EM-Quali: Deutschland gewinnt gegen Nordirland dank Dreierpack von Gnabry

Dreierpack von Serge Gnabry : DFB-Elf feiert Kantersieg gegen Nordirland

Die deutsche Nationalmannschaft hat trotz eines frühen Rückstands einen überzeugenden Sieg gegen Nordirland gefeiert. Durch den Erfolg schließt die DFB-Elf die EM-Qualifikation als Gruppensieger ab.

Länderspiele sind nicht immer kleine Spaziergänge wie gegen Weißrussland (4:0) am Samstag in Mönchengladbach. Am Dienstag wurde die deutsche Nationalmannschaft in Frankfurt/Main von Nordirland vor allem körperlich doch deutlich mehr gefordert. Das entsprach den Erwartungen. Eher unerwartet war das klare 6:1, mit dem Deutschland die EM-Qualfikation als Gruppenerster beendete.

Bundestrainer Joachim Löw hatte seine Startformation gegenüber dem Spiel gegen Weißrussland auf fünf Positionen verändert. Das betraf in erster Linie die Abwehr. Dort verteidigten Jonathan Tah und Emre Can innen, auf dem linken Flügel Jonas Hector, und im Tor stand vereinbarungsgemäß Marc-André ter Stegen. Einzige Konstante war der rechte Außenverteidiger Lukas Klostermann. Im Angriff fing Julian Brandt für Timo Werner an.

Die neu formierte deutsche Abwehr ließ sich gleich kalt erwischen. Die rechte Außenbahn war offen, und den Flankenball von George Saville lenkte ausgerechnet Routinier Toni Kroos mit dem Kopf in die Mitte ab. Der Rückraum war nicht gesichert, und Michael Smith ließ sich nicht lange bitten. Er nahm den Ball mit einem Dropkick, das Spielgerät sauste flach zum 0:1 ins Netz. Ter Stegen hatte keine Chance.

Die frühe Führung belebte die 2.500 Fans der Nordiren auf den Rängen, aber sie hinterließ bei der deutschen Elf keine Wirkung. Kroos leitete unmittelbar darauf mit starken Pässen große Gelegenheiten ein. Einmal stand Torwart Bailey Peacock-Farrell dem Treffer im Weg, beim zweiten Mal der Pfosten.

Die DFB-Auswahl versuchte, die mit einer Fünfer- und einer Viererkette verteidigenden Gäste mit Verlagerungen auseinander zu ziehen. Das gab den Außenverteidigern viel Einfluss aufs Spiel. Klostermann und Hector spielten "sehr hoch", wie das heute heißt, sie waren so etwas wie Flügelstürmer in einem breiten Mittelfeld. Hector hatte dabei schon im ersten Durchgang sehr gute Momente. Seine oft flach in den Strafraum gespielten Bälle sorgten bei den langen irischen Zentrums-Spielern für viel Verwirrung.

Es war kein Zufall, dass Hector den Ausgleich vorbereitete. Serge Gnabry nahm das Zuspiel elegant an und schoss aus der Drehung ein - ein echtes Mittelstürmertor für den bei Löw gesetzten Angreifer von Bayern München. Das bestärkte die deutsche Mannschaft in ihrem Spielsystem. Aber trotz der erkennbaren fußballerischen Überlegenheit mussten sich die Gastgeber gegen die robust zu Werke gehenden Gäste weiter wehren. Das galt auch für die Abwehrspieler Tah und Can, die ordentlich Arbeit hatten, wenn die Nordiren zu ihren geradlinigen Kontern aufmachten.

Die Ballbesitzquoten blieben für die DFB-Auswahl allerdings über die gesamte Spielzeit in der Nähe von 80 Prozent. Und sie machte etwas daraus. Kurz vor der Pause spielte Joshua Kimmich wiederum Hector auf der linken Seite frei. Hectors Flachpass drückte Leon Goretzka mit Hilfe des Pfostens zur 2:1-Führung über die Linie.

Das hatte offenbar Hectors Gegenüber auf der rechten Seite zu entscheidender Mitarbeit aufgerufen. Kroos setzte den Leipziger in Szene, dessen Rückpass verwandelte wiederum Gnabry zum 3:1. Das war unmittelbar nach dem Wechsel. Damit war das nordirische Defensivkonzept natürlich Makulatur. Die Gäste gaben es dennoch nicht auf - einerseits, weil es eben ihr Spiel ist, andererseits, weil die DFB-Auswahl mit großer Ballsicherheit das Geschehen dominierte. Die Mittelfeldspieler Kimmich, Ilkay Gündogan und Kroos prägten das Geschehen. Sie verschafften den Kollegen den notwendigen Raum. Das zahlte sich aus. Brandt bediente Gnabry mit einem Steilpass, und die kleine Tormaschine aus München machte das 4:1. Mit diesem Treffer war Gnabry bei einer Quote von einem Tor pro Länderspiel angekommen - seit den Zeiten des legendären Torjägers Gerd Müller kennt die deutsche Fußball-Öffentlichkeit so etwas nicht mehr.

Den Nordiren hatte die Kombinationssicherheit der DFB-Auswahl sogar ein bisschen von der großartigen Kampfkraft genommen, mit der sie ihre Gegner auch in aussichtslosen Rückständen beeindrucken. Es machte sich ebenfalls bemerkbar, dass die Männer von der Insel am Samstag gegen die Niederlande harte Arbeit verrichten mussten. Und weil sie nun ständig den Deutschen hinterherliefen, reichte die Kraft einfach nicht aus. Nordirland war längst nicht mehr der energische Gegner der Anfangsphase. Die Gäste beschränkten sich darauf, mit einer weiter verstärkten Deckung die Deutschen von einem kleinen Schützenfest abzuhalten. Das gelang nur sehr bedingt, wie Goretzkas zweiter Treffer zum 5:1 bewies. In der Nachspielzeit stellte dann Julian Brandt den 6:1-Endstand her.

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(pet)
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