nur notwendig ist, weil er diesen Weg viel zu spät eingeschlagen hat.

Neben der Verjüngung, und dies ist Löws zweites Vorhaben, müssten 2019 aber natürlich auch die Leistungen wieder stimmen. Er wisse, "dass wir die Ergebnisse brauchen, um uns direkt für die EM 2020 zu qualifizieren", sagte Löw.

Sollte dies misslingen, wäre Löw trotz Vertrags bis 2022 nicht zu halten. Ein Umweg zur EM bliebe jedoch noch: Über die Play-offs im März 2020. Daran teilnehmen dürfen jedoch nur die jeweiligen Gruppensieger der Nations League. Nur falls diese bereits ein EM-Ticket gelöst haben, können andere, schwächere Teams - wie das deutsche - nachrücken.

Gespielt wird bis dahin in der Quali an fünf Doppelspieltagen im März, Juni, September, Oktober und November 2019. Die EM-Gruppen werden am 1. Dezember 2019 ausgelost. Dass der dreimalige Europameister Deutschland dann erstmals seit 1968 nicht dabei sein könnte, daran mag Löw gar nicht erst denken.

SID mm mh

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(sid/old)